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 Das Vernünftige Herz

Ein Vortrag des Meisters vor der allgemeinen okkulten Klasse, gehalten am 2. April 1924 in Sofia

Zehn Minuten Schweigen

Das Thema für das nächste Mal: Eigenschaften des neuen Menschen.

Jede Arbeit oder jedes Unternehmen in der Welt darf nicht auf einer wackligen Grundlage stehen, sondern muss eine feste Grundlage haben. Unter den Wörtern "feste Grundlage" verstehe ich eine Grundlage, die sich nicht verändert, die unter allen Bedingungen ein und dieselbe bleibt. Diese Grundlage ist lebendig. Nehmt nun an, dass ihr, während ihr auf der Erde lebt, eine feste Grundlage habt. Also verlasst ihr euch auf eure Persönlichkeit. Aber auf welche Grundlage stellt ihr euer Leben nach eurem Tod? Folglich ist die Erde nicht die rechte Grundlage, auf die sich ein Mensch stellen kann. Welche ist dann aber die rechte Grundlage? – Die rechte Grundlage nennen wir " das vernünftige menschliche Herz ".

Ich rede nicht vom vernünftigen Herzen des heutigen Menschen, sondern vom vernünftigen Herzen des göttlichen Menschen. Apostel Paulus sagte: "Der physische Mensch kann die geistlichen Dinge nicht verstehen, weil sie geistlich beurteilt werden". Ihr müsst die neue Richtung in eurem Leben auf euer vernünftiges Herz stellen.

In diesem vernünftigen Herzen operiert und wirkt der Geist Gottes. Und im Wirken dieses vernünftigen Herzens gibt es keinerlei Ausnahme. Handelt der Mensch nach diesem Herzen, macht er keine Fehler, alle Fehler werden sofort berichtigt. Die Fehler in der Welt kommen vom objektiven Verstand des Menschen. Das ist der gegenwärtige Verstand, mit dem der Mensch denkt. Es kommt dir ein guter Gedanke und du beginnst zu überlegen wie du ihn anwenden kannst, und darüber verlierst du die (entsprechenden) Voraussetzungen. Oft sagen wir, dass ein Mensch, wenn er ins Wasser geht, ertrinken kann. Er muss entweder schwimmen können oder er muss schwimmen lernen. Ich frage: "In welcher Schule hat jenes kleine Entenkücken, das gleich nach dem Ausschlüpfen schwimmen kann, die Kunst des Schwimmens gelernt? Vor Tausenden Jahren hat es diese Kunst erlernt. Folglich gibt es ein göttliches Element im menschlichen Verstand. Wir nennen es den göttlichen Geist, der vernünftig handelt, ohne jede Ausnahme. Und wenn wir diese vernünftige Stimme hören (ich nenne sie " das vernünftige Herz "), unterscheiden sich unsere Überlegungen von den üblichen Überlegungen.

Ihr könnt einen einfachen Versuch machen. Wenn ihr mit eurem Kopf denkt, sollt ihr lange Zeit nachdenken; ihr sollt ein, zwei, drei, fünf, zehn und mehr Jahre eine bestimmte Frage erforschen, bis ihr zu bestimmten Schlussfolgerungen gelangt. Angenommen, ihr stellt euch die Frage, wie das Wetter am Montag sein wird. Unser Verstand beginnt zu überlegen und sagt: " Es wird schön werden ". Gut, das werdet ihr überprüfen. Danach werdet ihr euch fragen, ob das Wetter absolut klar oder halb bedeckt sein wird, ob es nur wolkig oder regnerisch sein wird usw. Stellt euch die Frage deutlich im Verstand. Bei diesen Versuchen werdet ihr bemerken, dass von dem, was der Verstand sagt, sich kaum ein Prozent als richtig herausstellt. Dass das Wetter schön sein wird, ist eine Vermutung. Doch wenn ihr euer vernünftiges Herz fragt, wie das Wetter am Montag sein wird, wird es euch mit absoluter Richtigkeit antworten. In diesem Verständnis gibt es kein Überlegen. Sobald ihr zu überlegen beginnt, verliert das Göttliche bereits an Wert. Denkt ihr aber mit eurem vernünftigen Herzen, werdet ihr ein angenehmes Gefühl in der Magengrube empfinden und dann kann jeder von euch sagen: "Das Wetter wird so und so sein". Fragt euch, z. B., wie ihr euer Leben in diesem Jahr verbringen werdet – gut oder nicht so gut. Wenn ihr mit eurem Verstand antwortet, wird er euch entweder die schönsten Projekte vorgaukeln oder eben manchmal auch finstere. Wenn ihr aber euer vernünftiges Herz fragt, wird es euch eine positive Antwort geben. Es wird euch nicht nur eine positive Antwort geben, sondern wird euch auch zeigen, ob ihr Schwierigkeiten zu überwinden habt, wobei es euch gleichzeitig die rechte Richtung weist, damit ihr sie besser überwindet.

