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 Das Gesetz des Karmas

Neunter Vortrag, der vom Meister

am Mittwoch dem 26. April 1922 in Sofia,

vor der Jugendokkultklasse gehalten worden ist.

Stilles Gebet

Für das nächste Mal schreibt über das Thema:”Der Platz der Schönheit in der Natur!”

Jetzt werde ich über das Gesetz des Karmas sprechen. Wer noch etwas mehr über diese Frage lernen will, der soll alles, auch das, was in anderen Sprachen wie: Deutsch, Französisch, Englisch oder Italienisch darüber geschrieben worden ist, lesen. Ich werde die Frage des Karmas aus der Sicht der göttlichen Wissenschaft behandeln. Das karmische Gesetz ist auf den Ausgang des Menschen aus Gott zurückzuführen. Und die Wirkung dieses Gesetzes beginnt mit der Polarisierung des Menschen, das heisst, mit der Entstehung der zwei Geschlechter, der zwei Pole auf der Welt. Die Polarisierung bedeutet die Spaltung des menschlichen Bewusstseins in positiv und negativ, in aufsteigend, oder absteigend, oder im höch -sten Grad ausgedrückt, in das Bewusstsein der Liebe und in das Bewusstsein der Weisheit. Das sind die zwei Pole im Menschen.

Ihr fragt:”Welches ist die Ursache für die Spaltung des menschlichen Bewusst -seins?” In jedem Individuum steckt ein Wunsch zum Beherrschen der Dinge und deshalb ist eine Spaltung des menschlichen Bewusstseins entstanden. Diese beiden Pole, welche man sich selbständig entwickeln hat lassen, haben sich geirrt und haben vergessen, dass sie zwei Seiten eines Ganzen sind. Also einmal gespalten, ist in ihnen ein innerer Wunsch entstanden, sich auf eine gedankenlose mechanische Weise gegenseitig zu erobern. Aber dort, wo eine gedankenlose, zwangsläufige Beherrschung der Dinge besteht, wird die Gewalt geboren. Als Kontrast dieser Situation erscheint die Natur, welche vom Menschen ein freiwilliges Opfer verlangt. Sie sagt: ”Der Mensch ist für den Menschen ein Bruder und soll sich für ihn freiwillig und aus Liebe aufopfern.

Jetzt werde ich die Bedeutung des Wortes “Opfer” aus okkulter Sicht bestim -men. Das Opfer hat die Bedeutung eines Gesetzes, für richtiges Wachstum und Entwicklung. Warum? Weil nur das was wächst, was sich entwickelt, blüht und Früchte gibt, kann sich aufopfern.

Kommen wir zur Frage des Karmas zurück. Wie ist das Karma erschienen, d.h. wie ist das Gesetz des Karmas erschienen. Als das erste Bewusstsein auf der Welt, das zweite Bewusstsein begrenzt hat, sind bereits die Bedingungen zum Erscheinen des Karmas entstanden. Ich werde diesen Gedanken mit dem folgenden Beispiel erläutern. Stellt euch vor, dass die Natur zwei gleichreiche und gleichintelligente Personen zusammengeführt hat, damit sie handeln. Sie brauchen einander, aber trotzdem entsteht in beiden der Wunsch, sich den Reichtum des jeweils Anderen anzueignen. Endlich schafft es der Eine, den Reichtum des Anderen zu erobern, sodass dieser ohne jede Mittel bleibt. Was soll dieser Mensch tun? Er muss zum Diener dieses Menschen werden, dem es gelang, sich den gesamten Reichtum anzueignen. Der Eine wird also zum Herrn und der Andere zum Diener. In diesem Sinn stellen die Herrn auf der Welt das erste Bewusstsein dar, welches mittels seiner Kraft die Oberhand über das zweite gewinnt. Die Diener aber stellen jene Kategorie von Menschen dar, deren Bewusstsein dem Einfluss des ersten Bewusstseins unterstellt ist. In den Dienern selbst, ist aber der Wunsch, Herren zu sein, nicht verschwunden. Sie wollen auch über den Anderen herrschen. Wenn deshalb ein Herr viele Diener hat, beginnen sie sich zu versammeln, sich zu organisieren, um auf den Sturz ihres Herrn hinzuarbeiten. Eines Tages fangen sie ihn ab, verprügeln ihn und auf diese Weise werden sie zu Herrn und er wird zum Diener. So, nämlich, wechselt auch das Bewusstsein der Menschen seine Rollen.

