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 Die Bedingungen Für Das Ewige Leben

"Das ist aber das ewige Leben, daß sie dich, der du allein wahrer Gott bist, und den du gesandt hast, Jesus Christus, erkennen (Joh. 17:3)

Wenn der junge bulgarische Bursche, rein wie der Tau, zum ersten Mal seinem Ideal in der Welt begegnet, hält er inne und sagt zu sich: "Ich habe sie gefunden, sie ist es. Jetzt kann ich wie Archimedes das relative Gewicht der Körper bestimmen, angeben, wieviel Silber, wieviel Kupfer, wieviel Gold in dieser Zarenkrone erhalten sind. Jetzt kann ich wie Newton sagen, warum die Äpfel reif werden und auf den Boden fallen, warum die Felsenbrocken von der Höhe herunterrollen, warum die Gebirgsquellen nach unten laufen, springen, rauschen und in aller Eile fließen, warum sich die Himmelskörper im Weltraum bewegen und um ihre zentralen Heimstätten kreisen. Jetzt offenbaren mir mein Verstand, mein Herz dieses große Geheimnis der Bewegung im Leben; ich kann euch sagen, was das ewige Leben darstellt; ich kann euch seine Eigenschaften, Merkmale, Voraussetzungen und Elemente nennen. Ich habe sie gefunden, ich habe den Stein der Weisen gefunden, ich habe das kostbare Lebenselixier erworben. Ich kann mutig wie der Löwe, geduldig wie der Ochse, fliegend wie der Adler, vernünftig wie der Mensch sein. Und es ist recht gesagt worden: "Den Unmündigen hast Du es offenbart". – Dieser junge Mann ist nicht weit entfernt von der Wahrheit. Er hat die ursprüngliche Sprache begriffen, die Sprache, in der Gott gesprochen hat. Seine Schlußfolgerungen und Ansichten zeugen davon, daß er das Original versteht, aus dem er seine Inspiration schöpft. Er spricht, denkt, empfindet, handelt richtig: grammatikalisch wie logisch und philosophisch. In seiner Seele herrscht Frieden und Eintracht, es gibt keinen Streit um das Wort "ewig" – ob es vor oder nach dem Wort 'Leben' gesetzt werden soll. "Das ist die äußere Hülle der Dinge", sagt er. "Für mich ist es wichtig, daß es in meinem Verstand, in meinem Herzen ist, daß es tief in meine Seele eingedrungen ist und meinen Geist mit seinem Göttlichen Feuer stärkt".

Richtig ist seine Antwort. Vor Jahren war es richtig, daß der Kutscher in der Kutsche vorne saß, und der Herr hinten; in der moderneren Zeit hat sich die Regel geändert: der Herr sitzt vorne und der Kutscher hinten. Vorne oder hinten – es ist egal, es ist nur wichtig, daß sich die Zügel in erfahrenen Händen befinden, daß die Pferde stark sind, die Kutsche heil, der Kutscher schnell von Begriff, sein Herr klug und gut – dann ist das Ziel erreicht. Jemand wird wohl sagen: "Was wollen Sie damit sagen?" – "Nichts mehr als das. Mit einem Wort, daß der Herr und der Kutscher auf seinen Plätzen sein müssen –"Und noch etwas?" – Könnt ihr wie dieser junge Bursche sagen: "Ich habe sie und ihn gefunden!" Das ist die für euch wichtige Frage. Wenn ihr eine Antwort darauf findet, werden die Welt und das Leben ein ganz neues Aussehen gewinnen. Aber kommen wir zu unserem Thema zurück. Als Christus diese Worte über das "ewige Leben" in Anwesenheit Seiner Jünger geäußert hat, hat Er ihnen ein "ewiges Gesetz" des Lebens offenbart; in diesem Gesetz sind schon zwei seiner wesentlichen Bestandteile abgesteckt und festgelegt, die im irdischen wie im ewigen, im vernünftigen wie im übersinnlichen Leben enthalten sind. Nun, Menschen, die den tiefen Sinn der ursprünglichen Sprache nicht verstehen, können diese oder jene Übersetzung machen, die Worte verstellen, aber es gibt gewisse Gesetze, die den menschlichen Gedanken regeln und die keine willkürliche Verstellung zulassen. Solange der Mensch nicht gelernt hat, richtig zu denken, wird er Fehler machen, und er wird sie mit einer Reihe von Leiden sühnen. Die geschriebenen Dinge, die im großen Buch des Lebens stehen, sind für die vernünftigen Leute; sie sind nicht für die niedrigeren Wesen bestimmt, die dieses Gesetz nicht verstehen. Wenn nun jemand "ewiges Leben" oder "Leben ewig" liest, wird fragen, was wir unter dem Wort 'ewig' verstehen können. Dieses Wort hat einen äußeren und einen inneren Sinn. Unter 'ewigem Leben' versteht man bei uns langes, grenzenloses Leben ohne Unterbrechung. Auf Englisch heißt es 'eternal', aber die Wurzel dieses Worts stammt aus dem Sanskrit und bedeutet 'Erde', und 'Erde' bedeutet auf Sanskrit ein Wesen, das empfängt und gebiert. Oft wird das 'ewige' Leben mit dem Existieren des Menschen verwechselt; aber ein Mensch kann existieren, ohne zu leben. Die Metaphysiker streiten über diesen Gegenstand, aber, wenn wir uns schon auf dem Gebiet der Experimentalphilosophie befinden, wo wir die Göttlichen Gesetze überprüfen, müssen unsere Schlußfolgerungen auf der Wahrheit beruhen und die Ergebnisse stimmen.