Jetzt können sich in diesem vernünftigen Herzen auch die guten Gewohnheiten einnisten. Jeder Mensch hat gute Gewohnheiten. Bei einigen Menschen treten die guten Gewohnheiten früher, bei anderen später in Erscheinung. Dir kommt ein Antrieb, ein guter Gedanke, jemandem etwas Gutes zu tun; du gehst den Weg entlang und siehst eine arme Witwe; du greifst in deine Tasche, aber gleich beginnst du zu philosophieren und sagst dir: "Ich habe Geld, aber ich brauche es heute; lass mich dieses Gute an einem anderen Tag tun". Überlegst du so, hast du schon den ersten Fehler gemacht. Es vergeht nicht viel Zeit und du wirst eine zehnfache Strafe für das Nichterfüllen jener guten göttlichen Gefühle bezahlen.

Also müssen wir uns immer der göttlichen Stimme in uns unterwerfen. Sobald dieses göttliche Gefühl in uns zu sprechen beginnt, ist dies ein Examen in unserem Leben. Gott prüft uns. Wir müssen uns Ihm absolut fügen. Nimmst du das Göttliche wahr, erfülle es! Für dieses Gute, das du machst, brauchst du nicht dein ganzes Hab und Gut zu geben; das ist eine kleine Gefälligkeit. Ein Kind ist auf der Straße gefallen, hat sich das Bein gebrochen; was kostet es dich, es hochzuheben, nach Hause zu bringen und ihm zu helfen? Du wirst nur eine halbe Stunde verlieren. Du sagst: "Ich habe eine wichtige Arbeit". Das ganze Unglück in unserem Leben kommt daher, dass wir nicht auf unsere guten Absichten und gute Gewohnheiten, die wir in unserem Herzen tragen, hören. Wir halten uns an eine Reihe von philosophischen Überlegungen, grübeln und sagen, dass wir unser Leben einrichten müssen. Der erste Irrtum besteht darin, dass wir Überlegungen anstellen und unser Leben selbst ordnen möchten. Dem vernünftigen Herzen nach ist unser Leben geordnet. Alle Bedingungen, bei denen wir leben müssen, alle Menschen, mit denen wir uns treffen müssen und die auf uns einen Einfluss haben müssen, all das ist vorbestimmt. Und wie es bestimmt wurde, so wird es sein. Der ganze Himmel wirkt auf uns in diese Richtung. In der Welt leben nicht wir, sondern Gott. Und dementsprechend ist jede gute Tat die Äußerung Gottes in uns. Und wenn wir einem guten göttlichen Gedanken entgegenwirken, erzeugen wir unser Unglück in der Welt.

Mit diesen guten Gewohnheiten, die wir haben, verlangt man nicht, dass ihr die ganze Last der Welt auf euch nehmt. Ich habe euch auch ein andermal gesagt, dass jeder gute Gedanke mit Tausenden anderer guten Gedanken verbunden ist. Denkt jetzt nicht, dass, wenn ihr dem guten Gedanken nicht nachkommt, Gott das nicht vorgesehen hat. Er hat alles vorgesehen, aber ihr verliert die Voraussetzungen. Bei jedem Nichterfüllen eines guten Gedanken erniedrigt ihr euch, versinkt ihr, wobei auch euer Leben schwieriger wird. Mit der Weigerung, irgendwelchen guten Gedanken nachzukommen, erniedrigt ihr euch jedes Mal, die Umgebung wird immer gröber und gröber, bis euer Willen endgültig paralysiert wird. Ihr werdet zum Spielzeug des Schicksals, d. h. der äußeren Umstände. Diese Umstände haben eine einzige Ursache – wir gehorchen unserem vernünftigen Herzen nicht.