Indem ich jetzt über das Karma spreche, denkt nicht, dass ihr es auf einmal in seiner ganzen Fülle verstehen könnt. Ich frage euch, wie das Böse unter den Schülern einer Schule geboren wird. Das Böse wird dann geboren, wenn einer von den Schülern wünscht Herr zu sein und über das Wissen der anderen Schüler verfügen möchte. Das Böse wird auch dann geboren, wenn einer von den Schülern den Anderen etwas aufzwingen will. Er hat eine Idee und will diese Idee unbedingt durchsetzen. Oder jemand hat eine bestimmte Gewohnheit im Charakter und gewisse Kräfte, die er auch durchsetzen will. Der Schüler soll auf jeden Fall wissen, dass in der Natur ein Gesetz besteht, welches die Handlungen aller Lebewesen reguliert. Jeder Kraft hat sie eine Grenze gesetzt, bis zu welcher sie sich höchstens entwickeln kann. Sobald sie zu dieser Grenze kommt, treten bereits entgegen -gesetzte Handlungen auf. Solange die Menschen eure inneren, intimen Absichten nicht kennen, sind sie geneigt, auf euch zu hören und sich zu fügen. Wenn sie das Ziel eurer Absichten erfahren, beginnen sie gleich euch zu widersprechen und gegen euch zu wirken. Dieses Entgegenwirken entsteht aufgrund des Gesetzes der Selbsterhaltung, für die Erhaltung der eigenen Freiheit.

Also kann das Gesetz des Karmas nur dann reguliert werden, wenn der Mensch bereit ist, sich für die Anderen aufzuopfern, ihnen zum Diener zu werden und jedem Lebewesen das gleiche Recht zu geben. Das Recht, das ihr für euch wollt, das sollt ihr auch den anderen einräumen. Das Wohl, das ihr euch wünscht, das sollt ihr auch den Anderen wünschen. Jeder hat das Recht, seinen Verstand und sein Herz zu entwickeln und für die Stärkung seines Willens zu arbeiten, ganz unabhängig davon, ob er gebildet oder ungebildet, Diener oder Herr, reich oder arm ist. Das Wohl des Einen ist ein Wohl für alle, die Rechte des Einen sind Rechte für alle. Der Unterschied besteht darin, wer wie dieses Wohl und diese Rechte in seinem Leben anwenden wird.

Es besteht eine Gefahr für die okkulten Schüler. Sie verbirgt sich im sogenannt- en Vampirismus, d.h., dem Ausschöpfen der Lebenskraft eines Menschen. Das können nur diejenigen tun, welche die okkulten Gesetze kennen. Das ist aber absolut verboten. Die Schule in die ihr hier gekommen seid, verbietet das Schmarotzertum absolut. Das Ausschöpfen der Lebenskraft des Menschen, ist nichts anderes als Schmarotzertum. Wer sich das erlaubt, der wird die schlechten Folgen seines Ungehorsams erleben. Deshalb soll der okkulte Schüler hoch aufgeklärt sein, um die Kräfte, die er in sich entwickeln könnte nicht zu miß -brauchen.

