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 Die Hoffnung

„Jetzt aber bleiben diese drei: Glaube, Hoffnung und Liebe.“ (Korinther 13)

Ich gehe jetzt von einem neuen Standpunkt aus. Ich werde drei Dinge genauer betrachten: Die Liebe, den Glauben und die Hoffnung.

Die Liebe kann betrachtet werden als ein Streben, doch sie kann auch als ein Gefühl, als eine Kraft und als ein Prinzip betrachtet werden.

Auch der Glaube kann als ein Streben, als ein Gefühl, als eine Kraft und als Prinzip betrachtet werden.

Die Hoffnung kann ebenfalls als ein Streben, als ein Gefühl, als eine Kraft des Menschen und als Prinzip betrachtet werden.

Die Liebe, den Glauben und die Hoffnung betrachte ich als Prinzipien.

Die Liebe umfaßt alles, d.h. das ganze Universum, das Weltall — nichts kann ihr entfliehen. Der Glaube umfaßt die Zeit, und die Hoffnung umfaßt die Resultate, die aus diesen beiden Kräften hervorgehen. Anders ausgedrückt: Die Liebe umfaßt die Ewigkeit, d.h. das unendliche Leben, alle Möglichkeiten. Die Liebe kennt keinen Tod. Die Liebe umfaßt die Bedingungen, unter denen sich dieses Leben entwickelt, und die Hoffnung verwirklicht die Resultate. Das sind Prozesse, die aufeinander folgen. Vermischt nicht die Liebe, den Glauben und die Hoffnung! Manche glauben, daß es zwischen ihnen keinen Unterschied gibt, daß sie ein und dasselbe sind. Wenn du im Leben die Courage verlierst, ist die Hoffnung in dir sehr schwach; wenn du zweifelst, ist dein Glaube schwach; wenn du nicht lieben kannst, ist die Liebe in dir schwach.

So sind die Liebe, der Glaube und die Hoffnung nicht gleichmäßig entwickelt bei allen Leuten. Bei manchen ist die Liebe am stärksten entwickelt, bei anderen der Glaube, bei dritten die Hoffnung. Die Hoffnung ist ein Prinzip, das alle Gegensätze in der physischen Welt befriedigt. Sie wirkt in der sichtbaren Welt, in der Welt der Veränderungen. Folglich — wann hoffen wir? Wenn wir Töchter, Söhne, Ländereien, Häuser und hier und dort angelegtes Geld haben. Die Hoffnung umfaßt die gegenwärtigen Dinge. Das ist eine ihrer Eigenschaften.

Wir müssen die Hoffnung ergreifen als Prinzip, denn das ist bei den gegenwärtigen Bedingungen des Lebens unumgänglich. Die zeitgenössischen Menschen haben ihre Begriffe durcheinander gebracht. Sie haben ihre Beziehung zu Gott verloren, sie haben an ihm gezweifelt. Sie fragen sich: „Gibt es einen Gott oder nicht?

Es würde verwunderlich sein, wenn wir uns die Frage stellten: „Gibt es eine Sonne oder nicht? “ Wenn die Sonne verschwinden würde, würde auch das Licht verschwinden. Sobald das Licht existiert, existiert auch die Sonne, denn das Licht ist eine Erscheinung der Sonne. Wenn die Liebe unter den Menschen existiert, existiert auch Gott, denn die Liebe entspringt in Gott. Wenn die Liebe in Gott entspringt, taucht der Glaube auf, und der Glaube ist der Träger des Lebens. Ohne den Glauben kann das göttliche Leben nicht auf die Welt projiziert werden. Folglich ist er das Prinzip, das die vernunftbegabte, bewußte Welt zur Entwicklung bringt. Das bewußte Leben kann sich niemals ohne den Glauben entwickeln. Er tritt bei allen Menschen in irgendeiner Weise auf. Die Hoffnung aber realisiert dieses Leben. Sie ist eine Kraft, die den Dingen die Form gibt. Folglich muß jeder von euch, der einen gesunden Körper und ein gesundes Gehirn haben möchte, der schön sein möchte, unbedingt die Hoffnung haben. Die Hoffnung formt den Körper. Wenn wir beginnen, die Hoffnung zu verlieren, verlieren unsere Brust, unser Gehirn, unser Körper ihre Symmetrie. Dann sagt der Mensch: „Ich habe keine Lust zu essen, ich habe keine Lust zu leben,“ — bis er in das Grab steigt.

