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 Die Schönheit in der Natur

Zehnter Vortrag, der vom Meister

am Mittwoch den 3.März 1922 in Sofia

vor der Jugendokkultklasse gehalten worden ist

Stilles Gebet

Es wurden die Aufsätze über die Schönheit gelesen.

Ich frage:”Was ist das – Schönheit, fühlt man sie, oder sieht man sie?”

Wie würdet ihr ein schönes Gesicht zeichnen? Was für Züge hat das schöne Ge -sicht? Wenn man manche Leute in einer gewissen Lage, z. B. beim Schweigen sieht, sind sie schön. Wenn sie aber zu lachen anfangen, werden sie hässlich. Andere Men-

schen aber sind genau umgekehrt. Wenn sie zu lachen beginnen, werden sie schön und wenn sie schweigen, sind sie hässlich. Wie kann man so etwas erklären? Stellt euch ein rundes Gesicht mit kleinen Augen ganz nah an der Nase vor. Ist das ein schönes Gesicht? Es ist nicht schön. Wird das Gesicht schön, wenn die Augen weit von der Nase entfernt sind? Auch so ein Gesicht ist nicht schön. Was sagt ihr dann von einem grossen runden Gesicht mit grossen oder kleinen Ohren? Ihr sagt, dass auch dieses Gesicht nicht schön sei. Wie gross sollen denn die Ohren im Verhältnis zu diesem Gesicht sein? Indem euch dieses oder jenes Gesicht nicht gefällt, zeigt dies an, dass ihr ein bestimmtes Maß, einen Maßstab habt, mit dem ihr die Dinge messt. So dass es in jedem einzelnen Fall für euch nicht wichtig ist, was verschiedene Autoren über die Schönheit gesagt haben, sondern wie euer inneres Verständnis dafür ist. Die Meinung der verschiedenen Autoren dient nur zur Erklärung, zur Ergänzung eurer Meinung.

Die Menschen streben nach Schönheit, verstehen sie, aber wenn man sie fragt, worin die Schönheit besteht, welches ihre äusseren Kennzeichen sind, dann sagen sie nichts bestimmtes. Ein schönes Gesicht ist das, welches in allen Lebensbedingungen seine Hauptzüge bewahrt. Ob der schöne Mensch traurig oder froh, ernst oder fröhlich ist, die Hauptzüge seines Gesichtes bleiben immer gleich. Wenn die Augen eines Menschen klein und nahe bei der Nase sind, dann spricht das von einer schwachen Empfänglichkeit. Die kleinen Augen sind ein Merkmal des Geizes. Die grossen Augen sind ein Merkmal der Verschwendung. Mit anderen Worten sind die Menschen mit den kleinen Augen arm und die mit den grossen Augen sind reich, weshalb sie ihren Reichtum verschwenden können.

Überhaupt hat ein schönes Gesicht eine volle Proportionalität eine richtige Korrelation. Die Stirn, die Nase und das Kinn sollen z. B. je ein Drittel des ganzen Gesichtes einnehmen. Dabei soll die Form des Gesichtes nicht ganz rund, sondern etwas birnenförmig zugespitzt sein. Bei einem sehr runden Gesicht liegt die Ursache in der Menge des Fettes um das Kinn herum. Infolge dieses Überflusses an Fett, ver- liert das Gesicht an Schönheit. Heutzutage streben alle Menschen nach der Schönheit. Jedoch die äussere, sichtbare Schönheit hat grosse Bosheiten auf der Welt geschaffen. Die Schönheit soll innerlich und nicht äusserlich sein. Die innere Schönheit bedeutet ein plastisches, lebendiges Gesicht. Das schöne Gesicht bedeutet zusätzlich auch noch eine innere Tiefe, sowie grosse Empfindlichkeit und Edelmut der Seele. Bei einem schönen Gesicht sollen die krummen und nicht die geraden Linien überwiegen. Die geraden Linien zeigen an, dass in einem Gesicht die Elektrizität vorherrscht. Die krummen Linien zeigen an, dass es in einem Menschen mehr Magnetismus gibt. Manche Menschen haben schöne Stirnen, aber ihre Nase, ihr Kinn und ihre Ohren sind nicht schön. Um bestimmen zu können, welche Stirn, welche Nase, welcher Mund, welches Kinn und welche Ohren schön und regelmäßig sind, muss man sich jenes streng, in mathematischer und geometrischer Hinsicht, gemessenen Maßes der Natur, bedienen.

Wer nach einem schönen, inneren Leben strebt, wird diese Schönheit auch auf seinem Gesicht erhalten. Der Edelmut, die Reinheit und die Zärtlichkeit verleihen z. B. den Augen eine Weichheit und Klarheit. Wenn aber bei einem Menschen die persönlichen Gefühle überwiegen, verleihen sie seinen Augen zwar eine Klarheit, aber dieser Klarheit fehlt das weiche Element. Solche Augen sind gross und unbeweglich bis starr. Die Augen spielen überhaupt eine wichtige Rolle im Leben des Menschen. Deshalb sollt ihr als Schüler jedes grobe, oder bittere Gefühl aus eurem Herzen und jeden negativen Gedanken aus eurem Verstand beseitigen. Nehmt, wie ein Bildhauer, den Hammer zur Hand und bearbeitet sie, bis sie völlig weich werden. Zu diesem Zweck braucht man eine grosse Selbstbeherrschung. Man verlangt die Selbstbeherrschung nicht nur von den Schülern, sondern auch von den Lehrern. Die heutigen Musiklehrer ärgern und erzürnen sich leicht, über ihre Schüler, wenn sie falsche Töne hervorbringen. Wenn der Lehrer die notwendige Selbstbeherrschung und Geistesgegenwart bewahren kann, wird er seine Schüler leicht korrigieren können. Unter dem Einfluss seiner Ruhe, wird auch sein unfähig -ster Schüler seine Stimmlage berichtigen und schön singen. Wenn sich der Lehrer erzürnt, dann verkürzen sich die Töne und die Stimme kommt falsch heraus.