Viele Schulen nähren in ihren Schülern den Glauben, dass die Kraft des Menschen in seinen Gedanken verborgen liegt. Das ist nur zeitweilig so. Die Kraft des Menschen ist eigentlich weder in seinen Gedanken, noch in seinen Gefühlen, oder in seinem Willen, das sind nur Äusserungen des Menschen, aber sie stellen noch nicht jene Quelle, aus welcher die Kraft kommt, dar. Es bleibt sich gleich zu denken, dass jede Äusserung der Liebe, die wahre Liebe in ihrer ganzen Fülle sei. Manchmal äussert sich die Liebe in der Form, manchmal noch ihrem Inhalt und manchmal nach ihrem Sinn, aber diese einzelnen Äußerungen sind noch nicht die Liebe in ihrer ganzen Fülle. Ich gebe euch einige Beispiele, damit ihr eine klare Vorstellung von der Liebe nach ihrer Form, ihrem Inhalt und ihrem Sinn habt. Zum Beispiel, da ist ein ertrinkender Mensch in einem Fluss. Am Fluss entlang kommt ein einfacher Arbeiter und als er den Ertrinkenden sieht, springt er gleich ins Wasser, fasst ihn bei der Hand und zieht ihn ans Ufer. Danach sagt er zu dem Geretteten:”Los, geh jetzt nach Hause!” Das ist ein Beispiel für die physische Äusserung der Liebe, der Lieb nach ihrer Form.

Zweites Beispiel: Auf der Strasse geht ein Mensch, der seit einigen Tagen nichts gegessen hat. Es begegnet ihm ein anderer Mensch, der in seinem Gesicht liest, dass dieser Mensch Hunger leidet und seit Tagen nichts gegessen hat Er hält ihn an und schlägt ihm vor, mit ihm nach Hause zu gehen, damit er etwas ißt. Zu Hause gibt er ein Festmahl und sagt dann zu ihm:”Jetzt kannst du gehen.” Das ist eine Äußerung der Liebe nach ihrem Inhalt.

Drittes Beispiel: Ihr lernt einen jungen wissbegierigen Menschen, der lernen und wissen erwerben will, kennen. Ihr seid Lehrer, habt einige Fakultäten absolviert und schlagt diesem jungen Menschen vor, ihm zu helfen und ihm Kenntnisse zu vermitteln. Ihr arbeitet mit ihm ein, zwei Jahre lang und nachdem ihr seht, dass er bestimmte Kenntnisse erworben hat, sagt ihr zu ihm:”Jetzt können sie selbst weiter lernen, arbeiten sie und sie werden Erfolg haben. Das ist eine Äußerung der Liebe nach dem Sinn.

Ich frage euch: Denkt ihr, dass, indem ihr dem Ertrinkenden eure Hand hingestreckt, dem Hungrigen zu essen und dem Ungebildeten Wissen vermittelt habt, sich das Leben völlig geäußert hat? Das Leben, wie auch die Liebe können sich nur dann völlig zeigen, wenn der Mensch in der Kausalwelt zu leben beginnt, wo einer für alle lebt und alle für einen. In dieser Welt ist das Wohl des Einen ein Wohl für alle, und das Wohl aller ein Wohl des Einen. Aufgrund dieses Gesetzes soll die Tätigkeit, wie auch die Freude und das Leid eines Lebewesens, wie klein es auch sein mag, heilig sein. Dieses Wesen kann eine Fliege sein, aber ihr sollt auch sie wie einen Menschen betrachten. Nur auf diese Weise kann Gott froh sein. Nur Gott aber kann seinen Blick auf die kleinen, winzigen Sachen richten. Die Menschen achten mehr auf die grossen Dinge. Weil ihr jetzt in die Schule gekommen seid, um zu lernen, darf es keinen Gedanken an und keinen Schatten von Lüge geben. Das Einzige, was man einem Schüler dieser Schule nie verzeiht, ist die Lüge. Alles kann man entschuldigen, aber die Lüge nie. Wenn es bis zur Lüge kommt, dann schützt euch davor, wie vor Feuer. Sie ist ein Prinzip, das den Menschen zu den Gegensätzen des Lebens bringen kann, von wo er sich nur sehr schwer zu befreien vermag. Wenn man in eine schwierige, ausweglose Lage gerät, bedient man sich der Lüge und sagt:”Ohne Lüge geht es nicht.” Nein, ohne Wahrheit geht es nicht, aber ohne Lüge geht es. Also schreibt euch die folgenden Sätze als wertvolle Lebensregeln auf:

Ohne Liebe geht es nicht,

Aber ohne Hass geht es!

Ohne Weisheit geht es nicht,

aber ohne Dummheit geht es!

Ohne Wahrheit geht es nicht,

Aber ohne Lüge geht es!