Wie erkennen wir, dass das vernünftige Herz in uns wirkt? – Wenn dieses vernünftige Herz in uns wirkt, kommt es immer zu einer Erweiterung unserer Seele. Wenn du die kleinste gute Geste gemacht hast, spürst du eine innere Zufriedenheit in dir, als ob du die ganze Welt gewonnen hättest. Ihr alle sollt euch vor Folgenden hüten: wenn ihr die kleinste gute Geste macht, bekundet das nicht nach außen. Wenn ihr es äußert, behindert ihr euch selbst. Weil in diesem Fall, nachdem du das Gute getan hast, du Gottes Zustimmung schon hast und dich freust. Damit empfiehlst du dich nicht selbst, sondern Gott empfiehlt dich. Nehmen wir an, ein Mensch ertrinkt im Wasser und du rettest ihn; nachdem du ihn aus dem Wasser geholt hast, warte nicht, dass er dich belohnt. Entferne dich, und lass ihn dich finden. Wenn du, nachdem du das Gute getan hast, in den Zeitungen schreibst, dass du den und den vor dem Tode gerettet hast, geht die Hälfte dieses Guten bereits verloren.

Die moralische Kraft des Schülers, der die göttliche Lehre befolgt, besteht darin, dass er einen absoluten Glauben an Gott haben muss. Wir müssen nicht wissen, wo der Himmel ist, wir müssen nicht wissen, wo Gott lebt, wie weit er von uns weg ist, doch wir sollen Gott fühlen. Ein englischer Prediger sagte: " Ich weiß nicht wo der Himmel ist, aber wenn ich beginne zu Gott zu betten, fühle ich verborgen in meiner Seele die Wirkung des göttlichen Geistes ". Also hört ihn Gott in diesem Moment. Und das ist das Wichtige, dass er uns im selben Moment, indem wir unseren Geist zu Gott richten, hört. Recht hatte der Prophet, dass Gott nicht im Himmel lebt, sondern in den Herzen der Demütigen. Wer sind die Demütigen? – Die Menschen des vernünftigen Herzens, sage ich.

Wenn ihr euch alle von euren vernünftigen Herzen leiten ließet, würden alle Streitigkeiten, die manchmal unter euch auftauchen, verschwinden. Zum Beispiel, ihr habt grobe Angewohnheiten, manchmal habt ihr keine Geduld; all das habt ihr eurem philosophischen Verstand zu verdanken, dass man euch beleidigt hat. Worin besteht die Würde des Menschen? – Die Würde eines Menschen besteht in der Erfüllung von Gottes Willen, in der Anwendung der kleinsten Tugenden. Du kannst eine der größten Schlachten gewonnen haben, du kannst ein ganzes Volk erhoben haben, aber wenn dir dein Herz eines Tages sagt, den Schuh eines Greises zu binden und du machst es nicht, verfällt alles bisher Getane. Den Schuh eines Greises zu binden, zählt mehr als eine Schlacht zu gewinnen.

Jetzt werde ich euch ein Beispiel anführen über jene zwei Eremiten, die ganze 20 Jahre lang in der Wüste lebten, wo sie ständig zu Gott beteten.

Eines Tages sah der Eine, dass sein Gefährte, als er an einer Stelle vorüberging, hochsprang und davonraste. Er staunte, was wohl dieser Mensch gesehen hat, was ihn beängstigt hat, dass er so davonraste. Er ging zu dieser Stelle und sah einen großen Topf mit Gold. Er sagte sich: " Was für ein dummer Mensch, vorm Gold wegzulaufen!" Er hob das Gold aus dem Topf, nahm es und ging nach Alexandria, wo er ein großes Haus-Herberge baute, den Armen half, alles ausgab und nichts für sich behielt. Er ging in die Wüste zurück und betete zu Gott, damit er ihm sage, ob er mit ihm zufrieden ist. Ein Engel erschien ihm um sagte ihm, dass all seine Wohltaten nicht so viel kosten wie das Hochspringen seines Bruders.

Folglich, wenn wir all das sammeln, was unser heutiger objektiver Verstand innerhalb der Zeit von unserer Kindheit bis zur Abreise ins Jenseits getan hat und es abwägen, kann all das nicht so schwerwiegend sein, wie die kleinste Tat des vernünftigen Herzens. Und irgendwo in der Heiligen Schrift steht geschrieben: „Und David dachte in seinem Herzen". Das bedeutet, er dachte mit diesem vernünftigen Herzen.

