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 Der junge Mensch, der Erwachsene und der Alte

Ich werde das 15-te Kapitel aus dem Evangelium von Joan lesen. Dieses Kapitel hat kein direktes Verhältnis zu euch. In ihm erklärt Christus seinen Schülern die Ursache für die großen Widersprüche, auf die sie gestoßen haben.

Die Schüler von Christus erwarteten, dass sie in der Welt mit Kränzen aufgenommen werden, wie viele aufgenommen sind, aber es war nicht so. Deshalb sagt Christus: Wenn die Welt euch hasst, wisst, dass sie mich vor euch gehasst hat. Aus welchem Grund hasst die Welt die Schüler von Christus? Christus sagt weiter: „Wenn ihr aus der Welt wäret, würde die Welt Ihres lieben; weil ihr aus der Welt nicht seid, aber ich euch aus der Welt gewählt habe, hasst sie darum euch.“ Denkt: Der Diener kann nicht höher als seinen Herrn stehen. „Wenn man mich gejagt hat, wird man euch auch jagen, wenn man meine Worte schützt, werden auch eure Worte geschützt werden. Diese, die mich hassen, hassen auch meinen Pater.“ Also, die Welt hat Christus, auch den Gott nicht gekannt. Viele fragen, warum sie nicht lieben können. Sie können nicht lieben, weil sie die Liebe nicht kennen. Also, wer nicht liebt, ist von denen, die Christus jagen. Was Gott ihm schickt, jagt er es immer. Er ist aus der Welt. Wenn du hasst, bist du aus der Welt. Wenn du liebst, bist du aus der Welt nicht. Der Mensch bewegt sich zwischen zwei Zuständen, zwei Momenten: bald liebt er, bald hasst er. Jeder hat das erlebt und wundert sich, warum so ist. Christus hat die Ursache dieser Widersprüche im menschlichen Leben erklärt.

Jedes Ding kann im Leben für jeden einzelnen Fall auf eine oder andere Weise erscheinen, wie ihr seht. Ihr seht eine Blume, die gerade geblüht ist. Ihr nährt euch dieser Blume und spürt ihren Duft, ihren Wohlgeruch. Ihr riecht an der Blume und freut euch auf ihren Geruch. Ihre Freude ist die Freude der Blume selbst. Nach einigen Tagen geht ihr wieder zur Blume und spürt, dass sie schlecht riecht. Warum? Weil sie zu faulen, zu zerfallen und zu welken begonnen hat. Ihr seid traurig, weil die Blume selbst traurig ist. Wenn ihr zur Blume nicht gegangen wäret, hättet ihr ihren Schmerz nicht gefühlt, aber gleichzeitig hättet ihr ihre Freude nicht gefühlt. Im nächsten Jahr, wenn die Blume wieder lebendig wird und blüht, besucht ihr sie und empfindet wieder ihre Freude. Wenn ihr von der Blume entfernt seid, beginnt sie zu faulen, zu welken, zu trauern. Also, wenn ihr die Blumen besucht, werden sie lebendig, blühen und freuen sich, wenn ihr sie verlasst, wenn ihr euch von ihnen entfernt, beginnen sie zu faulen, welken und trauern.

Übersetzt diesen Gedanken und seht, welche Anwendung er im Leben haben kann. Ihr strebt nach dem Schönen, was Gott geschaffen hat, wie nach den Blumen. Ihr geht zu ihm, ihr freut euch, dankt für seinen Duft. Wenn ihr eine gewisse Zeit beim Großen, Schönen verbringt, sucht ihr gleich nach etwas Anderem, ihr wollt ihren Zustand ändern und verlasst das Schöne. Wenn das Schöne das empfindet, beginnt es seinen Wohlgeruch zu verlieren, infolgedessen kommt der Schmerz, das Leid ins Leben. Für wen pflanzt man Leben im Boden? Für wen erduldet der Weizen Leiden? Für wen ist es nötig, dass man ihn in der Mühle mahlt? Für wen bereitet man das Mehl? Für wen bäckt man das Brot im Backofen? Ihr werdet sagen, dass das Weizenkorn seinetwegen die Leiden erlebt. Nein, das Weizenkorn hat im Boden, im Trog, im Feuer immer wegen der anderen gelitten, damit sie alles Nützliche vom ihm nehmen, was es enthält, bis sie es ins Gefängnis stellen. Das Essen ist ein Gefängnis für den Weizen. Wenn ihr alles, was er enthält, nehmt, werft ihr ihn endlich als unnötig hinaus. Während er in euch geschlossen ist, weint der Weizen, er trauert, und ihr freut euch, springt und singt, weil ihr alles benutzt, was er enthält. Wenn ihr ihn gut benutzt und hinauswerft, beginnt ihr zu weinen und traurig zu sein.