Wenn ihr das Entgegengesetzte behauptet und sagt, dass es ohne Lüge nicht geht, würde das bedeuten, dass die Lüge die Wahrheit gebährt und das ist nicht wahr. Wenn ihr sagt, dass es ohne Dummheit nicht geht, würde dies bedeuten, dass die Dummheit die Weisheit gebährt und das ist auch nicht wahr.

Wenn man vom karmischen Gesetz spricht, versteht man verschiedene Bezieh –ungen. Zum Beispiel: Diener und Herrn, Lehrer und Schüler, Brüder und Schwestern, Mütter und Väter – das sind immer karmische Beziehungen. Die Mutter und der Vater sind eine von den milderen karmischen Lagen. Laut dieses Gesetzes befinden sich alle Menschen in näheren oder ferneren Beziehungen zueinander, um mit sich abzurechnen. Die gegenwärtigen Menschen müssen diese Gesetze kennen, um richtig mit ihrem Karma zu Ende zu kommen. Ansonsten werden sie neue karmische Beziehungen untereinander in der Zukunft schaffen, die sie, wenn sie die Gesetze nicht kennen, berichtigen müssen. Wenn beispielsweise ein Herr seine Diener schlecht behandelt, wird er in der Zukunft zum Diener und sie zum Herrn. Er muss ihnen lange Zeit dienen, um seine Schuld abzutragen. So dass dann, wenn sich jemand fragt, weshalb er den Leuten dienen muss, er wissen soll, dass die Ursache dafür in seinerVergangenheit verborgen liegt, als er sich das Bewusstsein so mancher Menschen unterwerfen wollte, um sie zu Dienern zu machen. Das ist aber absolut verboten. Sich das Bewusstsein eines Menschen zu unterwerfen, das bedeutet, sich das Göttliche, das sich in diesem Menschen befindet, zu unterwerfen und es zum Diener zu machen. Das ist das einzig Unmögliche, was es auf der Welt gibt, dass man das Göttliche dem Menschlichen unterwirft.

Um mit seinem Karma Schluss zu machen, muss man an sich arbeiten, muss seine Gedanken und Gefühle transformieren, um sie zu verwandeln. Auch die Theosophen sprechen von einem hohen und einem niederen Manas, von einem hohen und einem niederen Bewusstsein im Menschen. Von einem geistigen und einem physischen Ansatz, sowie von zwei Polen im Menschen. Und genau darin besteht nämlich die Arbeit des Menschen an sich selbst, nämlich, sich von einem Pol zum anderen zu bewegen und zwar vom niedrigen zum hohen, aufsteigenden. Es ist auch tatsächlich bemerkt worden, dass, wenn man sich etwas mit den Gefühlen aneignen will, schafft man sich ein Karma. Wenn man den anderen Freiheit gibt, macht man mit seinem Karma Schluss. Wenn ihr von einem Freund verlangt, dass er euch liebt, euch seine Liebe kund tut, wird er um euren Kopf ein Halfter legen und euch von hinten mit einem Ochsenstachel pieksen und er wird euch fragen, ob ihr einverstanden seid, dass er euch auf so eine Weise liebt. Das bedeutet, dass man zwischen zwei Menschen ein Karma schafft. Ein fürchterliches Ding ist das Gesetz des Karmas. Selbst mit einem bitteren Wort, welches einem Menschen bei einer ungünstigen Zusammenstellung der Bedingungen gesagt worden ist, kann das Karma anfangen. Dieses Wort kann scheinbar zart und mit einem Lächeln ausge –sprochen werden, aber wenn es bitter ist, erzeugt es schon einen Effekt. Wie verpackt das bittere Wort auch gesagt werden mag, bringt es doch tausende von Bosheiten. Seid also aufmerksam auf jedes Gefühl und auf jeden Gedanken. Bevor ihr sie zum Ausdruck bringt, siebt sie, damit nicht etwas Unreines mit ihnen hervor-kommt. Wodurch werdet ihr sie abseihen? Durch Filter.

