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 Möglichkeiten

20. Vortrag, der vom Meister,

am Mittwoch, 26. Juli 1922, um 11,40 Uhr, in Borovetz

vor der Jugendokkultklasse gehalten worden ist.

Stilles Gebet

Es wurden die Aufsätze über das Thema “Große und kleine Menschen und ihre charakteristische Züge” gelesen.

Worin besteht der Unterschied zwischen Möglichkeit und Notwendigkeit? Die Möglichkeit bezieht sich auf die menschlichen Prozesse, d. h. auf den Menschen. Die Notwendigkeit bezieht sich auf die Göttlichen Prozesse, welche eine Kraft erfor -dern, die höher als das Menschliche ist. Wenn man von Möglichkeiten spricht, verstehen wir das, was der Mensch in jedem gegebenen Fall tun kann, um die günstigen Bedingungen zu nutzen, die die Notwendigkeit in seine Hände gelegt hat.

Jetzt gebe ich euch ein Beispiel, das die Verhältnisse zwischen dem Hohen und dem Niedrigen im Menschen illustriert. Ein Herr hat ein gutes Pferd, welches er liebt und infolgedessen werden freundschaftliche Beziehungen zwischen dem Herrn und dem Pferd geschaffen: der Herr reitet das Pferd und das Pferd trägt ihn auf seinem Rücken. So gehen sie zum Dreschen. Der Herr steigt vom Pferd ab, spannt es ein und beide beginnen zu dreschen. Am Abend befreit der Herr das Pferd von der Arbeit, steigt auf seinen Rücken und reitet nach Hause. Der Herr geht ins Haus und das Pferd geht in den Pferdestall. Ich frage: In wem von den beiden sind die Möglichkeiten - im Herrn oder im Pferd? Im Herrn. Nur der Herr ist im Stande die Lage des Pferdes zu verändern, zu verbessern oder zu verschlechtern. Das Pferd aber seinerseits ist im Stande die Lage seines Herrn zu erleichtern. Der niedrige Ansatz im Menschen erleichtert also und der höhere Ansatz verbessert seine Lage.

Wie die Verhältnisse zwischen dem Herrn und dem Pferd sind, so sind auch die Verhältnise zwischen dem Lehrer (Meister) und dem Schüler. Der Meister verbessert die Lage des Schülers und der Schüler erleichtert die Lage des Meisters. Wenn der Meister die Bedingungen des Schülers verbessert, soll der Letztere sie vernünftig nutzen. Sodass die Möglichkeit im Menschen nichts Anderes darstellt, als den vernünftigen Ansatz in ihm. Der Mensch muss die Möglichkeiten, die in ihm verborgen sind, nutzen, um die Lage seines Pferdes zu verbessern, weil ihn das erleichtern wird. Wie kann man die Lage des Pferdes verbessern? Man kann die Wohnung, das Essen, das Wasser verbessern. Wenn die Lage des Pferdes verbessert wird, wird es gesünder und stärker sein und seinen Herrn mehr erleichtern können. Das heißt: wenn der Herr eures Körpers die Kräfte und die Fähigkeiten seines Gehirns nicht verbessert, wenn er die Gefühle seines Herzens und die Handlungen seines Willens nicht verbessert, kann er keine Erleichterungen in seinem Leben haben.

Als Schüler dieser Schule, steht euch die Aufgabe bevor, eure Unzufriedenheit, die euch jahrelang gehindert hat, zu nutzen. Womit ist der Schüler unzufrieden? Der Schüler kann mit sich selbst unzufrieden sein und zwar mit seinem Verstand, mit seinem Herzen und mit seinem Willen. Außerdem kann er mit seiner Umgebung unzufrieden sein. Unabhängig von ihrer Form und der Ursache ist die Unzufrieden -heit eine Energie, eine Kraft, die als Stimulus zur Arbeit genutzt werden kann. Die Unzufriedenheit des Menschen zeigt, dass ihm etwas äußerst Notwendiges zu seinem Glück fehlt.