Das ist es, was von uns allen jetzt verlangt wird. Im zweiten Stadium eures Lebens verlangt man von euch bereits einen Umgang, d.h. zu wissen, wie euer Verhalten zueinander sein muss. Zum Beispiel, du willst jemandem eine Bemerkung machen; mache sie, aber mache sie aus Liebe, wie du gegen dich selbst vorgehen würdest. Was tust du, wenn du eine Bemerkung an dich selbst richtest? Verurteilst du dich streng? Du milderst die Umstände, nicht wahr? Warum sollen wir uns anderen gegenüber nicht genauso verhalten wie gegen uns selbst? Folglich sollen wir die Wahrheit mit Liebe heraustragen. Wenn wir die Fehler irgendeines Bruders korrigieren, sollen wir sie mit Liebe korrigieren, so dass er spürt, dass wir es aus Liebe machen und nicht, weil wir uns über irgendeinen seiner Fehler freuen möchten.

Was dem Menschen jetzt am meisten fehlt, ist Edelmut. Zum Beispiel, in dieser Schule streitet ihr euch manchmal über Stühle. Manche fragen mich: "Haben wir kein Recht vorne zu sitzen ?" Ich frage: Wer ist edelmütiger, wer sich vorne oder wer sich hinten hinsetzt? Wenn du der Mensch bist, der seinen Mund aufmachen kann und ein liebes Wort sagen kann, der den Gottes Willen erfüllen kann, dann setz dich auf den ersten Stuhl! Wenn du der Mensch bist, der ein grobes Wort sagen kann, dann setz dich als Letzter! Und wenn man dich nach vorne ruft, sage: " Brüder, ich bin nicht für den ersten Platz. Ich setze mich nach hinten und werde allmählich zu den ersten Stühlen kommen ". Ihr sagt: "Lasst uns nach vorne setzen!" Ich werde mich freuen, wenn ihr euch nach vorne setzt, aber ihr sollt wissen, dass ich mir diese ersten Reihen merke. Sie müssen Reihen der göttlichen Liebe sein, so dass ihr zu jedem, wem ihr auch begegnet, jene Güte, jene Zärtlichkeit, jene Kraft sich gegenseitig zu helfen, ausströmt. Jetzt werdet ihr mir sagen: "Ja, aber da gibt es unsere erblichen Züge". Das ist eine Lüge, die erblichen Züge sind eure Erdichtung. Das Gute, die guten Gewohnheiten, das vernünftige Herz in euch hat euch Gott gegeben, schon als er euch erschaffen hat, als ihr aus Gott hervorgegangen seid. Na ja, jedenfalls haben wir so viele Möglichkeiten gut zu sein wie auch schlecht zu sein.

Ich habe auch früher gesagt, was das Böse ist. Das Böse kommt immer von unserer Weigerung, Gutes zu tun. Das Böse ist das nicht realisierte Gute. Lasst uns jetzt annehmen, dass sich zwei Schüler streiten, sich beleidigen; das ist ganz natürlich. Womit werden sie diese Beleidigung ausgleichen? Wenn einer von ihnen sich sagt: " Warte, ich werde nach meinem vernünftigen Herzen handeln ", und der andere sich sagt: " Und ich werde nach meinem vernünftigen Herzen handeln", wenn beide so handeln werden, wird der Streit augenblicklich beglichen sein. Nun ja, was habt ihr zu teilen? Was habt ihr in dieser Welt zu teilen? Ist es nicht das Beste, die göttliche Liebe zu besitzen?