Aus der Sicht der okkulten Wissenschaft sind:das Herz, der Verstand und der Wille des Menschen Filter, mittels derer seine Gefühle, Gedanken und Handlungen gesiebt werde. Jeder Gedanke, jedes Gefühl und jede Handlung, sollen durch den Verstand, das Herz und den Willen des Menschen gehen, um gefiltert zu werden. Erst nachdem sie gefiltert wurden, können sie im Garten der Seele gesät und angepflanzt werden.

Um zu verstehen, ob zwischen zwei Personen ein Karma besteht, ist es nicht nötig, dass man unbedingt ein Hellseher sein muß. Auch ohne ein Hellseher zu sein, kann man verstehen, wie und wann ein Karma geschaffen wurde. Es genügt schon, dass die kleinste Abweichung vom Gesetz der Liebe eintritt, damit gleich eine Polarisierung des Gehirns entsteht. In der einen Halbkugel des Gehirns wird sich mehr Energie ansammeln und in der anderen weniger. Infolge dessen beginnt man sich zu erzürnen und seinen Freunden Grobheiten zu sagen. Wenn zum Beispiel in der linken Halbkugel des Gehirns mehrEnergie angesammelt wird, wird der Mensch sehr liebenswürdig und höflich. Aber das ist keine natürliche Angelegen -heit. Bei dieser Situation bemerkt man, dass sich die Muskel der rechten Seite des Gesichts zu verkürzen beginnen und schrumpfen. Und dann bemerkt man im Gesicht dieses Menschen ungewöhnliche, unharmonische Zuckungen, welche auf disharmonische Gedanken, Gefühle und Handlungen zurückzuführen sind.

Wenn diese unwillkürlichen Bewegungen des Gesichtes längere Zeit andauern, kann es passieren, dass der Mund des Menschen krumm wird, weil sich die Muskulatur der einen Seite des Gesichtes verlängert und die der anderen Seite verkürzt. Es vergeht keine lange Zeit und wir sehen, dass das Karma seine Spuren hinterläßt, entweder im Gesicht, bei den Augen, oder anderswo. Wenn man sich zum Beispiel oft der Lüge bedient, so werden verschiedene Muskel des Gesichtes kürzer und der Strahl der aus den Augen kommt, fällt hinunter zum Zentrum der Erde. Wenn man sich dann im Spiegel anschaut und sieht diesen Strahl zur Erde hinunter gerichtet, gefällt man sich selbst nicht.

Indem ihr jetzt von der Schönheit schreibt, sollt ihr wissen,dass sie der inneren Harmonie des Menschen zu verdanken ist. Um diese Schönheit zu erwerben und zu erhalten, soll der Mensch besonders rein sein.

Schreibt euch jetzt noch einige Regeln für das Leben auf und zwar:

Legt die Wahrheit in eure Seele,

das Licht in euren Verstand

und die Reinheit in euer Herz hinein.

Schreibt also diese Regeln auf und fragt euch jeden Abend vor dem Schlafenge –hen, ob die Wahrheit in eurer Seele, das Licht in eurem Verstand und die Reinheit in eurem Herzen ist. Wenn die Wahrheit in eurer Seele ist, so wird sie euch frei machen. Wenn die Wahrheit in eurer Seele ist, werdet ihr einen weiten Schwung in eure Handlungen legen und euch selbst und den anderen Freiheit geben. Wenn das Licht in eurem Verstand ist, so wird es euch Wissen geben. Das Licht ist ein Leiter des Wissens. Wenn die Reinheit in eurem Herzen ist, so werdet ihr in jeder Hinsicht stark sein. Manchmal seht ihr bei euren Angehörigen ein schräges Gefühl, oder einen Fehler, und gleich seid ihr bereit, sie zu verurteilen. Nein, nach dem Gesetz des Karmas müsst ihr, wenn ihr einen Fehler bei euren Angehörigen seht, euch ihrer annehmen, um ihn zu berichtigen. Selbst wenn ihr nur den kleinsten Fehler bei eurem Freund seht, bemüht euch, um ihn zu berichtigen. Ihr sagt:”Wie können wir die fremden Fehler berichtigen?” Ich werde ein Beispiel anführen das euch eine Weise zur Berichtigung der Fehler eurer Angehörigen zeigt. Ein junger Mann aus Varna ging eines Tages zu einem Buchhändler, einem Evangelisten, um einige Bücher zu kaufen. Als der Buchhändler ihn sah, sagte er zu ihm:“Vor einigen Wo -chen kam einer deiner Freunde zu mir, um sich Geld zu leihen, ich habe ihm den Gefallen getan, aber es ist schon so viel Zeit vergangen und er gibt das Geld nicht zurück. So sind deine Freunde! Wieviel Geld schuldet er ihnen? So und so viel. Hier, bitte schön, nehmen sie diesen Betrag und damit ist die Rechnung beglichen. Ich und mein Freund sind einunddasselbe.” Mit dieser Tat beweist der junge Mann, dass er und sein Freund ehrliche Menschen sind. Das ist ein edler Charakter.

