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 Die Notwendigkeit, Gott Zu Erkennen

"Das ist aber das ewige Leben, daß sie Dich, der Du allein wahrer Gott bist, und den Du gesandt hast, Jesus Christus, erkennen". (Joh. 17:3)

Das Leben ist das Natürlichste und das Stärkste, wonach die menschliche Seele strebt; es ist der Reichtum, den sie zu verdienen wünscht. Dieses Streben besteht nicht seit jetzt, sondern seit Tausenden und Millionen von Jahren, und es ist nicht nur dem Menschen eigen, sondern auch den anderen Säugetieren, den Vögeln, den Fischen und sogar den Pflanzen. Nur in den Methoden, das Leben zu erlangen, gibt es einen Unterschied bei diesen verschiedenartigen Geschöpfen.

Wollen wir uns auf das menschliche Streben nach Leben konzentrieren – es betrifft uns, es ist wichtig für unsere Entwicklung. Ihr geht zum Beispiel auf eine Musikschule nicht nur, um zuzuhören, sondern auch um zu lernen. Man gibt euch eine Geige, man gibt euch einen Bogen, man zieht eurerer Geige Saiten auf und man bringt euch bei, wie ihr sie stimmen sollt; man teilt euch einen Lehrer zu, damit er euch die Grundregeln der Musik beibringt und ihr fangt an, euren Verstand zu trainieren, eure Hände, eure Finger. Und auf diese Art und Weise, im Laufe der Zeit, eignet ihr euch die Kunst des ausgezeichneten Violinspielers an. Demselben Gesetz nach will Gott uns die Methode, die Art und Weise, das Leben zu erlangen, beibringen. Der Mensch besaß einst ein ewiges Leben, aber er hat es verloren. Er hat es aus einem einfachen Grunde verloren und jetzt bemüht er sich, seinen Fehler zu korrigieren. Dieser Fehler von ihm hat den Tod verursacht. Erst nachdem der Mensch nach und nach die ständige Zerstörung seiner Seele, seines Verstandes, seines Herzens, seines Organismus, all dessen, das er baut, zu spüren begonnen hat, erst dann hat er begriffen, was er verloren hat.

Im ersten Kapitel der Genesis heißt es, daß Gott den Menschen in das Paradies hineinversetzte und ihm sagte, alles dort zu bebauen und zu nutzen, allerdings verbot Er dem Menschen eins – einen bestimmten Baum zu berühren, den Baum der Erkenntnis des Guten und des Bösen. Der Mensch aber wollte einen kleinen Versuch des Ungehorsams machen und als erste machte diesen Versuch die Frau. Es heißt in diesem Kapitel, daß sich die Schlange um den Baum der Erkenntnis wand und ins Gespräch mit Eva kam, indem sie ihr die Frage stellte: "Wieso dürft ihr, die als Herren des Paradieses alle Paradiesbäume nutzt, diesen Baum nicht nutzen, der in sich ein großes Geheimnis verbirgt?" Die Frau fragte ihrerseits: "Welches Geheimnis?" – "Wenn ihr Früchte von diesem Baum eßt, werdet ihr die Erkenntnis Gottes haben, ihr werdet wissen, warum ihr lebt, ihr werdet zwischen Gutem und Bösem unterscheiden, auf der Erde werdet ihr sehr stark sein, so wie Gott stark ist". Und in der Frau entsteht sodann Eitelkeit, und sie sagt zu sich: "Wie Gott werden – das ist mein sehnlichster Wunsch". Und sie pflückte von den verbotenen Früchten, schmeckte sie und ging zu ihrem Mann, den sie überredete und auch er aß davon. Und in Folge dessen, sagt die Schrift, wurden sie beide nackt – sie sahen sich nackt. Wann werden die Menschen nackt? Irgendein reicher Vater stirbt und hinterläßt seinem Sohn Geld, Güter und Wälder. Der Sohn lernt andere junge Leute kennen, befreundet sich mit ihnen und sie ziehen zusammen durch die Gegend; er vergnügt sich, gibt alles aus und verarmt, so daß er nichts anzuziehen hat. Er ist aber nicht von ungefähr nackt, sondern wegen zuviel Essen, Trinken und Faulenzen. Das bringt uns auf den Gedanken, daß Adam und Eva lange Zeit von diesem Baum gegessen haben. Danach begannen sie, das Paradies zu verpfänden und Gott sagte dann zu ihnen: "Was verpfändet ihr da, ist es etwa euer Besitztum? Macht, daß ihr schnell rauskommt! Von jetzt an werdet ihr mit Mühe und im Schweiße eures Angesichts euer Brot verdienen, damit ihr dieses große Gesetz erkennt – das Leben zu schätzen, das ich euch gebe". Man kann leicht verarmen. Ein amerikanischer Millionär, dessen Vater ihm etwa zwanzig Millionen Dollar Erbe hinerlassen hatte, zeigte eine Schwäche für Blumen und fing an, die verschiedensten Sorten aus allen Weltteilen zu sammeln; er entsandte sogar eine Sonderexpedition, um einige besonders selten vorkommende Blumen erhalten zu können. Ein paar Jahrzehnte später hatte er schon alles ausgegeben, was er besaß und als er starb, mußte man ihn auf Gemeindekosten bestatten.