Die Hoffnung ist ein Prinzip, das den freien Lauf unseres Lebens auf dieser Erde eröffnet.

Jeder Mensch, der seine Hoffnung verliert, wird ein Sklave dieser Erde. Die Feiglinge, die auf dem Schlachtfeld die Hoffnung verlieren, ergeben sich. Der Kaufmann, der Angst hat, wird mit hundertprozentiger Sicherheit zahlungsunfähig. Doch derjenige, der Hoffnung hat, gibt nicht auf. Wenn ein Mensch Hoffnung hat, ist ihm alles möglich. Das sind nicht nur leere Worte. Ihr habt Tausende von Möglichkeiten, dies im Leben auszuprobieren.

Wenn in uns die drei Prinzipien Liebe, Glaube und Hoffnung wirken würden, würden wir stark genug sein, unsere Freiheit zu verteidigen. Die zeitgenössischen Menschen haben es noch nicht gelernt, mit ihrer Welt umzugehen. Wenn du nicht einmal eine Mikrobe, ein kleines Ubel, besiegen kannst, wie wirst du dann die großen Übel besiegen? Als welcher der Mensch in den kleinen Dingen erscheint, als solcher erscheint er auch in den großen.

Jemand sagt: „Ich glaube nicht an Gott.“ Gott möchte keinen Glauben ohne Liebe. Ohne Liebe kannst du nicht an Gott glauben. Auch Hoffnung kann man ohne Liebe nicht haben. Um an Gott zu glauben, muß man ihn zuerst lieben. Und um den Menschen zu lieben, muß man ihn erst kennen. Mit den Menschen muß man in umgekehrter Reihenfolge beginnen: Mit Gott beginnt man durch das Gesetz der Liebe, doch mit dem Menschen durch das Gesetz der Hoffnung.

Wir fragen uns: „Wann wird die Welt besser werden? “ Die Welt kann in einem Tag gebessert werden. Die äußere Welt, die Natur ist schon in Ordnung, sie ist gut; doch unsere innere Welt ist nicht in Ordnung, und deshalb sagen wir: Wann wird die Welt besser werden? “ Damit die Welt gebessert wird, muß jeder von euch diese drei Prinzipien in sich selber realisieren.

Um unsere Liebe in dieser Welt auszudrücken, ist es nötig, sie denen zu schenken, die Liebe brauchen. Und die Liebe wird sichtbar in jedem kleinen Dienst, den wir einem Menschen erweisen: sei es, daß wir ihm ein gutes Wort sagen, sei es, daß wir ihm etwas zu essen geben, sei es, daß wir ihn pflegen, wenn er krank ist, sei es, daß wir ihm unser Vertrauen schenken. Wir bezeugen uns in unseren gegenseitigen Beziehungen nur Mißtrauen.

Laßt die Liebe in euer Bewußtsein eindringen, den Glauben in eure Brust und die Hoffnung in euren Magen! Wenn ihr eßt, eßt mit Hoffnung! Man muß essen, doch weder zuviel, noch zuwenig. Ein Mensch, der mit Hoffnung leben will, darf nicht viel essen, darf sich nicht überessen. Gebt euren Kindern nicht zuviel zu essen! Das wenige wird in der Natur zum Segen. Das Übermäßige, die Übersättigung ist eine Sünde. Jene, die nach dem Gesetz der Hoffnung leben, müssen nur das Nötigste im Leben haben. Da ihr auf dieser Erde lebt, beginnt mit der Verwirklichung dieser Hoffnung. Worin besteht diese Verwirklichung? Darin, daß ihr hofft, daß ihr gut, klug, gesund und reich werden könnt. Reich woran? An Tugenden. Ihr sollt hoffen, daß ihr euer Leben bessern könnt.