Also, wenn ihr irgendwo hört, dass man schlecht über euren Freund spricht, holt eure Geldbörse heraus, bezahlt statt seiner und sagt:”Ich und mein Freund sind einunddasselbe!” Wie würde ein Mensch handeln, welcher diese Moral nicht hat? Wenn er hört, dass man von seinem Freund schlecht spricht, wird er sagen:”Ja, das stimmt. Mein Freund hat diese Schwäche, er ist etwas liederlich, aber ich werde mit ihm sprechen und ihm sagen, dass er bezahlen soll.” Es ist nicht nötig, mit ihm zu sprechen. Die Schule, in der ihr studiert, erlaubt das nicht. In solchen Fällen verlangt sie vom Schüler sein Portemonaire herauszuholen und für seinen Freund zu bezahlen, seine Rechnung zu begleichen. Dann, wenn er seinen Freund sieht, soll er ihm nichts davon sagen. Wenn ihr diese Methode anwendet, werdet ihr gute Resultate erfahren. Diese Methode bezieht sich auf diejenigen, die bereit sind, für ihren guten Freund zu bezahlen, aber nicht für jenen, der zwar im Stande wäre, seine Schulden zu begleichen, aber er lässt seine Freunde für sich zahen. Das ist eine Gewalt, eine Erpressung des Gewissens der Menschen, womit man sich ein negatives Karma schafft. Es wird der Tag kommen, wo solche Leute ihre guten Freunde verlieren werden und alles allein werden zahlen müssen. Wenn ihr gute Freunde habt, die ihr ausnützt und die eure Schulden bezahlen, dann seid ihr nicht auf dem richtigen Weg. Es wird der Tag kommen, an dem euch die Vorsehung in die gleiche Situation bringt und dann wird man euch ausnützen und ihr werdet doppelt und mit Zins und Zinseszins bezahlen. Wer denkt, dass er das Gesetz des Karmas überlisten könnte, der belügt sich selbst. Für solche Leute kommt das bulgarische Sprichwort zur Geltung:”Der listige Fuchs geht mit beiden Beinen in die Falle.” Mit dem Karma darf man nicht spielen. Warum? Das Karma gleicht einem Kreditge -ber, es erlaubt keine Verspätung, selbst nicht eine halbe Stunde. Es verzeiht nichts. Ihr werdet alles genau begleichen, sogar mit Zinsen. Also, es verzichtet auch auf die Zinsen nicht! Streng ist das karmische Gesetz, es lässt erst dann nach, wenn alles bezahlt worden ist.

Ihr sollt also wissen, dass alle guten Gedanken und Wünsche des Menschen in der ein oder anderen Richtung polarisiert werden. Indem ihr das Gesetz der Polarisierung erkennt, werdet ihr sehen, dass alles im Leben polarisiert ist. Ihr sagt z. B. “alte und neue Lehre”! Lasst die alte Lehre in den Wurzeln funktionieren und die neue in den Ästen. Die alte Lehre wird als Dünger für den Baum dienen, welcher wachsen, sich entwickeln und Früchte geben wird, aus welchen sodann ein neuer Baum hervorspriessen wird, die neue Lehre. Und dann, nach den Regeln der Neuen Lehre, wird das Karma den Menschen keine Angst mehr einflössen. Warum? Weil ihr dann wissen werdet, dass das Karma die mutigen Menschen liebt. Seid mutig, um das Karma gut wie einen Gast, welcher in euer Haus gekommen ist, zu empfan -gen. Lauft ihr vor ihm weg, wird es euch mit einem Stock einholen und mit euch fertig werden.