Ich frage: Wo werdet ihr das, was euch fehlt, finden? Wenn euch Wärme fehlt, wo werdet ihr sie finden? In der Sonne Wenn euch Licht fehlt, wo werdet ihr es finden? In der Sonne. Jemand kann behaupten, dass das Licht von jedem angezündeten oder glühenden Körper kommt. Wenn z. B. Gas, Kerze oder Holz brennen, haben wir wieder Wärme. Ja, aber diese Wärme ist sekundär. In der Kerze, im Holz und in anderen brennenden Körpern ist Sonnenenergie gespeichert, welche je nach dem, in Wärme oder Licht verwandelt werden kann. Die angenehmste Wärme und das reinste Licht aber kommen von der Sonne. Primär sind jene Wärme und jenes Licht, die direkt von der Sonne kommen.

Die Wärme und das Licht sollt ihr also in der Sonne suchen. Wo sollt ihr die Liebe, die Weisheit und die Wahrheit suchen? Bei Gott. Die äußere Seite Gottes ist die Weisheit, sein Inhalt ist die Liebe und sein Sinn ist die Wahrheit. Mit anderen Worten stellt die Weisheit die reale, äußere, sichtbare Form der Dinge dar. Die Liebe ist der Inhalt dieser Formen und die Wahrheit ist ihr Sinn. Wenn ihr die Liebe, die Weisheit und die Wahrheit bei den Menschen sucht, ist das schon ihre sekundäre, zweitrangige Äußerung. Wenn ihr die Liebe bei Gott sucht, seid ihr auf einem ungefährlichen Platz. Warum? Weil die Göttliche Liebe unerschöpflich ist. Sie ist wie eine Quelle, die ständig sprudelt. Sie ist wie einFeuer, welches ständig brennt. In diese Quelle sollt ihr euer Wasser münden lassen, in dieses Feuer sollt ihr euer Öl gießen. Wenn ihr euer Wasser nicht in die ewige Quelle bringt, wird es aufhören zu fliessen. Wenn ihr euer Öl nicht in das Göttliche Feuer gießt, wird es aufhören zu brennen, wie auch die Lampen ohne Gas verlöschen und das elektrische Licht ohne Strom. Das Gas, das Öl, der Strom sind Bedingungen zum Brennen. Die Leute meinen, dass viele von den Bedingungen Widersprüche im Leben bächten.. Wenn die Bedingungen ein Ende haben, wenn sie begrenzt sind, bringen sie Widersprüche. Wenn sie aber endlos und unbegrenzt sind, schließen sie jeden Widerspruch aus.

Strebt als Schüler der Großen Schule danach, das Grenzlose zu verstehen. Das Endlose wird in den begrenzten, aber vernünftigen Formen zum Ausdruck gebracht. In dieser Situation wedet ihr gleich wissen, woher die Unzufriedenheit kommt. Das Endlose macht den Menschen unzufrieden. Was müsst ihr tun, um uns von der Unzufriedenheit zu befreien? Ihr müsst euch erweitern. Werdet zu einem großen, breiten Rohr, durch welches das Wasser des Göttlichen Sees frei fließen kann, ohne einen Drang oder eine Spannung zu verursachen. Wenn ihr euch erweitert, wird die Unzufriedenheit verschwinden. Die Ursache der Unzufriedenheit liegt in dem Umstand, dass der Mensch nicht rechtzeitig und vernünftig jene Bedingungen, welche zu seiner Entwicklung gegeben wurden, nutzen kann.

Wann werden die Menschen unzufrieden? Wenn sie alt werden. Alle alte Leute sind mit sich unzufrieden. Sie sehen, dass sie in den jungen Jahren lernen, Kenntnisse und Erfahrungen erwerben sollten, aber sie haben vergebens ihre Zeit vergeudet und jetzt können sie nicht mehr zurückgehen. Alle alte Leute, mit wenig Ausnahmen sind mit sich sehr unzufrieden. Die jungen Leute sind aber unzufrieden mit den Begrenzungen, die sie daran hindern, ihre Wünsche zu realisieren. Jedes Hindernis auf ihrem Weg macht sie unzufrieden.