Also, wisst, dass wenn ihr euch freut und traurig seid, seid ihr nicht diese, die sich freuen und traurig sind; der Weizen, der ihr in euch habt, freut sich und trauert. In diesem Sinne wird euer Schmerz nur dann wirklich sein, wenn ihr die Stelle des Weizens einnehmt. Bis ihr an seiner Stelle nicht seid, seid ihr Schauspieler, die fremde Rollen spielen: ihr geht zur Bühne und stellt das Leiden des Weizens vor dem Publikum dar. Aber eins ist, das fremde Leiden darzustellen, und ganz Anderes ist, dass ihr selbst leidet. Die Leiden der anderen Menschen darzustellen, das ist nicht real. Real ist nur das, was im Moment geschieht. Also, wenn ihr an die Stelle des Weizens kommt, und man beginnt euch zu mahlen, zu kneten, zu backen, zu essen, nur dann werdet ihr erfahren, was das Leid ist. Dann werdet ihr weinen und traurig sein, und die anderen werden froh sein. Der Leidende ist der Weizen, der man im Backofen bäckt; wer sich freut, isst er das Gebackene im Backofen.

Warum trauert der Weizen? Weil man ihn bäckt und ihn ins Gefängnis stellt. Wann freuen die Leute sich? Wenn sie den Weizen essen, der viele Prüfungen und Leiden erlebt hat. Aber die Freude der Menschen ist noch nicht Göttlich. Was stellt eine Göttliche Freude dar? Als der Gott die Welt schuf, schmückte er sie mit vielen Sternen, Sonnen und Planeten. Dann fragte die Sonne den Gott: „Welche Arbeit werde ich haben?“ Der Gott sagte ihr: „Deine Arbeit wird sein, wenn du morgens aufgehst, den Menschen Arbeit zu bringen“. „Und wenn ich untergehe, was werden die Leute machen?“ „Dann wirst du ihnen eine Erholung geben.“ Daraus werdet ihr die folgende Schlussfolgerung ziehen: Der Mensch kann vor dem Sonnenaufgang nicht arbeiten und vor dem Sonnenuntergang sich nicht erholen. Jeder neuer Anfang, jeder neuer Stand ist eine Arbeit, auf die man eingeht. Jedes Ende, jeder beendeter Stand bringt eine Ruhe. Wenn der Mensch seine Arbeit gut beendet, kann er sich erholen. Oft spricht man über junge, erwachsene und alte Leute. Mit einigen Worten werde ich erklären, was der junge, der erwachsene und der alte Mensch ist.

Der junge Mensch entspringt, der Erwachsene fließt, der Alte ergießt sich. Der Junge wird geboren, der Erwachsene wächst, der Alte stirbt. Der Junge singt, der Erwachsene arbeitet, der Alte sammelt Geld. Der junge Mensch macht schmutzig, der Erwachsene macht sauber, der Alte gibt Unterricht. Der junge Mann blüht und setzt Frucht an, der Erwachsene reift, der Alte verkauft Früchte.

Der junge Mensch singt seiner Mutter, der Erwachsene tröstet sie, der Alte hängt Aufschriften und macht sie berühmt. Das sind Gedanken, die die Lage der Menschen jetzt zeigen. Diese Gedanken sind den Gesetzen ähnlich, die im Gericht benutzt werden. Wenn jemand einen Fehler oder ein Verbrechen macht, fängt das Gesetz gleich ihn. Und dann wird er nach irgendeinem Artikel aus dem Gesetz bestraft oder freigesprochen.

Ich werde noch eine Bestimmung für den jungen, erwachsenen und alten Menschen geben. Der junge Mann ist die Liebe, der Erwachsene – die Wahrheit, der Alte – die Weisheit. Sei wie sie!