Im Leben des Menschen gibt es drei Grundelemente, die sich niemals ändern; drei Grundprinzipien, auf denen sein jetziges Leben beruht. Sie sind in der Grammatik, in der Logik und in der Mathematik präsent. Zum Beispiel, wenn die Kinder sich mit der Satzlehre vertraut machen, sagen sie, daß die Sätze ein Subjekt, ein Prädikat und eine Bindung haben. Er kann auch Attribute, Objekte usw. haben, aber die Basis stellen diese drei Wörter dar, die einen Gedanken ergeben. Hätte ich euch gefragt, was 'Subjekt' ist, hättet ihr geantwortet: "Das Wort, das den Gegenstand bezeichnet, wovon die Rede im Satz ist". "Und ein Prädikat?" – "Das Wort, das zeigt, was über den Gegenstand gesagt wird". Gut. Wenn ein Lehrer euch die Aufgabe stellen würde, das vorgelesene Zitat grammatikalisch zu analysieren, zu sagen, welche die wichtigsten Wörter in ihm sind, so würden alle die Wörter 'Gott' und 'Jesus Christus' nennen. Aber der Grundgedanke hier heißt 'ewiges Leben' und 'Jesus Christus' ist eine Ergänzung dieses Gedankens. Gott und Jesus Christus sind die beiden Prinzipien, die den Anfang des ewigen Lebens ergeben, oder die zwei Pfeiler, die es stützen. In der Sprache der Logik ausgedrückt, ist 'Gott' die große Prämisse, 'Jesus Christus' ist die kleine Prämisse, und 'ewiges Leben' – die Schlußfolgerung. Wollen wir diesen Gedanken etwas deutlicher machen. Die Worte 'ewiges Leben' meinen die vernünftige Seelenwanderung; das Wort 'Gott' – die Keime des Geistes, die Voraussetzungen, die Kräfte, die Gesetze in der Natur, auf denen baut und sich stützt diese majestätische Ordnung der Dinge, und 'Jesus Christus' – das vernünftige Prinzip, das von dem Einzigen Gott ausgeht und das alle Lebewesen lenkt und erhält. Nun könnt ihr auch denken, daß, wenn ihr 'ewiges Leben' sagt, begreift und wißt, was ein ewiges Leben eigentlich ist. Aber welches ist das Grundelement der Erkenntnis? Wir erkennen nur jene Dinge, die wir ausprobieren, die wir tun können. Jedes Ding, das wir nicht ausprobieren und das wir nicht selbst tun können, erkennen wir nicht. Von solchen Dingen, welchen Charakters sie auch sind, haben wir nichts anderes als eine Vorstellung und wir können nur Vermutungen anstellen. Wenn man euch einen Stoff gibt, werdet ihr sagen: "Ich weiß, wie er zustandegekommen ist", aber, läßt man euch ihn selbst machen – den Schuß fertigspinnen, die Kette setzen – werdet ihr sagen: "Ich kann es nicht".

Die Wissenschaft lehrt, daß für die Existenz eines Lebewesens bestimmte Bedingungen und eine bestimmte Umgebung erforderlich sind. Zum Beispiel ist die Umgebung des Fisches das Wasser. Was ist unter dem Wort 'Umgebung' zu verstehen? 'Umgebung', 'Grundlage', 'Boden' sind Dinge, die viele Berührungspunkte haben. Im Bulgarischen und in anderen Sprachen gibt es kein Wort, das auf einen wesentlichen Unterschied zwischen diesen drei Wörtern hinweist. Das erste Element des 'ewigen Lebens' ist jenes Element, in dem die Seele so untertaucht, wie der Fisch – dieses Element nennen wir Umgebung. Wenn wir mit dem Errichten eines Hauses beginnen, bezeichnen wir diese Umgebung Grundlage – auf der Grundlage bauen wir Wände und wir setzen ein Dach auf. Wenn wir eine Pflanze säen, bezeichnen wir diese Umgebung als Boden – im Boden säen wir die unterschiedlichsten Samen. Zunächst müssen wir für jedes Ding die Umgebung erkennen. Was ist 'die Umgebung' bem 'ewigen Leben'? Gott. Es gibt aber noch zwei Übergangselemente oder Bedingungen. Manche verwechseln 'Bedingungen' mit 'Umgebung'. Zwischen den beiden besteht ein Unterschied. Damit ein Zug von Sofia nach Varna kommt, braucht er gewisse Bedingungen; das sind: Gleise, Kohle und Wasser. Und wenn wir es auf den Menschen beziehen, welche sind dann die Bedingungen seines Lebens? 'Die Umgebung', in der der Mensch lebt, ist die Luft. Der Mensch ist darin eingetaucht. Die Luft ist aber nicht das einzige Element, das der Mensch, die Fische und die Vögel brauchen, um zu existieren; es ist ein weiteres Element erforderlich – die Nahrung; wir sind aber nicht in die Nahrung eingetaucht: dieses Element ist ein Übergangselement, es kommt von außen, geht in uns hinein und kommt aus uns heraus, indem es seine Folgen hinterläßt. Das dritte Element für den Menschen, das Element, wo der Fisch eingetaucht ist – das Wasser – das ist die Umgebung des Fisches, für den Menschen stellt es aber nur eine Bedingung dar. Wenn wir den Menschen dort eintauchen, wo der Fisch sich befindet, wird er sterben. Folglich ist das Wasser für den Menschen eine Bedingung seiner Existenz. Nehmen wir die Luft, die für den Menschen eine Umgebung ist – berauben wir ihn der Luft, so stirbt er – für den Fisch aber ist die Luft nur eine Bedingung. Diese Bedingung befindet sich im Wasser selbst, und wenn sie durch die Kiemen eines beliebigen Fisches geht, geht diese Luft in ihr Atmungssystem über und reinigt das Blut. Das Wasser ist eine Umgebung für den Fisch. Die Luft ist eine Umgebung für den Menschen.

Aber die Umgebung ist nur ein Drittel der Wahrheit. Wo entstehen die falschen Begriffe? Wenn wir zum Vergleich ein Beispiel nehmen, müssen wir wissen, wieviel Wahrheit dahinter steckt. Wir müssen immer ehrlich sein und nicht nur unsere Schlußfolgerungen müssen richtig sein, sondern gleichzeitig auch die kleine und die große Prämisse müssen stimmen. Die eine Prämisse kann richtig sein, aber, ist die andere falsch, wird auch eure Schlußfolgerung nicht richtig sein. Und wenn die Mathematiker und die Ingenieure die nötigen Ausrechnungen und Pläne machen, so erwägen sie genau alle Umstände, um eventuelle Fehler auszuschließen. Demselben Prinzip nach solltet ihr auch die Dinge in euch selber aufbauen, wenn ihr euren Charakter aufbauen wollt – euren Verstand und euer Herz. Ihr müßt auch wissen, wie ihr ihn aufbauen sollt – ihr müßt wissen, was eine Umgebung, was eine Bedingung, was ein Element ist. Weil es auch Elemente gibt. Die Elemente beziehen sich auf den Unterhalt des Lebens, und die Bedingungen – auf die Existenz des Lebens. Die Felder, die Gärten, die Weinberge usw. stellen zum Beispiel die Lebensbedingungen dar, aus denen die Elemente des Lebens – der Weizen, das Obst usw. hervorgehen. Das Licht ist ein für das Leben notwendiges Element aber es ist das vierte Element – die Luft, die Nahrung und das Wasser sind die ersten drei Elemente. Wenn der Fisch sagen könnte: "Mir genügt das Wasser", weil er im Wasser seine gesamte Nahrung findet, und wenn der Mensch auch im Wasser leben wollte, so würde er in Widerspruch mit den Grundgesetzen geraten, die sein Leben regeln, weil er nicht ins Wasser gehen und drin, wie der Fisch, leben könnte. Gerade aus diesen falschen Auffassungen gehen auch die Fehler in allen modernen philosophischen und religiösen Lehren hervor. In ihnen gibt es viele Dogmen, die nur halbe Wahrheiten enthalten.