Der Mensch soll mit den Bedingungen, in die er gestellt ist, zufrieden sein und soll danach streben, sie vernünftig zu nutzen. Wenn er mit seinen Bedingungen unzufrieden ist, wird er in die Lage des Frosches kommen, wovon man in der Fabel “Der Storch und derFrosch” spricht. Diese Fabel ist okkult. Sie hat einen tiefen, inneren Sinn. Ein junger Storch, der einen jungen, schönen Mann darstellt, ging einmal an einem Sumpf vorbei, wo viele Frösche wohnten. Der Storch blickte auf den Sumpf und sah, dass der Kopf eines Frosches aus dem Sumpf auftauchte. In diesem Fall stellt der Frosch das Mädchen dar. Der Storch blieb vor dem Frosch stehen und begann ihm von der Welt, in der er lebt, zu erzählen. “Weißt du welche Höhe wir erreichen, welcher Raum, welche Weite sich vor uns auftut? Ich wundere mich sehr, wie du in diesem schmutzigen Sumpf wohnen kannst.” “Was soll ich machen? Ich habe keine Flügel, keine Möglichkeit von hier herauszukommen.” “Sehr leicht, steig auf meinen Rücken und ich hebe dich in den weiten Raum hinauf, damit du eine ganz neue Welt siehst.” Der Frosch stieg auf den Rücken des Storches und flog in den himmlischen Raum. Weil er die neuen Bedingungen aber nicht aushalten konnte, platzte er und fiel auf die Erde. Was für eine Lehre kann man aus dieser Fabel ziehen? Jeder Mensch muss bei den Bedingungen, in welche er gestellt ist, bleiben. Wenn er vorzeitig aus den Bedingungen, in die ihn die Vorsehung gestellt hat, herauskommt, wird er unbedingt fallen und sich töten. Nicht zur rechten Zeit hat der Storch dem Frosch von den schönen hohen Höhen erzählt und der Frosch hat vorzeitig die Bedingungen seines Sumpfes verlassen.

Jetzt sollt ihr wissen, dass es auch im Okkultismus solche gefährlichen und verführerischen Orte gibt, wo ihr Schaden erleiden könntet. Steigt nicht auf die Flügel des Storches. Das, was für den Frosch gefährlich ist, ist für den Storch ungefährlich und umgekehrt, was für den Storch gefährlich ist, ist für den Frosch ganz ungefährlich. Wenn es dem Frosch gelungen wäre, den Storch in den Sumpf zu locken, würde er auch irgendwie Schaden erlitten haben. Die Welt, wo der Storch lebt, gibt dem Frosch keine Entwicklungsmöglichkeiten. Auch die Welt des Frosches gibt dem Storch keine Möglichkeiten zur Entwicklung. Die Möglichkeiten geben Bedingungen zur Entwicklung des Verstanes, des Herzens und des Willens des Menschen. In den Gedanken und in den Gefühlen des Mensche sollen Erweiterung und Tiefe gebracht werden und dem Willen muss man Intensität geben.

Um jetzt zu verstehen, inwieweit eure Gedanken und Gefühle schon Breite und Tiefe haben und inwieweit euer Wille intensiv ist, macht folgenden Versuch. Wenn ein Bekannter oder ein Freund euch ein beleidigendes Wort sagt, seht, ob ihr es in etwas Gutes verwandeln könnt und wie lange das dauern wird. Je schneller ihr mit diesem beleidigenden Wort zurechtkommt, desto größer ist die Breite und die Tiefe eures Verstands und eures Herzens bereits. Es ist eine Kunst, die beleidigenen Worte in Musik zu verwandeln. Wer das Ziel hat, seinem Freund ein beleidigendes Wort zu sagen, soll vorsichtig sein, um kein schweres, beleidigendes Wort zu sagen, das zum Bruch führen könnte. Wenn man euch einen Schnitt macht, sollt ihr beobachten, wie lange es dauern wird, bis alles verheiltheilt ist. Die Inder heilen ihre Wunden leicht. Sie ´kennen eine Weise, durch welche sie das Prana aus der Natur sammeln können. Mit Hilfe des Gedankens richten sie dieses Prana dann zur kranken Körperstelle, welche nach spätestens 20 Minuten dann gesund wird. Die Beleidigung ist also nichts Anderes, als ein kleiner Schnitt, der im Verstand, im Herzen oder im Willen gemacht wird. Wer einen Vorrat an Prana aus der Natur hat, kann seine Gedanken auf die kranke Stelle konzentrieren, sie mit der Hand berühren und in einigen wenigen Minuten gesund machen. Das bedeutet einen starken, intensiver Willen zu haben. Ohne diesen Versuch wird sich der Mensch wie ein Händler fühlen, der denkt, dass er reich sei, ohne aber Geld in seiner Kasse zu haben.