Jenes, was unserem Verstand Kraft geben kann, jenes, was unserem Herzen Kraft geben kann, jenes, was unserem Willen Kraft geben kann, das ist Gott, der sich begrenzt hat, um in uns zu leben. Es gibt Einen Gott in der Welt, der sich wegen uns begrenzt hat. Das ist die größte Erhabenheit Gottes. Wenn du dieses Opfer nicht beachtest, das Gott gemacht hat – in das menschliche Herz einzugehen – schaffst du Bedingungen für den Tod. Daher kommt der Tod. Jeden Tag sterben wir und erstehen wir auf. Wenn ihr euch noch heute Abend entscheidet, diesem großen Gesetz der göttlichen Erscheinung treu zu sein, wisst ihr, was dann für eine große Wende mit euch geschehen wird? Wenn ihr diesem göttlichen Gesetz gehorcht, wird Gott euch durch jeden Menschen, sogar den schlechtesten, den ihr auf dem Weg trefft, anlächeln. Und ihr werdet sagen: "Ich habe Ihn erkannt!" In den schlechten Menschen ist Gott tief verborgen. Diese Menschen sind schlecht, weil sie nicht gut leben. Wenn die Wege in einem Staat zerfallen, wer ist dann schuld – die Wege oder die Menschen? Die Menschen reparieren die Wege nicht. Und so, unter den heutigen Lebensumständen sind wir mit unserem Ungehorsam diesem großen inneren Gesetz gegenüber in so einen Zustand gelangt, dass die ganze heutige christliche Welt leidet.

Daraus folgt, dass eine Sanftheit in den Charakteren verlangt wird. Ein Herr hat gesagt, dass der Tod aus den Gesichtern der hiesigen Schüler strahlt. Nein, ich weiß nicht, ob der Tod strahlen kann, aber was ich weiß ist, dass unsere Gesichter nicht Tod atmen dürfen, sondern Leben atmen sollen.

Jetzt, wo ich über das vernünftige Herz spreche, müsst ihr wissen, dass euch die Leiden tief treffen müssen, um es zu entwickeln. Der Mensch muss in der Tiefe seiner Seele aufgerüttelt werden. Es sind nicht nur starke Erregungen nötig, die eure Oberfläche kräuseln, so wie einige Wellen nur etwa zehn Meter der Meeresoberfläche betreffen. Ihr braucht eine tiefgreifende Erneuerung. Wir müssen den Charakter von Abraham haben. Abraham war kinderlos. Gemäß dem Gesetz der Juden müsste sein Erbe einem seiner Diener oder einem seiner Söhne seitens seiner Sklavinnen zufallen. Doch Gott sagte ihm, dass er ihm einen Nachkommen geben wird. Wer war der Nachkommen von Abraham? – Isaak. Sein Vater und seine Mutter hatten eine leuchtende Idee. Gott sagte Abraham: " Du wirst deinen Sohn opfern". Wäret ihr an Stelle Abrahams, würdet ihr dann sagen: "Gottes Wille geschehe!"? Er nahm seinen Sohn, belud den eigenen Rücken mit Holz und ging gerade zu der Stelle, wo ihm gesagt wurde, ihn zu opfern. Bis zum letzten Moment wurde er geprüft. Als er das Messer hob, sagte ihm Gott: " Ich habe erkannt, dass du ein Mensch des Gehorsams bist, deswegen wirst du deinen Sohn nicht opfern". Das ist eine lobenswerte Eigenschaft von Abraham! Damit zeigt er, dass er bereit ist, das Wertvollste zu opfern. Deshalb wird Abraham Gottes Freund genannt. Ich nenne ihn Vater der Gläubigen, weil er ein Mensch des absoluten Glaubens war, ein Mensch ohne jeglichen Zweifel.

Selbstverständlich werdet ihr diese Lehre anwenden – jeder an der Stelle, wo er sich im Leben befindet. Ihr werdet Gott prüfen und er wird euch prüfen. Er wird euch wie Abraham prüfen, er wird euch wie die Apostel prüfen, er wird euch wie die Propheten prüfen. Ihr alle werdet durchs Feuer gehen, sieben Mal werdet ihr durchs Feuer gehen. Sobald ich sage, dass ihr alle durchs Feuer gehen werdet, habt ihr Angst. Sieben Mal muss man durch das göttliche Feuer gehen! Das ist der größte Segen. Das ist das heilige Feuer der Liebe, das euren Verstand und euere Herzen reinigen wird, damit ihr das Gute in Gott versteht und wie ihr es zu erfüllen habt.