Kommen wir zum Wort 'ewig' zurück. Es bezieht sich auf die geistige Welt, es meint Bausteine, aus denen man das unsterbliche Leben aufbauen könnte. Das Wort 'Leben' meint das organische Leben in der Materie, das wächst und sich entwickelt und nicht ununterbrochen ewig sein kann: seine Form kann verändert werden, und diese Veränderung nennen wir Tod. Die Vorstellungen von dem 'Tod' aber können unterschiedlich sein. Sterben bedeutet für den Menschen nicht im geringsten, daß er sein Bewußtsein verliert, sondern, daß er jene Bedingungen verlieren kann, unter denen sich das Leben äußert. Das Bewußtsein kann so werden, wie der Mensch wird, wenn er stirbt – es bleiben seine Knochen. Das Bewußtsein – das ist die geistige Wirbelsäule des Menschen. Das heißt, auf dieser Wirbelsäule, der Wirbelsäule des Menschen ähnlich, beruht die Funktion des ganzen Nervensystems und der Glieder, die zusammen mit den anderen Sinnen und Fähigkeiten wirken. Wenn wir über Gott sprechen, so ist Er die oberste Macht oder die notwendige Umgebung, in die der Mensch geistig eingetaucht ist. Wollen wir diese Analogie erklären. Wenn wir sagen, daß das menschliche Auge das Licht braucht, so heißt das, daß die Augenzellen in das Licht eingetaucht sind und daß es für ihre Auferhaltung notwendig ist. Die menschliche Seele muß auch eingetaucht sein. Habt ihr sie nicht eingetaucht, so seid ihr außerhalb eurer Umgebung, ihr werdet im Keim leben, so wie viele Weizenkörner sich 5-6 Jahrtausende in den ägyptischen Pyramiden und Grabstätten im Trockenen erhalten und auf Bedingungen gewartet haben, um gesät zu werden und danach hervorzusprießen. Solche Weizenkörner sind neulich herausgeholt und gesät worden und sie haben sich ausgezeichnet entwickelt. Auch die menschliche Seele, einem Körnchen gleich, verweilte in der Göttlichen Getreidekammer und wartete auf die drei notwendigen Elemente, die in den Bedingungen, in den Kräften und in den Gesetzen enthalten sind, damit sie aufs neue ihr Leben beginnen kann. Im christlichen Sinne gesagt, müssen wir die Bedingungen finden, unter denen wir in Gott eintauchen und in Gott leben können. Die Bestrebung eines jeden bewußt lebenden Menschen muß darauf gerichtet sein, dieses Ziel zu erreichen. Ihr lebt, ihr existiert, aber dieses Leben und Existieren ist ein glattes Vegetieren. Euere Existenz besteht nur aus einem Element und ihr werden von der Göttlichen Wesenheit, die euch wie Weizenkörnchen und kleine fruchtbringende Samen geschaffen hat, Grenzen gesetzt. Ihr könnt eurem Dasein nicht entfliehen, ihr könnt euch selbst nicht vernichten: euer Dasein liegt außerhalb der Zeit und des Raumes. Die Menschenseele hat in diesem Zustand Milliarden von Jahren in der Tiefe des Göttlichen Bewußtseins verbracht, ihr damaliges Leben ist aber von einer ganz anderen Art gewesen: sie war nichts Individuelles, sie kannte nicht das Einzelleben des individuellen Geistes; sie hat in der Betrachtung der Göttlichen Seligkeit gelebt – in einem dämmernden Zustand. Aber mit ihrem Erwachen jetzt kommt sie zur Erde, um den inneren Sinn auch dieses Lebens, des individuellen Lebens, zu erfahren, selbst ein eigenes unsterbliches Leben zu erlangen und Bürgerin des Himmels mit bestimmten Rechten und Pflichten zu werden. Dieser innere Drang ist eine Bedingung, die uns auch von Gott auferlegt worden ist. Nun möchten manche einen Körper erlangen und gleichzeitig wie Gott leben. Jedoch wie Gott zu leben ist widersprüchlich, weil, um wie Gott zu leben, brauchst du gar nicht aus Ihm hinauszugehen. Welches Bedürfnis hat dieses Göttliche Bewußtsein, sich zu trennen, nach einem anderen Leben zu suchen? Das bedeutet, daß die menschliche Seele immer in Gott existiert hat, und daß ihr ewiges Streben immer da gewesen ist, nach Ihm zu suchen in allen Seinen Äußerungen und Ihn nachzuahmen.