Die Liebe gibt, die Wahrheit verteilt, die Weisheit zäunt um. Indem die gegenwärtigen Menschen diese Stände nicht verstehen, stoßen sie auf viele Widersprüche in ihrem Leben und beschweren sich, dass ihre Angelegenheiten nicht gut gehen.Vielen Leuten gehen die Angelegenheiten nicht gut, aber ihre Rede ist auch nicht richtig. Warum? Weil die Gegend, durch die sie gehen, im Gebirge ist. Wenn man ein Gebirge hinaufsteigt, umgeht man hier-dort, man sucht nach einem flachen Weg. Der Mensch stößt in seinem Weg auf verschiedene Hindernisse, die ihn stören, dass er vorwärts geht. Also, wenn die Rede des Menschen nicht flüssig ist, bedeutet das, dass viele Gedanken gleichzeitig in seinem Verstand entstehen, die zusammenstoßen. Jeder Gedanke will vorwärts kommen, infolgedessen ist der Mensch gehindert, und seine Rede ist nicht flüssig. Von allen Gedanken, die im Verstand des Menschen zusammenstoßen, muss er nur einen annehmen, den wichtigsten und wesentlichsten, und nur ihn verwirklichen. Von vielen Gedanken, von vielen Ideen muss der Mensch nur eine annehmen. Je weniger Ideen der Mensch hat, desto besser spricht er. Je mehr Ideen er hat, desto unklarer, nervöser seine Rede ist. Jeder Gedanke, jede Idee hat ein Gewicht, das das menschliche Gehirn beeinflusst. Je größer das Gewicht ist, desto mehr wird es den Menschen quälen. Es ist nicht leicht, dass man eine große Last trägt. Aber denkt nicht, dass jeder, der nicht sprechen kann, viele Ideen, viele Gedanken hat. Oft kann der Mensch nicht gut sprechen, auch wenn er wenig Gedanken in seinem Verstand hat.

Jeder Gedanke muss poetisch, musikalisch sein, d.h. dass er Musik und Poesie enthalten muss. Zu diesem Ziel müssen drei Faktoren in ihm harmonisiert werden: die Liebe muss jung sein, die Wahrheit muss erwachsen sein, und die Weisheit muss alt sein. Wenn diese drei Faktoren nicht in einer Harmonie unter ihnen sind, kann der Gedanke nicht flüssig sein, er hat keine Musik und Poesie. Wenn der Gedanke des Menschen nicht flüssig ist, ist sein Leben auch nicht gut. Also, es gibt eine enge Verbindung zwischen dem Gedanken und dem Leben des Menschen. Wenn die Liebe, die Weisheit und die Wahrheit nicht im Menschen sind, ist sein Gedanke nicht richtig. Die Liebe ist immer jung, sie wird nie alt; die Wahrheit ist immer erwachsen, sie ändert sich nie; die Weisheit ist immer alt. Die Begriffe der gegenwärtigen Menschen über den jungen Mann, den Erwachsenen und den Alten sind völlig verschieden von unseren. Nach uns ist dieser alt, aus dem der junge Mensch kommt. Erwachsener ist dieser, der aus dem Alten kommt. Denn die Weisheit ist alt, aus ihr kommen die Liebe und die Wahrheit.

Deshalb verstehen wir unter der Weisheit die Erscheinung der Liebe und der Wahrheit. In diesem Sinne ist die Weisheit immer alt und ändert sich nicht. Aber ihr könnt ein Wort in derselben Weise einige Male nicht wiederholen, nicht aussprechen. Zum Beispiel, könnt ihr die Wörter „Liebe“ hundert Mal der Reihe nach mit einer und derselben Intonation, mit einer und derselben Begeisterung aussprechen? Ihr könnt nicht. Wenn ihr hundert Menschen sagen müsst, dass ihr sie liebt, wenn ihr zu den Letzten kommt, werdet ihr ärgerlich sein, unzufrieden von der Wiederholung dieses Wortes. Dem Ersten von ihnen werdet ihr mit der größten Stimmung sagen, dass ihr ihn liebt, und dem Letzten werdet ihr dasselbe mit der größten Mißstimmung und Langeweile sagen. Wenn die Leute eine schlechte Laune in der Liebe bekommen, zeigt das, dass sie bis zum Ende ihrer Liebe gekommen sind, bis zum letzten Menschen, dem sie sagen müssen, dass sie ihn lieben. Wenn die Leute schön über die Liebe sprechen, zeigt das, dass sie sich vor dem ersten Menschen befinden, dem sie sagen müssen, dass sie ihn lieben. Das erste Wort, der erste Bissen ist der süßte.