Ihr dürft nie voreilig sein. Was ihr auch macht, eilt nicht! Jemand von euch ist ein Händler, er verfängt sich in seinen Rechnungen, es ist kein Geld da. Er geht nach Hause, fasst sich an den Kopf – ist verzweifelt. Fasst euch nicht an den Kopf! Wenn ihr nach Hause kommt, setzt euch, richtet euren Verstand zu Gott, zu eurem vernünftigen Herzen, hört was man euch sagt, was in diesem Fall zu tun ist. Irgendetwas werdet ihr als Antwort bekommen. Ihr seid Mutter, ihr habt eine ungehorsame Tochter; streitet nicht mit ihr, bittet sie nicht dieses oder jenes zu tun, sondern wendet euch an euer vernünftiges Herz und fragt es, was zu machen ist. Es können ein, zwei, drei, vier Tage vergehen – es wird die beste Antwort kommen, was zu tun ist. Du bist ein Lehrer, oder irgendwo als Diener beschäftigt, du bist ein Schüler; welche Stelle du auch einnimmst, eile nicht.

Ich werde euch ein Beispiel anführen, woraus ersichtlich wird, dass sich diejenigen, die einen Glauben haben, immer retten. Ungefähr 250-300 Offiziere wurden von den Bolschewisten zum Tode verurteilt. Man ging zu einem von ihnen und fragte ihn: "Glaubst du an Gott?" – "Ich glaube nicht". Man erschoss ihn, tötete ihn. Man ging zum zweiten, zum dritten, zum vierten und fragte jedes Mal: "Glaubt ihr an Gott?" – " Wir glauben nicht ". Endlich fragte man einen von ihnen: " Und du, glaubst du an Gott?" – " Ja, ich glaube an ihn!" Und er bekreuzte sich. Endlich fand sich einer, der an Gott glaubt. – " Los raus, du verdienst es nicht, dass wir dich töten ". Sie ließen ihn frei. Warum? – Gott flüsterte zu, jenem, der töten sollte: " Lass diesen, das ist mein Mann!" Dieser Mensch glaubt seinem vernünftigen Herzen, gehorcht seiner inneren Stimme.

Ich kann euch noch viele Beispiele über die Ratschläge des vernünftigen Herzens anführen, aber diese Beispiele haben nur in ihrer Anwendung Kraft. Ich weiß wie schwer es für einen Menschen ist, eine Regel anzuwenden! Wenn der Mensch erzürnt, kommt gleich der Zweifel, die Unsicherheit. Ihr könnt an allem auf dieser Welt zweifeln, aber an Gott – niemals! Seid bereit euch für diese große Liebe zu opfern – für Gott, der sich willentlich begrenzte, um zu uns zu kommen und in uns zu leben! Seid in diesem Fall bereit, alles für ihn zu opfern! Dadurch hat sich Christus ausgezeichnet. "Ich bin gekommen, um den Willen Desjenigen zu erfüllen, Der mich geschickt hat", sagte Christus. Schließlich, als man ihm sagte, dass er sein Kreuz der Leiden ertragen muss, antwortete er: "Ich werde alles machen, was mir der Vater gesagt hat". Christus hatte Wissen, hatte auch Kraft. Er sagte: "Könnte ich nicht nach ein-zwei Legionen von Engeln verlangen, zu kommen und mich zu befreien? Ich kann es, aber ich werde es nicht tun. Ich bevorzuge die Schande, das Leiden, die Qual, aber all das soll dem Wohl meiner Brüder dienen." Das ist der göttliche Wille! Worin besteht die göttliche Liebe? – Im Gehorsam. Es wird der Tag kommen, an dem es keine Leiden geben wird. Christus wird nicht mehr in der Welt gekreuzigt werden. Warum? – Weil es kein Holz geben wird, an dem man Christus kreuzigen könnte. Dieser Christus, der heute in den Herzen von fünfhundert Millionen Menschen lebt, für Ihn gibt es kein so großes Holz, an dem man ihn hätte kreuzigen können. Er ist stark genug, und seine Kraft wird sich noch mehr entwickeln. Über diese Kraft können auch wir verfügen. Deshalb sagte Christus: "Alles, um was ihr in meinem Namen bittet, wird euch gegeben werden." In welchem Namen? – Im Namen der Liebe Gottes, im Namen dieses vernünftigen Herzens, das in uns ist. Wenn du ein vernünftiges Herz hast, kann Christus kommen und in ihm leben.