Die Hoffnung ist nötig, um die herrschenden Widersprüche auszugleichen. Ihr könnt die folgenden Widersprüche nicht ausgleichen: Warum sind die einen reich und gelehrt, die anderen jedoch arm und unwissend. Nur die Hoffnung kann diese Widersprüche ausgleichen. Ihr glaubt, daß ihr zum ersten Mal hier auf Erden seid? Nein, ihr alle, die ihr hier seid, habt eine lange Geschichte in der Vergangenheit.

Die Hoffnung ist eines der großen Prinzipien auf der Erde, ohne das die Lebensfragen nicht richtig entschieden werden können. Gebt euren Kindern die Hoffnung, damit ihre Hände und ihre Herzen rein sind, damit sie wissen, daß ihr Körper ein Tempel ist, für den sie verantwortlich sind. Laßt eure Kinder nicht im Schmutz leben! Ein Mensch, der Hoffnung hat, ist stets ordentlich gekleidet, seine Augen sind immer voller Freude und Frohsinn. Um die Hoffnung in euren Kindern zu entfalten, macht sie freudig. Wie? Gebt ihnen eine solche Beschäftigung, die Freude in ihre Seelen bringt. Dieses Gesetz gilt nicht nur für Kinder, sondern auch für Männer und Frauen. Die Männer sollen ihren Frauen Freude bereiten, und die Frauen sollen das gleiche für ihre Männer tun. Wenn auf der Erde das Gesetz der Hoffnung fehlt, kommt die Entmutigung — und aus der Hoffnungslosigkeit entstehen alle gegenwärtigen Übel.

Wenn ein junger Mann oder ein junges Mädchen keine Hoffnung haben, sollen sie nicht heiraten, — das würde ich ihnen raten. Wenn sie Hoffnung haben, wird es in ihrem Haus Friede und Freude geben. Heutzutage sagen die Menschen: „Diese jungen Leute können jetzt nicht miteinander leben, doch später werden sie sich verständigen.“ Nein, jetzt müssen sie miteinander auskommen! Wie die Liebe am Anfang ist, so wird sie auch am Ende sein. So lautet das Gesetz der Hoffnung. Vom Standpunkt der Liebe aus gesehen müssen wir die Zeit verstehen, vom Standpunkt des Glaubens den Raum, vom Standpunkt der Hoffnung alle Methoden und Weisen, — um das Leben zu entwickeln.

Ihr werdet Liebe, Glaube und Hoffnung sein. Ihr werdet glauben, ihr werdet die Hoffnung haben, daß jeder Mensch sich bessern wird. Wenn du einen Freund hast, der an dich glaubt, bekommst du Flügel. Wenn du den Glauben an einen Freund verlierst, wirst du ganz mutlos.

Die Hoffnung ist die mächtige Lehre der Zukunft, die das Leben auf Erden sinnvoll machen wird, die uns lehren wird, das Schulwesen und das Rechtswesen zu reformieren, die uns zeigen wird, wie wir uns richtig ernähren können. In dieser zukünftigen Welt wird es keine Gräber geben, und dann wird Christus auf die Erde kommen. Die Erde, auf der wir jetzt leben, wird erneuert werden. Diese Welt wird untergehen, neue Kontinente werden entstehen, neue Luft wird entstehen.

Wenn wir grundsätzlich verstanden haben, warum wir auf der Welt existieren, werden wir das mächtige Gesetz der Hoffnung anwenden, und wir werden nicht mehr fragen: „Gibt es einen Gott oder nicht? “, sondern wir werden fragen: „Leben wir nach den Gesetzen des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe?“ Leben wir nach diesen Gesetzen, so haben wir verstanden, warum wir existieren, und die Mißverständnisse werden verschwinden.