Kommen wir aber zu der wissenschaftlichen Seite des Gegenstandes zurück – die Beherrschung dieser drei Grundtatsachen: Umgebung, Bedingungen und Elemente der Existenz. In der Kirche ist diese Idee als "Dreifaltigkeit" Gottes verkörpert. Was bedeutet dieses Wort? Drei verschiedene Personen, die einen gemeinsamen Gedanken, einen Willen haben – Vater, Sohn und Heiliger Geist. Sie sind auch in der Grammatik vorhanden: Subjekt, Prädikat und Bindung; in der Logik heißt es: große Prämisse, kleine Prämisse und Schlußfolgerung. Die Umgebung für alle Wesen und für unsere Seele ist Gott; das Element, das das Leben in sich hat, ist Christus, und die Bedingungen, die zur Manifestitation des Lebens verhelfen, verweilen im Heiligen Geist. Wenn ihr die Ordnung der Dinge verändert, müßt ihr gleichzeitig auch die Gesetze verändern, die die Form der Dinge regeln. Ihr könntet in das Wasser tauchen, aber, um darin zu leben, müßtet ihr auch eure menschliche Form in eine Form, die dem Fisch eigen ist, umwandeln. Das wäre ein Degradieren des Lebens, weil ihr die Bedingung – in diesem Fall das Wasser – zur Umgebung gemacht habt. Und eine Erhöhung des Lebens gibt es dann, wenn man die Umgebung zur Bedingung macht. Im ersten wie im zweiten Fall ist die Form des Wesens notwendigerweise zu verändern. Wir können die Form eines Fisches nur verändern, wenn wir seine Umgebung verändern. Wenn wir ihn aber nach und nach aus dem Wasser holen und ihn der Luft aussetzen, wird er zum Vogel, er wird sich an die Luft anpassen. Dann wird das Wasser zu einer Bedingung seines Lebens werden, so wie für ihn es die Nahrung und das Licht Lebensbedingungen sind. Wenn Christus sagt: "Dich, Den allein wahren Gott zu erkennen, das ist ein ewiges Leben", was wollte Er mit 'allein wahren Gott' sagen? Das ist jene Oberste Kraft, Die Sich stets in uns bewegt, Die das Leben in Sich trägt, die Bedingungen schafft, durch die wir Sie erkennen können. Ein Wesen, das in eine bestimmte Umgebung getaucht ist, kann diese Umgebung nicht erkennen; zum Beispiel kann der Fisch das Wasser nicht erkennen, in das er getaucht ist. Manche wollen Gott erkennen; wenn ihr in Gott eingetaucht seid, werdet ihr Ihn nicht erkennen, weil ihr mitten drin in Ihm seid; so lebt ihr nur in Ihm, ohne daß ihr Ihn erkennt. Ihr müßt aber aus Ihm hinaus und Ihn zur Bedingung eurer Existenz machen, wenn ihr Ihn erkennen wollt. Nehmen wir an, ihr sprecht zu einer eurer Zellen, die in euch lebt. Die menschlichen Zellen sind vernünftige Wesen, sie besitzen eine gewisse Art von Intelligenz. Sie sind wie die Vögel und die Fische. Mag sein, daß ihr es merkwürdig findet, aber es ist so. Ihr könnt versuchen, zu diesen Zellen zu sprechen – sie werden euch verstehen. Und wenn ihr zu ihnen in ihrer Sprache sprecht, werden sie ihrem Dienst vorzüglich nachgehen. Ihr könnt sie aber auch einschüchtern; sie werden sich ducken. Wenn eine Zelle aber folgendes sagt: "Ich möchte wissen, was der Mensch ist", wird es dasselbe sein, wie wenn der Mensch sagen würde: "Ich möchte sehen, was Gott an sich ist"; dann muß Gott keine Umgebung sein, der Mensch muß aus Ihm hinausgehen. "Aber ist so was möglich?" Es ist möglich. Du mußt nur deine Form ändern. "Ich kann es aber nicht!" Warte dann, bis du sie geändert hast. Das ist die ganze Philosophie. Auch die Zelle muß, um erkennen zu können, was der Mensch ist, durch Milliarden von Bedingungen gehen, durch das gesamte Gewebe, sich im Magen, im Herz, in den Lungen, im Gehirn usw. aufhalten; erst danach kann sie innehalten und sagen: "Ich habe meine Meinung über den Menschen gebildet, ich weiß schon, was der Mensch darstellt". Und jetzt, nachdem wir, die Philosophen dieser Welt, überall gewesen sind, bleiben wir stehen und sagen: "Komm, ich will dir sagen, wie Gott ist, Er ist allmächtig, hast du es jetzt begriffen?" – "Ich habe es begriffen". Nichts hast du begriffen. Nur, wenn du aus diesem Umfeld heraus bist, nur wenn du durch die Tür gehst, die man "Tod" nennt, nachdem du "stirbst", erst dann wirst du erkennen, was Gott ist. Deswegen "sterben" auch die Menschen. Und wenn in einer Seele der Wunsch entsteht, Gott zu erkennen, muß sie "sterben", indem sie sich sagt: "Ich muß sterben, um Gott zu erkennen" – das ist die treffendste Definition der Gotteserkenntnis. Diejenigen, die das Evangelium geschrieben haben, sind sehr weise Menschen gewesen. Manche denken, die Evangelisten seien wie die Fischer gewesen, einfach, ungebildet, und daß Jesus Christus einfach und ungebildet gewesen sei. Es ist aber überhaupt nicht so gewesen. Christus war auf der himmlischen Schule, Er hatte es nicht nötig, auf der Erde zu lernen. Ich muß gerade über diese oberflächliche Schlußfolgerung staunen, daß einer, der nie eine Ausbildung genossen hat, die Welt wenden und die Menschen zu Gott führen konnte. Die Materialisten, die Pantheisten sagen: "Ihr Christen seid sehr große Dummköpfe, ihr habt keine Logik – ihr vertraut einem Menschen, der einfach, ungebildet gewesen ist, ihr hofft, daß er euch zu Gott führt. Wir – wenn wir unsere Überlegungen anstellen – ziehen alle Dinge in Erwägung". Bei einer Predigt in der Kirche darüber, daß Christus mit fünf Broten und zwei Fischen fünftausend Menschen satt gemacht hat, um seinem Publikum das Begreifen dieses Wunders leichter zu machen, sagte einer: "Ihr denkt nicht etwa, diese Brote seien ganz normal gewesen, nein, sie waren groß wie Hügel". Ein Schäfer, nachdem er das gehört hatte, pfiff auf seine Art vor sich hin und sagte zu ihm: "Warum erzählst du so was? Ich staune nicht darüber, daß die Brote so groß waren, sondern darüber, wie groß der Rachen dieses Ofens gewesen sein muß, in dem diese Brote gebacken worden waren". Das ist unsere Unlogik, unser oberflächliches Urteilen. Das erste, das ein Christ tun muß, ist, sich von allen falschen Schlußfolgerungen, falschen Gedanken, falschen Wünschen zu befreien. Und er kann es tun. Ein Logiker kann sich sofort davon befreien. Und ein Schüler kann zum Beispiel überprüfen, inwieweit dieser Vorschlag richtig ist: "Ein Mensch ist ein Wesen, das zwei Beine hat; jedes zweibeinige Wesen ist ein Mensch; deshalb ist auch das Huhn, das zweibeinig ist, ein Mensch". Die Schlußfolgerung ist zwar sehr richtig, aber die zwei Beine sind nicht gerade dasjenige, das den Menschen kennzeichnet – er kann auch auf vier Beinen gehen; und dasjenige, das den Menschen kennzeichnen kann, ist sein Verstand, sein Herz, seine Seele. Das sind drei Elemente. Die Beine oder die Hände sind nichts anderes als ein Ausgang, ein äußerliches physisches Produkt für die menschliche Tätigkeit. Wenn der Mensch tätig sein muß, braucht er Hände und Beine. Die Bedingungen werden sie schaffen. Ihr werdet bestimmt fragen, was für welche sie sein sollten. Sie werden der Umgebung entsprechen müssen. Wir sagen, daß sich bestimmte Organe nicht verändern lassen, solange das Wesen in einer und derselben Umgebung lebt. Wenn wir den Fisch als Beispiel nehmen, werden wir sagen, daß die Flossen, mit denen er schwimmt, für ihn im Wasser notwendig sind, und daß sie nicht verändert zu werden brauchen; wenn aber der Fisch aus dem Wasser herauskommt, falls er es tun könnte, und will ein Mensch werden, so müssen sich seine Flossen in Hände und Füsse verwandeln. Wir, die in die geistige Welt wollen, wir sind wie die Fische, die in dieselbe Umgebung getaucht sind. Wenn wir die Bedingungen kennenlernen wollen, unter denen die Engel leben, so werden die letzteren zu uns das sagen, was wir dem Fische sagen würden, wenn er das Wasser verlassen und in unsere Umgebung will, wenn er denken und handeln will: "Du mußt zuerst deine Kiemen verändern, eine Lunge bilden und atmen lernen". Der Fisch, der anderen Fischen beibringt, Lungen zu bilden, wird der gebildeteste Fisch sein. Auch ich empfehle euch diesen Weg – bildet Lungen für das Jenseits, weil, besitzt ihr sie nicht, könnt ihr auch nicht hineintreten. Ihr müßt vorbereitet sein, weil sich euer Leben kontinuierlich nach oben erhebt, nachdem ihr die Erde verlassen habt.