Ich rede mit euch, aber wir können euch keine Regeln aufzwingen. Ich wünsche eins von euch: dass ihr miteinander wetteifert bei der gegenseitigen Ehrerbietung. Das ist das Erste. Ihr habt genug Philosophie, sogar zum Professor taugt ihr. Ihr könnt Vorlesungen halten, den Leuten könnt ihr Moral geben, ihr könnt das Evangelium deuten, aber die Anwendung ist vonnöten. Die schwierigste Sache ist die Anwendung, und die wird von uns allen verlangt. Wer anwendet, der geht in die zweite Phase ein. Wer dem vernünftigen Herzen gehorcht, mit dem kann man schon reden. Die guten Gewohnheiten sind es, auf die ihr euch verlassen könnt. Ihr müsst wissen, dass ihr alle gute Gewohnheiten habt. Dass ihr sie habt, werde ich euch jetzt beweisen: Wenn ich euch beleidige, werdet ihr mir sagen, wie ich zu handeln habe. Ihr werdet mir sagen: " Du hättest es weicher sagen sollen". Wenn du mir die Moral liest, bedeutet dies, dass du eine gute Gewohnheit hast, du weißt, wie du vorzugehen hast. Wenn du mir die Moral lesen kannst, bedeutet dies, dass du die guten Gewohnheiten verstehst. Warum kannst du dann nicht auch so vorgehen? Wir alle wissen, wie wir vorzugehen haben. Wenn wir es wissen, warum können wir es nicht anwenden? Wir können es anwenden! Also, alle, ohne Ausnahme, könnt ihr es anwenden. Wir haben gute Gewohnheiten, wir haben ein vernünftiges Herz. Gott hat sich begrenzt und lebt in uns. Wenn wir zweitausend Jahre nach Christus sagen, dass wir kein reines christliches Leben führen können, ist das eine Schande für uns!

Ich hörte euch vor der Lektion zu; ein Bruder sagte: "Brüder, lasst uns beten!" Ich möchte, dass nur einer von euch betet, nicht alle. Einer von euch würde die ganze Arbeit erledigen. Wie viel Lokomotivführer braucht ein Zug? – Einen. Wenn alle Lokomotivführer werden, wird es Streitereien geben. Ein Lokomotivführer ist notwendig; er wird in die Maschine steigen, und alle anderen werden sich in die Wagons setzen und die Arbeit kann losgehen. Dieses gute Herz wird losfahren, dieser Hebel wird das große göttliche Gesetz beachten, und alle anderen werden still und leise in den Wagons sitzen. Ihr werdet sagen: " Nicht, dass er einen Fehler macht". Die Geschichte, die wir seit Jahrtausenden kennen, besagt, dass all jene, die sich von ihrem vernünftigen Herzen leiten ließen, vernünftig vorgegangen sind. Sie haben nie eine Katastrophe hervorgerufen. Und deshalb sagt der Psalmsänger: "Ich war jung und wurde alt, aber ich sah nie den Gerechten betteln. Ich habe nie einen Menschen mit vernünftigem Herzen betteln, der Beschimpfung ausgesetzt, gesehen." Und wenn einmal die Gerechten der Beschimpfung ausgesetzt wurden, geschah das aus dem einzigen Grund, ihren Brüdern zu helfen.

Also, ihr werdet euch jetzt zu euren guten Gewohnheiten, wenden und zu euerem vernünftigen Herzen. Und dann werdet ihr an Christus appellieren, an jenen lebendigen Christus, den ich Sohn der Liebe nenne- der einzige Lehrer auf der Welt. Sein Name, so wie wir ihn kennen ist Christus, aber er hat einen heiligen Namen, denn wir nicht auszusprechen wagen. Wenn ich mich an ihn wende, sage ich: "Herr, mit deinem Namen, mit dem du oben im Himmel bekannt bist, dein Wille geschehe!"