Diese Lehre ist nützlich für euch. Ihr müßt auf der Erde leben, ihr müßt gesund, glücklich und selig sein. Was ihr auch tun möchtet, ihr werdet es nicht verwirklichen können, wenn ihr nicht den Glauben, die Liebe und die Hoffnung habt. Alles ist in diesen drei mächtigen Prinzipien enthalten. Wenn ihr sie richtig verstanden habt, wenn ihr sie in euch weiterentwickelt habt, werdet ihr stark und mächtig sein, werdet ihr Freude, Zuversicht und Kraft in eurem Leben haben.

Das ist die Lehre, die Christus gebracht hat, als er kam, um die Menschen mit Gott zu versöhnen, indem er sie lehrte, wie sie leben sollen. Es gibt keine größere Kunst auf der Welt als zu lernen, wie man richtig leben soll. Das müssen wir lernen! Junge, Alte, Mütter, Väter, Schwestern und Brüder, Freunde, Herren und Knechte — alle müssen lernen, vernünftig zu leben, Friede und Ubereinstimmung miteinander zu haben. Lebt nach dem Gesetz der Hoffnung, damit ihr allezeit Freude habt, damit ihr nicht wißt, was Entmutigung ist. Und wenn du auch der Allerärmste wirst, lasse dich nicht entmutigen, denn du wirst etwas in deiner Seele haben, das dir keine Kraft der Welt wegnehmen kann. Ihr habt Kräfte, verborgene Reichtümer in euch selbst, welche die zeitgenössische Wissenschaft nicht einmal vermutet, obwohl sie diese konstatiert.

Die menschliche Seele ist noch nicht vollständig in Erscheinung getreten; der Mensch hat Kräfte, die auf die günstigsten Bedingungen für ihre Entwicklung warten. Wenn ihr euch befreit und in die Freiheit des göttlichen Lebens eintretet, werdet ihr alles erfahren. Wenn ihr Gott als die allumfassende Liebe begreift, die in der Welt in Erscheinung tritt, wenn ihr ihn als ein Wesen begreift, das mit dem allergrößten Wohlwollen auf die allerkleinsten und allergrößten Lebewesen schaut, wird er euch auch emporheben. Wenn ihr Gott nur als ein Wesen begreift, das darauf wartet, zu bestrafen, so wird er euch nicht helfen. Begreift ihn als ein Wesen der Sanftmut, der Kraft, die keinen Tod kennt. Bei diesem Verständnis Gottes werden auch die Prinzipien des Glaubens und der Liebe in euch eindringen. Nach zwanzig oder dreißig Jahren wird euch Gott zu sich rufen, um zu sehen, was seine Kinder gelernt haben. Dann wird er euch wieder auf die Erde schicken. Für alle gibt es genügend Arbeit. Wenn er sieht, daß ihr eure Lektion gelernt habt, wird er euch in das gewaltige Universum entsenden, damit ihr dort euren Dienst leisten könnt. In diesem Leben wird jede Seele alle Bestrebungen befriedigen, die sie hat. Es gibt keinen Wunsch der Seele, den sie nicht erfüllt bekommen kann. Aber wann? Wenn wir diese mächtige Schule absolviert haben, die Schule, in welcher das Gesetz der Hoffnung gelehrt wird.

Ich würde wünschen, daß alle, die meine Ausführungen über die Hoffnung gehört haben, voller Freude von hier fortgehen. Wenn ihr die Freude habt, ist alles gut bei euch. Wenn ein Mädchen singt, werden ihre Angelegenheiten gut gehen. Deshalb würde ich wünschen, daß ihr singt, was ihr auch dabei tut. Die Alten und die Jungen mögen singen! Wer jung sein möchte, muß singen und sich freuen. Lebt nach dem Gesetz der Hoffnung! In der Hoffnung gibt es keine Melancholie, kein Leid, keine Verzweiflung. In ihr gibt es nur Freude und Frohsinn. Daran erkennt man dieses göttliche Prinzip.

Russe, 16. Januar 1920

 

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