Nun wollen wir uns mit dem Wort "Erkenntnis" befassen. In unserer schriftlichen Sprache bestehen die Wörter aus bestimmten Zeichen – den Buchstaben, mit deren Hilfe sie geschrieben werden. Als Beispiel nehmen wir das bulgarische Wort 'Erkenntnis'– 'ïîçíàâàíå'. Zunächst haben wir es mit zwei Strichen zu tun, die von oben nach unten gezogen werden, bekommen diese noch einen Strich oben, entsteht der Buchstabe Ï. Wollen wir den Buchstaben O schreiben, so machen wir einen Kreis und stellen diesen neben das Ï – so entsteht ÏÎ. Für den Buchstaben Ç brauchen wir die beiden Hälften des Buchstaben O, die eine stellen wir oben, die andere unten. Um den Buchstaben Í zustandezubringen, brauchen wir die senkrechten Striche des Ï-s und deswegen setzen wir seinen oberen Strich in ihre Mitte. Als nächstes haben wir das A zu schreiben: dazu brauchen wir zwei sich oben berührende Striche und durch deren Mitte ziehen wir wieder einen Strich. Für den Buchstaben B brauchen wir eine gerade Linie, an die wir das Zeichen des Ç-s ankleben usw. Aber jener, der diese Zeichen geschaffen hat, hat eine bestimmte Idee gehabt. Ich stelle meine Überlegungen in Analogie zu den Pflanzen, den Blumen, an: Die Blume, wenn sie wächst, steht wie ein nach oben geöffneter Becher, bis sie ihren Keim empfängt; wenn sie in sich die Frucht schon trägt, beginnt sie sich nach unten zu biegen und bleibt schließlich hängen – sie bildet den Buchstaben Ï. Und ich meine, in der Erkenntnis ist der Becher Gott zugewandt, damit Er ihm etwas hineingießt; nachdem der Becher es empfangen hat, will er es in seinem Inneren ausprobieren – er macht seine Erfahrung, das heißt, im organischen Sinne ist es so zu verstehen, daß diese Blüte schon befruchtet wurde, und daß die Frucht reifen muß. Folglich könnt ihr keine Erkenntnis erwerben, bevor ihr nicht etwas empfangen habt. Sonst seid ihr nur eine nach oben gewandte leere Seele. Wenn sich die Seele nach unten wendet, sagen wir, daß Gott etwas in uns hineingelegt hat. Möglicherweise fällt diese Frucht vorzeitig, aber dann kann sie den Prozeß der Entwicklung und des Reifens wiederholen, weil es ohne Mühe keinen Erfolg gibt. Das O, die Null, sagt man, sei nichts, in der Mathematik aber hat sie die Macht, zehnmal zu vergrößern und zu vermindern, wenn man sie vor oder hinter eine Ziffer setzt. Wenn wir zum Beispiel nach der 1 eine Null setzen, ergibt sich eine 10 Mal größere Zahl, und wenn wir sie vor die 1 setzen – eine 10 Mal kleinere Zahl. Also ist auch das Nichts ein Etwas. Wie kommt es denn, daß das, was nichts enthält, die Dinge vergrößern und vermindern kann? Nach meinem Begriff existieren im Nichts die Zeit und der Raum als zwei Elemente unserer organischen Entwicklung, im Raum wirken das Licht und die Wärme. Also wenn wir hinter dem Ï eine Null setzen, zeigt das, daß es Bedingungen für die Entwicklung der Blüte gibt. Wir haben aber mit dem Baum zu tun, der ein Doppelleben führt – oben im Stamm und in den Ästen und unten in den Wurzeln. Wir sagen, daß der Fisch in das Wasser, und der Mensch – in die Luft eingetaucht ist. Das stimmt nur zur Hälfte. Es gibt andere Elemente, mit deren Beseitigung auch das Leben aufhört. Die Obstbäume haben zwei Umgebungen – den Boden für die Wurzeln und die Atmosphäre für die Äste und die Blüten. Dann meint 'die Erkenntnis' das Erkennen des Bodens als eine Umgebung für die Äste, und für die Wurzeln – als Bedingung für Nahrungsanschaffung der Äste, der Blätter und der Blüten. Angenommen ihr seid unten in den Wurzeln bei eurer Reise diesen Baum entlang – der Baum des Lebens – da gibt es ein doppeltes Leben, ein materielles in den Baumwurzeln und ein geistiges in den Ästen. Sie sind dem Subjekt und dem Prädikat ähnlich. Die Welt der Geister, der Engel, die manche Astralwelt nennen, stellt die Verbindung zwischen der menschlichen (physischen, materiellen) Welt und der rein geistigen oder Göttlichen Welt dar. Derjenige, Der spricht, ist Gott – Er stellt das Prädikat dar und ist eine Quelle von Wissen, Kraft und Leben; der Mensch ist das Subjekt, der Boden, der die Lebenssäfte zubereitet, und das Hilfsverb 'ist' – das sind die Geister, die Engel, die die physische Welt mit der geistigen verbinden und die die Gesetze der harmonischen Wirkung dieser zwei Welten anwenden. Ihr könnt ein Subjekt, ein Prädikat haben, habt ihr aber diese Verbindung nicht, so habt ihr auch keinen Satz. Die Engel gerade bringen in uns die Erkenntnis von Gott, ohne die wir kein Leben in uns haben können. Ich möchte einen Vergleich machen. Angenommen ihr geht im Winter nachts nach draußen, ihr zittert und laßt euch vom Mond bescheinen. Man fragt euch: "Warum sitzt ihr hier?" – "Wir sonnen uns." – "Aber es gibt keine Sonne." – "Du bist ein blinder Mensch, du irrst dich, diese Sonne wird mich nach und nach erwärmen." Wenn ihr keine Vorstellung von Gott habt, so bedeutet das, daß zwischen Gott und euch eine gewisse Leere vorhanden ist, eine Schranke, die die Verbindung zwischen eurem und dem Göttlichen Leben verhindert. Nun, ich merke, daß es in meinen Ausführungen manches gibt, das eurem Verstand vielleicht nicht ganz zugänglich ist. Wißt ihr warum? Wenn ich von dieser Welt aus euch Sachen jener Welt zu erklären versuche, stoße ich auf einen leeren Zwischenraum. Wenn ich euch etwas über die Musik erzählen würde, würde ich sagen, daß ein Mensch mit seinem Ohr höchstens zwischen 32 bis 46 Tausend Schwingungen der Schallwellen empfangen kann. Handelt es sich um das Licht, so ist es als ein roter Strahl aufzufassen, der in unserem Auge von 428 Billionen Schwingungen in einer Sekunde erzeugt wird. Wenn wir weiter hinaufsteigen, so erreichen wir zwischen den roten und den violettfarbenen Strahlen 739 Billionen Schwingungen in der Sekunde. Wir können nur dann logisch denken, wenn wir im engen Kreis der Dinge bleiben, die wir auch begreifen können, das heißt, die wir prüfen können und zu verstehen versuchen. Wenn wir abrupt vom Schall zum Licht übergehen, können wir nicht immer logisch bleiben, weil es zwischen dem Schall und dem Licht gewisse Schwingungen gibt, die wir nicht berücksichtigt haben. Wir gehen vom Schall zum Licht über, dabei haben wir aber gewisse Bereiche nicht in Betracht gezogen, von denen wir keine Ahnung haben. Wir machen uns auf den Weg zu jener Welt mit 32 Tausend Schwingungen und erreichen 46 Tausend Schwingungen pro Sekunde – die unserem Hörorgan zugängliche Welt und sagen: "Wir kennen uns bis hierher aus", aber, wollen wir weiter gehen, tappen wir im Dunklen und sagen: "Das kennen wir nicht". Kommen wir zu den roten Strahlen, sagen wir: "Gott sei Dank, wir haben diese Wüste hinter uns." Diese Wüste erfaßt aber einen unvorstellbar großen Raum zwischen zwei Grenzen von 46 Tausend und 428 Billionen Schwingungen pro Sekunde. All diejenigen Dinge, die die Menschen nicht begreifen, stellen für sie eine Wüste dar, in der nichts wächst, in der nichts ist. Als Christus von "dem ewigen Leben" gesprochen hat, war Er sehr behutsam. Er hat alle Lücken geschlossen, Er hat die Welten in eine Einheit vereinigt: die "geistige" – mit der Welt der Engel, die "Göttliche" – mit der Welt der Trinität, die "physische" – mit der Welt der Menschen – der Seelen. Deshalb sagt Er: "Ich bin der Weg von der Wahrheit zum Leben; Ich verbinde diese zwei Welten und ich führe sowohl zu der Welt der Engel als auch zu der Welt Gottes und der Wahrheit. So daß derjenige, der Mir folgt und diesen Weg geht, den Ich ihm zeige, das für seine Seele nötige Wohl – den Göttlichen Frieden – finden wird." Deshalb sagt Er noch folgendes: "Ich gebe euch Frieden, Meinen Frieden hinterlasse Ich euch". Und der Frieden ist ein Kind des Himmels. Er ist im Haus Gottes großgezogen worden. Aus dem Gesagten ziehen wir den folgenen Schluß: Der Weg – das ist die Bewegung des Geistes in der vernünftigen Anwendung der Gesetze in der Natur; das Leben – das ist die harmonische Organisation der Elemente und die Entfaltung der Kräfte in der Göttlichen Seele; die Wahrheit – das ist die Äußerung des Alleinigen Gottes, Der die Bedingungen schafft, unter denen der menschliche Geist und die menschliche Seele nach etwas Besserem und etwas Hellerem in dieser weiten Welt streben können.