Also, damit man richtig denkt, muss man Licht haben. Wenn die Sonne aufgeht, sieht der Mensch die ganze Gegend um sich klar und kann über sie sprechen, kann sie malen. Bis die Sonne nicht aufgeht, auch wenn du Wissenschaftler bist, kannst du nichts sehen, nichts über die Dinge sprechen. Was die Sonne für die physische Welt ist, ist das Göttliche Licht dasselbe für das Bewusstsein des Menschen. Wenn dieses Licht in das menschliche Bewusstsein eindringt, werden die Dinge klar für den Menschen, und er sieht alles. Hat der Mensch kein solches Licht in seinem Bewusstsein, ist er in voller Finsternis. Er sagt: „Ich sehe nicht, ich verstehe die Dinge nicht“. Wieso siehst du nicht? Wieso verstehst du nicht?“ „Wenn du an meiner Stelle bist, siehst und verstehst du auch nicht“. „Wenn ich an deiner Stelle bin, werde ich wie dich sehen und verstehen." Wer das Göttliche Licht in seinem Bewusstsein hat, leuchtet er für sich selbst. Wer dieses Licht nicht hat, trägt er eine kleine Kerze hinaus, die er bald anzündet, bald löscht, und in dieser Weise beleuchtet er seinen Weg. Dieses Licht erlöscht und entzündet sich wieder, infolgedessen stößt man auf viele Widersprüche im Leben. Solange es Widersprüche gibt, wird man immer falsche Schlussfolgerungen für die Dinge ziehen. Mit solchen Auffassungen kann man das Leben nicht erklären, auch nicht ändern. Die Leute benötigen neue Auffassungen, die Freude in ihr Leben bringen. Sonst wird das Leben für sie immer unverstanden sein, ohne Licht und Freude. So ist das Leben des kranken, toten, bankrottierten Händlers. Der Kranke geht zum Choro nicht. Der Tote spricht mit niemandem. Der bankrottierte Händler gibt niemandem ein Almosen.

Was ist das Leben der gegenwärtigen Menschen? Das Leben der gegenwärtigen Leute ist eine schöne Beschäftigung für die fortgeschrittenen Geschöpfe. Das, was für die Leute ein Durcheinander ist, ist für die fortgeschrittenen Geschöpfe eine Sachlehre. Sie formieren das Unklare und dann geben es den Menschen in einem geordneten, schönen System. Wenn die fortgeschrittenen, die vernünftigen Geschöpfe das nicht verstehen, können die Leute es auf keinen Fall verstehen. In dieser Beziehung stellt der Mensch ein lebendiges, geschriebenes Buch dar, aus dem jeder lesen kann. Nur er kann aus seinem eigenen Buch nicht lesen. Warum könnt ihr aus eurem Buch nicht lesen? Weil das Geschriebene auf eurem Rücken ist. Jemand geht an euch vorbei, kommt hinter euren Rücken und beginnt zu lesen, zu staunen, wer diese wertvollen Dinge geschrieben hat. Der Rücken des Menschen stellt die Kleidung seiner Vergangenheit dar. Ihr könnt das Geschriebene auf diesem Kleidungsstück nur dann lesen, wenn ihr es auszieht. Das kann sich bei der Bedingung verwirklichen, wenn ein Weiser dieses Kleidungsstück kaufen möchte. So wird der Weise das Kleidungsstück aufknöpfen und es von eurem Rücken ausziehen. Aber der Weise wird den Preis eures Kleidungsstücks im Voraus abmachen. Die Kleidung eurer Vergangenheit ist teuer! Wenn ihr sie verkauft, werdet ihr ein neues, sauberes Kleidungsstück anziehen. Indem der Mensch nicht weiß, welche wertvolle Dinge das alte Kleidungsstück enthält, denkt er, dass er unglücklich, unzufrieden ist, er war diesem, jenem böse. Über wen kann der Mensch sich ärgern? Der Mensch kann böse nur auf jenen sein, der ihn liebt. Er kann auf jenen, der ihn nicht liebt, nicht böse sein. Also, der Mensch kann nur den lieben, über den er sich geärgert hat. Auf keinen Fall kann der Mensch einen lieben, über den er sich nicht geärgert hat.

Vortrag des Lehrers, gehalten am 9 August 1935, 5 Uhr am Morgen.

 

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