Einen Edelmut gibt es im Karma. Es kann euch verprügeln oder bespucken, aber letzten Endes wird es vorübergehn, ohne euch dauerhaft zu schaden. Es hat einen Bärencharakter. Wenn es jemanden angreifen will, geht es um ihn herum, glättet sein Fell und tut, als ob es nichts sieht. Sein Fell wird glatt, aber die Haut des Menschen wird beschädigt. Wenn der Bär den Menschen nicht überfallen will, geht er an ihm vorbei, sträubt sich, spuckt nach ihm und geht weiter. Er sagt: ”Meinetwegen!”Ihr sollt denken, dass er eure Haut nicht berührt hat. Er hat euch ein wenig bespuckt, ihr habt Angst erlebt, aber das spielt keine Rolle. Wichtig ist, dass ihr lebendig und gesund geblieben seid.

Indem ihr nun dies wisst, sollt ihr dem gemäß die Aufgaben eures Lebens lösen. Wenn ein grösseres Unglück kommt, dann sagt:”Mein liebes Karma hat zwar die Haare gesträubt und es bespuckt mich, aber mehr kann es nicht machen.”

Ihr fragt:”Was muss man machen, oder wie muss man leben, um kein Karma unter den Menschen zu schaffen?” Ich gebe euch hier ein Beispiel, aus dem ihr selbst eine Schlussfolgerung ziehen könnt. Stellt euch zwei parallel verlaufende Strassenbahnen, auf denen Züge fahren, vor. Die einen fahren nach Osten und die anderen nach Westen, also in zwei entgegengesetzte Richtungen. Nehmt an, dass auf der Linie. die nach Osten fährt, hundert Züge, gleich weit voneinander entfernt, fahren. Wenn in dieser Situation die Züge mit der gleichen Geschwindigkeit fahren, gibt es keine Gefahr des Zusammenstosses. Also ist beim Gesetz des Karmas die Richtung der Züge, ob sie nun nach Westen oder nach Osten fahren, nicht wichtig, sondern wichtig ist die Geschwindigkeit. Die Geschwindigkeit der fahrenden Züge muss gleich sein. Wenn also zwei Züge in die selbe Richtung, jedoch mit unterschiedlicher Geschwindigkeit fahren, werden sie unbedingt zusammenstossen.

Wenn der erste Zug mit 100 km/h fährt und der zweite mit 80km/h, besteht keine Gefahr eines Zusammenstosses. Wenn aber der erste Zug mit 80 km/h fährt und der zweite mit 100km/h und dazu noch am Abend, besteht sehrwohl die Gefahr des Zusammenstosses. Der zweite Zug wird unter diesen Umständen auf den ersten auffahren. Damit ein Zusammenstoss zwischen diesen beiden Zügen vermieden werden kann, muss der zweite Zug mit einer niedrigeren Geschwindigkeit, höchstens aber mit der gleichen Geschwindigkeit, mit welcher der erste unterwegs ist, fahren und unbedingt muss ein Abstand voneinander eingehalten werden.

Solange ihr nun unter den Menschen lebt, sollt ihr weder sehr klug, noch sehr dumm sein. Warum? Weil sowohl die Dummheit, alsauch die Intelligenz karmische Gesetze sind. Wenn du sehr intelligent bist, wirst du dich sehr schnell bewegen und mit all jenen zusammenstossen, die sich langsam bewegen. Wenn du aber sehr unintelligent bist, wirst du dich sehr langsam bewegen und mit denjenigen, die sich schnell bewegen, zusammenstossen. In beiden Fällen werdet ihr gleiche Ergebnisse haben. Was sollen wir dann machen? Ihr sollt so intelligent und so dumm wie das Milieu, das euch umgibt, sein. Ihr fragt:”Wie und wann soll der Mensch dann seine Intelligenz zum Ausdruck bringen?” Ihr sollt eure Kräfte für günstigere Zeiten aufbewahren. Wenn beispielsweise vor euch ein Zug mit niedrigerer Geschwindig -keit fährt, sollt ihr auch langsamer fahren. Wenn der Weg vor euch frei ist, könnt ihr so schnell, wie ihr wollt, fahren.