Wollen wir uns das "ewige Leben" als eine Quelle vorstellen, die einer Bergspitze des Göttlichen entspringt, das Wasser unter einem Felsen ist das Element, das das Leben trägt, der Fluß ist der Weg dieses Abstiegs nach unten zu einer niedrigeren Welt. Deshalb sagt Christus: "Ich bin aus der Wahrheit hergekommen – aus Gott, und ich bin in die materielle Welt hinabgestiegen, um den Menschen zu helfen, ihren Durst mit diesem lebendigen Wasser zu stillen". Deshalb sagt Er wieder an einer anderen Stelle: "Ich bin das Wasser des Lebens". Diese drei Dinge, von denen hier die Rede ist: ewiges Leben, Gott, Jesus Christus; Weg, Wahrheit und Leben sind untereinander verbunden. Wenn das Wasser nicht der Bergspitze entspringt und wenn es nicht auf diesem Weg fließt, im Flußbett, worüber Christus spricht, kann es auch nicht die zu erwartenden Wohltaten mitbringen. Aus rein christlicher Sicht müssen wir auch dieser Quelle ganz nahe sein. Der lebendige Christus ist Die Quelle. Man muß nur wissen, wie man das Wasser Dieser Quelle trinken soll. Ich will nicht sagen, daß ihr nicht wißt, wie man trinken soll, ihr trinkt aber 500 oder 1000 km weit von Der Quelle entfernt und sagt dabei, es sei euch bekannt, was für einer Christus sei. Ihr wißt aber nicht, welche anderen Elemente in dieses Wasser noch hineingekommen sind und es getrübt haben, so daß sie euren Geschmack verwirrt haben. Ihr müßt der Flußströmung entgegen gehen, der Weg ist ein bißchen lang, eure Füße werden voll Blasen sein, aber wenn ihr die Quelle erreicht haben, werdet ihr sagen: "Das nenne ich Wasser". Und diejenigen, die zur Quelle nicht gehen können, sie werden trübes Wasser trinken müssen; nun ja, trüb, aber ohne Wasser ist es noch schlimmer. Ich sage euch, obwohl ihr euch Blasen an den Füßen laufen werdet, geht zur Quelle und trinkt von Seinem reinen Wasser. Wenn ihr zurückkehrt, habt ihr einen klaren und frischen Verstand, ein gutes Herz und einen weiten Horizont. Es kostet viel Mühe, und man muß viel an sich selbst arbeiten, damit man die Lehre Christi anwenden kann, damit man jene günstigen Ergebnisse erlangt, die eines Tages den Menschen zum Mitbürger der Heiligen und der Engel im Himmelreich erheben werden.