Ihr sollt also den Versuch bewusst machen. Wenn ihr seht, dass eine Freundin in Ebbe ist, d. h. bei schlechter Stimmung, sollt ihr zu ihr gehen und ihr etwas sagen, um sie herauszufordern. Dann wird sie euch ein beleidigendes Wort sagen. Danach sollt ihr ihr danken und sagen, dass ihr mit ihr einen kleinen Versuch gemacht habt und deshalb habt ihr sie gereizt. Um den Versuch auszuführen, sollt ihr eine solche Person wählen, von der ihr sicher seid, dass sie euch ein beleidigendes Wort sagen wird. Seht dann, wie lange ihr braucht, um euch polarisieren zu können. Solche Versuche kann es natürlich geben, ohne sie zu provozieren. Wenn die Versuche natürlicher Art sind, ist es noch besser für euch. Sodass ihr Prüfungen nur selbst schaffen sollt, wenn sie nicht auf eine natürliche Weise, von selbst kommen. Alle Versuche, alle Prüfungen, die euch in der Schule gegeben werden, stellen Prüfungen zum Erwerben von Energie dar. Wer bei den Versuchen und bei den Prüfungen Erfolg hat, schöpft Energie. Wer seine Aufgaben nicht gut löst, verliert Energie. Ihr sollt wissen, dass die Widersprüche auf dem Weg des Schülers notwendig für seine physische und geistige Entwicklung sind. Die Widersprüche sind also ein notwendiges Gesetz bei der Entwicklung des Schülers.

Wenn man von den Gesetzen und von den Kräften in der Natur spricht, denkt an das ursprüngliche Gesetz, wonach die Dinge genau bestimmt sind. In diesem Gesetz gibt es nur eine Ausnahme, die als Möglichkeit, als Tor zu etwas Neuem besteht. Nach diesem Gesetz gibt es z. B. für Gott nichts Unmögliches. Er kann alles berichtigen, so wohl sogleich, als auch allmählich. Wenn es draußen kalt ist, seid ihr unzufrieden. Wenn es warm wird, werdet ihr zufrieden. Wenn es draußen dunkel ist, stolpert ihr und fallt und seid unzufrieden. Wenn es heller wird, wenn das Licht kommt, werdet ihr zufrieden. Wie ihr seht, sind die Kälte und die Wärme, die Dunkelheit und das Licht Kräfte, die entweder die Dinge verderben, oder sie in Ordnung bringen. Auf gleiche Weise wechseln auch die Zustände im Menschen. Solange es im Bewusstsein der Menschen dunkel ist, denken sie, dass es unmöglich sei, dass sie ihre Wünsche erreichen. Wenn die Sonne in ihrem Bewusstsein aufgeht, werden ihre Wünsche erreichbar.

Ihr sollt also die Möglichkeiten eures jetzigen Lebens erforschen, um zu wissen, was ihr verbessern und was ihr erleichtern sollt. Ihr sollt auch wissen, was für Möglichkeiten zur Verbesserung und zur Erleichterung euch zur Verfügung stehen. Das Niedrige soll die Bedingungen erleichtern und das Höhere soll sie verbessern. Die Schafe erleichtern dem Menschen das Leben, indem sie ihm ihre Milch und Wolle geben. Der Mensch verbessert die Lage der Schafe. Verbessert also die Lage eures Verstandes, damit er euer Leben erleichtert. Verbessert die Lage eures Herzens, damit es euer Leben erleichtert. Verbessert die Lage eures Willens, damit er intensiv, stark und mächtig wird und euer Leben erleichtert.

Heute habe ich von den Möglichkeiten im Leben gesprochen. Das Böse und das Gute sind Möglichkeiten, welche im Dasein existieren. Die gute und die schlechte Stimmung des Geistes sind Möglichkeiten; der Gram und die Freude sind ebenfalls Möglichkeiten. Jeder disharmonische Gedanke, jedes disharmonische Gefühl oder Handlung erzeugen im Menschen Trauer. Alles Harmonische erzeugt Freude. Der Gram stellt das Pflügen dar und die Freude – dieErnte. Wenn die Leute pflügen, freut sich die Erde. Wenn sie ernten, freut sich das Korn, dass es durch eine Reihe von Leiden gegangen ist und sich befreit hat.

Stilles Gebet

 

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