Lasst euch in Ehre wetteifern! Diese Sache ist für den Bulgaren notwendig. Unter allen Slawen sind die Bulgaren die gröbsten. Das sollt ihr euch zugestehen, das ist keine Beleidigung. Es ist nicht schlecht grob zu sein, aber eine Glättung ist notwendig. Um glatt zu werden, wetteifert in der göttlichen Liebe. Diese Liebe wird euch glätten. Und dann werdet ihr wie jene Muschel, aus eurer Grobheit eine Perle machen. Als Erstes werdet ihr mit dem guten Verhalten beginnen. Ich höre ständig manche von euch sagen: "Der Meister ist manchen wohlwollender geneigt als anderen". Ihr denkt fleischlich. Wir können nicht der Person nach wohlwollend sein. Die göttliche Liebe wirkt allen Menschen gegenüber gleichermaßen. Sie wirkt gegenüber allen Menschen gleichermaßen, aber nicht alle Menschen zeigen die göttliche Liebe gleichermaßen. Also unterscheiden sich eure Seelen darin, dass manche mehr bereit sind und deshalb zeigt sich Gott stärker ihnen gegenüber. Ihr alle müsst ihr aber wissen, dass ihr die gleichen Möglichkeiten habt. Wie Gott einem Engel gegenüber wirkt, auf dieselbe Weise handelt er auch mit einem Menschen und einer Pflanze, und genauso wirkt er dem letzten Steinchen gegenüber – ohne jeglichen Unterschied. Ich rede nicht über die äußere, über die physische Welt; ich rede über die lebendigen Steine, über die lebendigen Pflanzen, weil im Himmel auch die Pflanzen, auch die Steine reden und lebendig sind.

Also, ihr alle sollt eure guten Gewohnheiten äussern! Und ich möchte, dass die Grobheit, die Schimpferei unter euch verschwinden. Damit verstößt man gegen die göttliche Liebe. Alle Menschen beklagen sich, sie sagen: "Wir brauchen die Liebe". Nun ja, die Liebe ist unter euch, ihr müsst sie nur zum Vorschein bringen! Nun, wer ist schuld daran, wenn ihr einen geschlossenen Hahn habt und das Wasser nicht durch ihn fließen kann? Ist daran das Wasser schuld, oder ihr? Öffnet den Hahn und euer vernünftiges Herz wird diese Quellen gleich nach außen projizieren.

Die erste Eigenschaft der Jungen wie der Alten muss das Wetteifern im Erweisen der Ehre sein. Jünger, die sich gegenseitig nicht ehren können, können auch ihren Meister nicht ehren. Jünger, die miteinander nicht gut leben, ehren auch ihren Meister nicht. Der Herr sagt, dass er mit jenen nicht zufrieden ist, die ihm nicht gehorchen.

Die Herzen aller sollen bereit sein, den Gottes Willen zu erfüllen. Alle sollen Gottes Willen aus Liebe verwirklichen und sein Reich wird kommen. Dann werden wir alle fröhlich sein und damit könnten wir schon am heutigen Abend beginnen. Nein, dieser Abend ist Tag. Wir können den Abend in einen Tag verwandeln.

Jetzt möchte ich, dass der folgende Gedanke in eurem Kopf bleibt: Ein jeder von euch soll für sich selbst die Frage lösen, wie er mit den anderen umgehen wird, und nicht wie die anderen mit ihm umgehen. Das ist die Hauptfrage. Ihr beginnt umgekehrt. Nein, ein jeder von euch wird von seinem Gesichtspunkt aus entscheiden, wie er sich den anderen gegenüber verhält und ob der Herr mit seinem Verhalten zufrieden ist. Ich sage nicht, dass der Herr unzufrieden ist, weil, wenn ich so etwas sagen würde, das ein Richten sein wird. Ihr könnt alle eure Fehler berichtigen. An diesem Abend wird der Herr alle eure Sünden nehmen und sie hinter seinen Rücken werfen. Das wird sofort geschehen. Dann wird dieser neue Zustand auftreten, die Neugeburt des Menschen, ein neuer Aufschwung im menschlichen Geist wird keimen. Der neugeborene Mensch wird von seinen Qualen befreit, wird froh und fröhlich sein. Das kann noch heute Abend geschehen. Diese Frage könnt ihr noch heute Abend lösen. Diejenigen, die bereit sind, dürfen es nicht aufschieben. Jene aber, die nicht bereit sind – wenn ihre Zeit gekommen ist. Wer bereit ist, kann diese Frage sofort lösen.

Gott der Liebe ist nicht Gott der Toten, sondern Gott der Lebendigen.

Aus dem Bulgarischen übersetzt von Peter Angelov

Lektorat: Angelika Todorov

Das Übersetzungsteam der Geistesgesellschaft "Bjalo Bratstvo"

Copyright (c) 1997 Publishing House "Byalo Bratstvo" All Rights Reserved

 

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