Ich kehre nun zu unserem Thema zurück. Wenn wir von ewigem Leben im Sinne von Unsterblichkeit sprechen, wird ein jeder sagen, daß ein solches Leben hier auf der Erde nicht möglich ist. Und tatsächlich – kann ein Mensch, wenn er stirbt, ein Leben erlangen? Die Schlußfolgerung ist richtig, aber nicht alle richtigen Schlußfolgerungen sind auch wahr, weil, woher sollten wir wissen, daß der Mensch tatsächlich verstorben ist? Wenn ein Mensch im Frühling, im Sommer und im Herbst nicht gearbeitet hat und sagt: "Ich werde im Winter arbeiten"; werde ich ihm sagen: Du hast keine Bedingungen zur Arbeit; wenn du im Frühling, im Sommer, im Herbst nicht reich geworden bist, wie willst du im Winter reich werden? Wenn du nicht da gearbeitet hast, wo es an der Zeit gewesen ist, wie wirst du ein ewiges Leben erreichen? Das ewige Leben kannst du jetzt, heute erreichen. Unter der Voraussetzung, daß du den Mut jenes bulgarischen Schäfers hast, daß du deinen Stock richtig zu tragen und damit umzugehen verstehst, damit gut schlagen kannst. Das Schlagen ist wissenschaftlich als die Bedingungen auszulegen, unter denen ihr reagieren könnt, wenn vor euch eine Schwierigkeit im Leben auftaucht. Ihr sagt oft: "Wie es Gott will". Gott sagt aber, daß man einem solchen Feigling die Schafe wegnehmen wird, daß er zum Sklaven wird und wie die Juden in Ägypten Ziegel machen soll. Und es stimmt auch, wir machen nur Ziegel und Häuser. Wir bauen, und bauen, wir bauen ein Haus, dann kommt Gott und jagt uns fort. Wir fangen wieder an: fünf, zehn, fünfzehn, zwanzig Jahre sparen wir, ein paar Jahre später nimmt Er es uns wieder weg. Warum diese nutzlose Arbeit? Ich will nicht sagen, daß wir aufhören sollen, zu arbeiten, aber wir sollen mit Verstand arbeiten, damit wir etwas verdienen, was uns gehören wird. Wenn ich auf diese Art und Weise predige, wird jemand sagen: "Du predigst aber gegen die Arbeit". Ich lehre, daß ihr arbeiten sollt. Jener, der gekommen ist, der Zöllner, nimmt euch den Besitz und das Herz weg und verkauft sie, er hat jedoch nie den Verstand des Menschen verkaufen können. Wieviele Herzen, wieviele Seelen sind verpfändet und verkauft worden! Und die Menschen sagen, sie seien Besitzer. Wir erleben viele, die nicht denken, nicht handeln können. Hassen können sie, aber lieben nicht. All diese Leute bilden mit ihrem verdorbenen Verstand und Herz ein Karma und man kann in die Zukunft hineinschauen, wie die gesamte Bevölkerung leidet und stöhnt unter der Last der Gesetze, die ihre Abgeordneten gemacht haben. Fragt doch eure Abgeordneten, fragt doch eure Gesetzgeber, was für Gesetze sie verabschiedet haben? Irgendeine Kammer kündigt an: "Ich mache solche Gesetze, daß es in Zukunft keinen Religionunterricht in den Schulen gibt"; eine andere meint: "Gott muß weg, das ist etwas Veraltetes, man braucht nicht in die Kirche zu gehen, es werden nur noch die neuen Ideen respektiert und wer dieses Gesetz nicht erfüllt, muß so und soviel Lewa Geldstrafe bezahlen". Ihr sagt: "Wir können nichts dagegen tun, wir haben solche Abgeordneten gewählt, damit sie Gesetze machen – wir müssen uns fügen". Ihr werdet aber noch sagen: "Dieses Gesetz, das verabschiedet wurde, ist ungerecht". Ihr müßt andere Abgeordnete finden, die, nachdem sie euer Recht nachgewiesen haben, ein neues Gesetz machen werden. Das, was in der Welt geschieht, geschieht auch in uns selbst.

Christus sagt, daß ein Mensch, um ein ewiges Leben zu erreichen, zuerst richtig denken und handeln lernen muß. Ihr sagt euch jetzt: "Wir wissen es jetzt, wenn wir nach Hause zurückkommen, beginnen wir, das Gesetz richtig anzuwenden". Was werdet ihr anwenden? Wieder das alte Gesetz. Eine kleine Unannehmlichkeit bringt euch aus dem Gleichgewicht und ihr vergeßt sofort das ewige Leben. Das Dienstmädchen hat das Essen anbrennen lassen, ihr fangt an, zu schreien und zu streiten, verliert bei dieser Essenzubereitung eueren ganzen Verstand und euer ganzes Herz. Wißt ihr, woran ihr mich erinnert? Oft haben kluge Leute über gewisse Dinge, die passiert sind, Geschichten geschrieben. So lief einmal ein Hund über eine Brücke und nachdem er sah, daß im Wasser ein anderer Hund einen Kochen trug, ließ er seinen eigenen los und stürzte sich in den Fluß, um dem anderen den Knochen wegzunehmen, wobei er seinen eigenen verlor. So lassen auch wir, denkt nur an das Sprichwort, den Spatzen aus der Hand losfliegen, um der Taube auf dem Dach nachzujagen. Laßt doch das Dienstmädchen euer Essen anbrennen – das soll euch nicht stören; wenn ihr ein ewiges Leben für euch vorbereitet, so habt die Geduld und die Selbstbeherrschung jenes Philosophen, der, nachdem er zwanzig Jahre lang an gewissen Mathematikproblemen gearbeitet und sich Notizen auf kleinen Zettelchen gemacht hatte, auf das Dienstmädchen nicht wütend wurde, als er, nach Hause zurückkehrend, sah, daß sie beim Aufräumen seines Zimmers alle Zettelchen ins Feuer geschmissen hatte. Ihr sollt einfach auf eure Zettelchen aufpassen. Jetzt nehmt ihr in die Hand all diese Zettelchen, die Gott vollgeschrieben hat und sagt: "Was sind das für Lumpen", und ihr schmeißt sie danach ins Feuer. Wenn Gott kommt und fragt: "Wo sind eure Zettelchen?", was werdet ihr dann antworten? – "Wir haben das Zimmer aufgeräumt". – "Ein anderes Mal darf das nicht passieren". Ihr dürft nicht auf diese Art und Weise euer Göttliches Zimmer sauber machen. Diese kleinen Zettel stellen die verschiedenen Zentren im Menschen dar, wo Gott viele und für euch sehr interessante Dinge aufgeschrieben hat. Alles muß in Ordnung gebracht werden. Es gibt viele Dinge, die um das Wissen, das Gott baut, herum verstreut sind: es liegen Ziegel, Sand, Steine herum; all diese Baustoffe werden beim Errichten eurer neuen Wohnung gebraucht. Ihr selbst habt dieses Baumaterial vorzubereiten. Deswegen sagt auch Christus: "Wenn ihr in euch den allein wahren Gott, Der baut, Der eine Umgebung, eine Bedingung, ein Element für euch ist, erkennt, werdet ihr das ewige Leben erlangen". Und nun gebe ich euch drei Dinge zum Überlegen auf – Umgebung, Bedingungen und Elemente. Diejenigen, die nicht darüber nachzudenken vermögen, sollen darüber nachdenken, worüber sie nachzudenken vermögen. Jene aber, die denken können, sollen überprüfen, ob sie in die Umgebung eingetaucht sind, die 'Gott' heißt, ob sie über die entsprechenden Bedingungen und Elemente verfügen, ob ihre Luft sauber, ihre Fenster geöffnet, ihre Augen, ihre Zunge auf ihrem Platz sind. Die Zunge ist nicht so klein, wie sie scheint – die kleine Zunge, diese Zunge, die erschafft und die in der Welt zerstören kann, wovon ein bißchen zu sehen ist, sie ist unsichtbar, aber was für ein Recke sie ist! Sie bricht Knochen; die Menschen treibt sie, aufeinander loszugehen und zu kämpfen. Wenn eure Zunge nicht auf ihrem Platz ist, so habt ihr ihre Schrauben ein bißchen fest zu machen, nachzuschauen, ob sie nicht verstimmt ist, weil, wenn Gott kommt, wird er überprüfen, ob alle Schrauben eurer Zunge auf ihrem Platz sind und ob eure Zunge so funktioniert, wie Er sie damals geschaffen hat. Irgendwo sind die Schrauben nicht in Ordnung – sie plaudert; her mit den Schrauben! Wieviele verlorene Schrauben ich nur kenne! Die verlorengegangenen Schrauben, die Ringe, alle Teile eurer Zunge, eures Verstandes, eures Herzens müßt ihr mitbringen, all dies muß auf seinen Platz kommen.