Macht innerhalb der nächsten zwei Wochen einen Auszug von allem, was bis jetzt gesprochen worden ist und schreibt für den gleichen Tag über das Thema:”Anwendung des Karmas im Leben.” Heute habe ich einige Gedanken über das Karma skizziert, damit ihr euer Thema entwickeln könnt. Später werde ich noch mehr über diese Frage erläutern Wenn ihr mit euren Aufsatz fertig seid, wird ihn jeder selbst vorlesen und die Anderen werden ihn kritisieren. Die Kritik soll aber nach dem Reglement der Neuen Lehre erfolgen. Kritik heisst: Nur das zu sagen, was wahr ist und dessen ihr euch ganz sicher seid. Kritisieren bedeutet, die Dinge so darzustellen, wie sie ihrer Natur nach sind.

Wenn ihr die Aufsätze schreibt, oder an den Vorträgen arbeitet, sollt ihr höch- stens eine Stunde pro Tag dafür nutzen. Was die Aufsätze betrifft, sind zwanzig Minuten genug. Wenn ihr über das Thema des Karmas schreibt, schenkt folgendem Gedanken eure Aufmerksamkeit: Wenn du vorne bist, beweg dich mit einer grossen Geschwindigkeit! Wenn du hinten bist, beweg dich mit einer kleinen Geschwindig- keit. Dieses Thema gibt Antwort, auf so manchen Gedanken der neuen Philosophie. Diese Gedanken lösen die Fragen aber nur zum Teil. Weil dann, wenn hinter dir noch ein zweiter und dritter Zug fährt, ist die Situation schon wieder ganz anders. In diesem Fall sollt ihr dann folgende Regeln berücksichtigen. Wenn jemand vor dir fährt, gib ihm genug Platz, sich so schnell zu bewegen, wie er es will. Wenn du hinterher bist, fahr mit kleinerer Geschwindigkeit. Dies sind vier wichtige Regeln im Leben, die ihr immer in Betracht ziehen sollt. Wenn also der Schüler das Recht in Anspruch nehmen will, vorwärts zu schreiten und sich schnell zu bewegen, so sage ich:” Der Meister kann dem Schüler nicht erlauben, sich allzuschnell zu bewegen. Solange ihr Schüler seid, bewegt euch mit einer kleinen Geschwindigkeit, Wenn ihr die Schule schon beendet habt, bewegt euch so schnell wie ihr wollt. Wenn jemand vor euch fährt, eilt nicht, verringert eure Geschwindigkeit. Wer vorne ist, darf sich sehr schnell bewegen, wer hinten ist, muss langsam fahren. Das sind Symbole, die ihr in alle möglichen lebendigen Situationen transformieren sollt.

Welche Entsprechung hat die grosse Geschwindigkeit? Sie entspricht der Tugendhaftigkeit. Seid also schnell im Tun des Guten, das heisst, seid vorne. Seid langsam im Bösen, soll heissen, geht hinterher. Das ist eine Übersetzung der Erscheinungen in der Natur. Mit anderen Worten, es sollen die Erscheinungen aus der physischen Welt in die Sprache der geistigen Welt übersetzt werden. Und umgekehrt. Die Erscheinungen der geistigen Welt sollen in die Sprache der physischen Welt übersetzt werden. Erst dann werden die Dinge klar. Die grosse Geschwindigkeit bedeutet also Tugendhaftigkeit und die kleine Geschwindigkeit – das Böse. Wer zornig wird, der soll wissen, dass er hinten ist und sich langsam bewegen muss. In Zukunft, wenn irgendwelche wichtigen Fragen des Lebens entstehen, könnt ihr sie notieren und euch die Zeit nehmen, über sie zu diskutieren.

Stilles Gebet

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