Indem ich jetzt über die Schönheit spreche, ziehe ich die menschliche Seele in Betracht, welche eigentlich aus sich selbst heraus schön ist. Die Schönheit der Seele soll unbedingt in eine Form gegossen werden. Dabei ist jede Form, je näher sie der Wahrheit ist, um so schöner. Eure Aufsätze über die Schönheit waren z.B. schön, aber äusserlich. Innerlich, das heisst nach ihrem Inhalt und ihrem Sinn, waren sie nicht so schön, weil sie die Wahrheit nicht enthalten haben. Das Erste, was man vom Schüler verlangt ist, der Wahrheit in sich einen Platz zu geben. Alles das, was in sich die Wahrheit, ohne jeden Zusatz und ohne jede Übertreibung oder Verminderung enthält, ist schön.

Ich gebe euch jetzt einige Regeln, damit ihr wisst, wie man Aufsätze schreibt. Wenn ihr zum Schreiben beginnt, beruhigt euch vorher gut. Hernach lest eure Arbeit laut vor, um zu sehen, welche Wirkung sie auf euer Gehör haben wird. Verfolgt ausserdem ihre Wirkung auf euren Verstand und auf das sympatische Nervensystem. Wenn sie darauf harmonisch wirkt, ist euer Aufsatz gut geschrieben. Lest den Aufsatz zwei bis dreimal nacheinander, um zu sehen, wie er für euer Gehör klingt. Wenn die Wirkung auf eure Ohren gut ist, dann wird sie auch auf die Ohren der Anderen gut sein. Wenn er in euren Ohren nicht gut klingt, wird er auch in den Ohren eurer Nächsten nicht gut klingen. Man verlangt von den Schülern etwas Wohlklingendes, etwas Angenehmes zum Hören. Alles das, was wohlklingend für eure Ohren ist, wird auch von den Anderen gerne gehört.

Lernt ausserdem kurz aber verständlich, klar und ideenvoll zu schreiben. Bei Zeiten gebe ich euch ein Vorbild von ein und derselben Idee, aber in drei verschiedenen Formen ausgedrückt, damit ihr seht, welche von den drei Formen am richtigsten ist. Sie wird auch am schönsten sein. Jede Idee kann also auf drei verschiedene Weisen ausgedrückt werden. Es ist gut, schöne Zeitschriften zu lesen, um euren Geschmack am Schönen, am Fernen, Auserlesenen zu entwickeln. Eine schöne Geschichte ist das Leben von Joseph in der Bibel. Es ist empfehlenswert, diese Geschicht zu lesen.

Jetzt gebe ich euch ein Beispiel von einer Idee, welche in drei Formen ausgedrückt wird, nämlich – die Idee vom Leben. Deshalb sage ich: “Das Licht bringt Leben, die Liebe bringt Leben, die Wahrheit bringt Leben.” Wie ist dann das Leben, welches das Licht bringt? Wie ist das Leben, das die Liebe bringt? Wie ist das Leben das die Wahrheit bringt? Kann dabei die Wahrheit das Leben direkt bringen? Es gibt immer einen Unterschied zwischen dem jeweiligen Leben, welches das Licht, die Liebe und die Wahrheit bringen. Ein Objekt der Wahrheit ist die Freiheit. Ein Objekt des Lichtes ist das Wissen und ein Objekt der Liebe ist das Leben. Indem wir sagen, dass das Licht das Leben bringt, nehmen wir das Licht als eine notwendige Bedingung des Menschen zum Lernen an. Um zu lernen, muss er Liebe haben. Also ruft das Licht Leben für das Wissen hervor, um den Menschen Freiheit zu geben. Genauso ruft auch die Wahrheit das Leben.

In Zukunft, wenn ihr eure Aufsätze schreibt, sollt ihr sie also mehrmals lesen und wenn euch etwas nicht gefällt, dann sollt ihr es korrigieren. Wenn ihr euren Aufsatz laut lest und er für eure Ohren angenehm klingt, könnt ihr ihn in der Klasse vorlesen und er wird allen gefallen. Dabei sollt ihr langsam, ruhig und ohne Eile schreiben. Die okkulte Schule verlangt von den Schülern eine geometrische Exaktheit. Die Blätter auf denen ihr schreibt, können klein oder gross, je nach eurem Wunsch sein, aber unbedingt gleichseitig. Die Form kann dreieckig, viereckig oder jede beliebige Form haben, aber unbedingt gleichseitig. Genauso sollen eure Aufsätze sauber und schön geschrieben sein. Es ist nicht genug, nur von der Schönheit zu sprechen, man muss auch schön vorgehen. Viele beginnen schön und deutlich zu schreiben und zum Schluss langweilen sie sich und ihre Schrift wird unleserlich und nervös. Das zeigt, dass sie mit sich selbst nicht einverstanden sind. Das spricht auch von gewissen Schwächen in ihnen. Deshalb sollt ihr mit diesen Mängeln kämpfen, bis ihr sie überwunden habt.

Ich sage: Merkt euch alle Regeln, die ich euch vom Schreiben gegeben habe und wendet sie an. Ihr sollt wissen, dass jeder Gedanke, jedes Gefühl und jede Tat des Menschen, seien sie nun gut oder schlecht, sich in seinem Bewusstsein einprägen und es beeinflussen. Auf diese Weise werdet ihr von den unschönen, negativen Dingen das Schöne, Erhabene und Positive im Leben verstehen.

Stilles Gebet

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