Deswegen kommt auch Christus jetzt. Ihr habt das kleine Rad weggeworfen – das ist nicht richtig gewesen. Wieso? Die Wissenschaftler meinen, daß der Blinddarm nicht notwendig ist und daß er herausoperiert werden muß, damit der Mensch ihn los wird und darunter nicht zu leiden hat, falls er ihm weh tun sollte. Wie könnt ihr behaupten, daß er fehl am Platze ist? Es wird die Zeit kommen, wenn er zu funktionieren anfangen wird. Die Ärzte sagen: Es liegt eine Blinddarmentzündung vor, wir operieren ihn heraus". Lieber sterbe ich, als daß ich ihn verlieren muß, weil die Krankheit woanders auftauchen wird. Es dürfen keine Glieder wegoperiert werden, weil es Gott so viele Millionen Jahre Zeit gekostet hat, diesen Blinddarm zu machen, und jetzt kommt ein dummer Arzt und befindet, daß dieser nicht nötig sei – Schnipp, raus, weg ist er! Der Mensch sei davon befreit! Mehrmahls rebelliert der Blinddarm und sagt: "Fleisch dürft ihr nicht essen, die Tiere dürfen nicht geschlachtet werden". Bohnen, Linsen, Hülsenfrüchte und dergleichen werden solche Schmerzen nicht verursachen. Wir aber sind der Meinung – "Raus mit dem Blinddarm, wir essen wieder Fleisch". Der Blinddarm aber hat Freunde im Herzen und im Verstand, wenn wir ihn unten wegoperieren, sterben gleichzeitig sein Freund im Herzen und sein Freund oben im Verstand mit. Deswegen sagt Christus: "Diese drei Elemente des Lebens: die Bedingungen, die Kräfte und die Gesetze, müßt ihr auf ihren Platz bringen. Das meint auch das Christentum und hier liegt der tiefe Sinn der Wissenschaft vom Leben. Ich will euch keine leere Philosophie geben, sondern ich will euch im Leben das überprüfen und probieren lassen, was ich euch sage. Wie wird sich die Welt bessern? Sie wird sich bessern, indem alle Schraubenmütter auf ihren Platz kommen und das Leben wie ein Uhrwerk zu funktionieren beginnt. Ich gebe euch ein Beispiel. Ein Mann kaufte sich eine Uhr, die sehr bald darauf stehenblieb: "Ich habe so viel Geld ausgegeben, ich habe sie kaum eine Woche getragen und sie ist stehengeblieben", so sagte sich der Mann; er ging zum Uhrmacher und ließ ihn seine Uhr reparieren, so daß sie wieder funktionieren sollte. "Wieviel Geld wirst du dafür verlangen?" Der Uhrmacher schaute auf die Uhr und sagt: "Zehn Groschen". – "Einverstanden". Der Uhrmacher blies auf das Uhrwerk, da kam eine Laus raus, die drin verklemmt war und die Uhr fing an, wieder normal zu laufen. "Wirst du wirklich von mir zehn Groschen für ein Pusten haben?" – "Ja". So wird auch Gott kommen – Er wird pusten und alles wird wieder funktionieren. Wie einfach ist das! Diese Tierchen sind schließlich für woanders bestimmt, sie gehören gar nicht in die Uhr.

Die christliche Lehre ist diejenige Philosophie, die den menschlichen Geist von allen möglichen Parasiten befreien will, damit die Schraubenmütter der Zunge, des Verstandes und des Herzens zurechtgerückt werden – das ist die Erlösung. Und wenn alle Schraubenmütter und Schrauben auf ihrem Platz sind, wenn der Verstand und das Herz in Ordnung und auch auf ihren Plätzen sind, dann werden auch die Bedingungen geschaffen für das ewige Leben. Da wird die Auferstehung eine Sache sein, die realisierbar und möglich ist. Ich weiß, daß dieses Zurechtrücken der Schrauben eine schwierige und mühsame Arbeit ist, aber wenn sie erfolgreich beendet wird, wird auch die Menschheit ihr Jubiläum auf der Erde feiern. Kinder – Söhne und Töchter – werden das neue Lied des Lebens singen, ein Lied darüber, daß ihre Eltern die Schraubenmütter gefunden und zurechtgerückt haben, daß auch für sie selbst eine helle Zukunft näher kommt; die Völker werden jubeln, lobpreisen und den Guten Gott rühmen, daß ihre geistigen Häupte, ihre Geistlichen, Prediger, Lehrer, Zaren und Minister ihre eigenen Schraubenmütter gefunden und zurechtgerückt haben und daß auch für ihr Leben auf der Erde eine helle Zukunft gekommen ist. Sie alle werden ein Lied, und zwar ein großes Lied des Lebens singen, das ihre Herzen und Seelen zutiefst rühren wird. In diesem Lied wird die ganze Vergangenheit verkündet, die gesamte Zukunft wird darin münden und der Geist des neuen Lebens seinen Ausdruck finden. Aber, wird jemand fragen, was sind das für Schrauben? Was können sie verursachen? In diesen Schrauben ist der Weg abgesteckt, den man gehen muß. Sie vereinigen, sie lassen die losen Lebensteile wieder eins werden. Und wer sich ihre spiralförmigen Gewinde und die Hand, die sie zurechtrückt, genau anschaut, der wird den tiefen Sinn der großen Gesetze begreifen, die alles auf ein bestimmtes Ziel hin bewegen. Das sind Göttliche Kräfte, die dem Göttlichen Willen folgend, bald im Leben erscheinen und die verstreuten Elemente wieder auf ihren Platz bringen, die Göttlichen Säfte der menschlichen Seele zuführen und die Seele in ihre wahre Umgebung stellen werden – die besten Bedingungen für ihre Entfaltung werden sie schaffen und die wahren Elemente des Lebens hineinführen. Dann wird unsere Seele saugen, so wie das Kind von der Brust seiner Mutter Milch saugt, eine gesunde, reine und saubere Milch. Dann werden in unserem Unterbewußtsein die Wurzeln des Göttlichen Bewußtseins erscheinen und daraus werden der Stamm, die Äste aufwachsen, sich die Blätter unseres Selbstbewußtseins entfalten, und aus den Zweigen des letzteren – die Knospen und die Blüten des Überbewußtseins, des Engelsbewußtseins, hervorsprießen.

Wenn dieses geschieht, wird es ein Zeichen des geistigen Frühlings sein, die menschliche Seele wird sich im Bereich des Unsterblichen befinden, weit weg von den Todeskrallen, von der Sünde und der Kriminalität. Und wir können guten Glaubens und mit positivem Wissen den unschätzbaren Reichtum erwarten – die Frucht von dem Baum des ewigen Lebens, dessen Blätter im Dienste der Heilung menschlicher Fehler, und dessen Frucht – im Dienste der Aufrechterhaltung und der Unsterblichkeit der menschlichen Seele und ihrer Vereinigung mit Gott stehen. Und dieses große Ereignis steht an der Schwelle des heutigen Lebens.

(Gehalten am 12. Oktober 1914 in Sofia)

 

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