Ihr werdet vielleicht die Frage stellen: "Wie kann man sein Leben verlieren?" Ich sage euch wie. Angenommen, ihr habt einen Sohn, der gesund und munter ist; der hat im Ausland seine Ausbildung bekommen. Plötzlich entsteht in ihm die Idee, groß, berühmt zu werden, das Sankt–Georgs–Kreuz zu erlangen, und er sagt: "Ich gehe des Ruhms wegen kämpfen" und geht. Eine Kugel trifft ihn, der Ruhm kommt ihm zu, er verliert aber dabei sein Leben. Adam und Eva haben sich ein solches Kreuz gewünscht und Gott hat sie auf das Schlachtfeld geschickt. Sie verlassen das Paradies, sie gehen die Welt erobern, verlieren aber dabei ihr ewiges Leben.

Und nun kommen wir auf den Gedanken Christi zurück. Geld auszugeben, unser Leben zu verlieren – das verstehen wir, aber das Leben zu verdienen – das verstehen wir nicht. Christus ist gerade deswegen gekommen, um uns zu erklären, wie wir das verlorene Leben zurückgewinnen können. Genau diesen Gedanken möchte ich jetzt für euch weiterführen. Christus sagt: "Ich bin das Leben". Worin unterscheidet sich das Leben von den anderen Kräften? Es ist eine Kraft, die baut, erhebt, verbindet, vereinigt und der menschlichen Seele Freude und Heiterkeit spendet. Im letzten Vers des Kapitels, das ich euch vorgelesen habe, sind drei Wörter wichtig: 'Leben', 'Erkenntnis' und 'Gott'. Das Leben ist das von uns angestrebte Ziel, die Erkenntnis ist die Methode zum Erreichen dieses Ziels und Gott stellt die Umgebung bzw. die Verhältnisse dar, von denen wir dieses Leben schöpfen können. Diese Frage enthält einen doppelten Sinn. Ich kann für euch seine rein philosophische Seite interpretieren, ich kann euch seine biologische Herkunft sowie seine physiologische oder psychische Äußerung usw. erklären. Das alles wird euch aber nichts nützen. Es wäre dasselbe wie wenn ich einem Hungrigen kein Brot, sondern eine Erklärung geben würde, nämlich, wie es zubereitet, aus was für einem Mehl es gemacht worden ist, welche Frau den Teig geknetet und nachher gebacken hat, aus welchen Elementen es besteht und wie die Chemiker diese Elemente im Labor entdeckt haben usw. Der Mann sagt: "Ich bin hungrig, gib mir zu essen. Daß es eine Frau geknetet hat, will ich gar nicht wissen. Daß es aus diesen oder aus anderen Elementen besteht, will ich ebenso nicht wissen. Das Einzige, das mich jetzt interessiert, ist, satt zu werden, erst danach kann ich dir zuhören und mir über diese Dinge erzählen lassen". Dasselbe würden wir auch jetzt dem Philosophen sagen: "Wir wollen nicht wissen, aus welchen Elementen das Leben besteht, wie und woraus es gemacht und wie es entstanden ist; wir wollen uns satt essen, von dem ewigen Leben essen. Erst danach können wir mit Ihnen Diskussionen darüber führen und zwar so lange, wie Sie wollen; jetzt wollen wir diesen Tod los werden". Und ich glaube, das wäre die richtige Lösung dieses Problems.

Wie könnt ihr das ewige Leben erlangen? Ihr habt ja noch gar nicht gelebt! Ihr meint zwar, daß ihr lebt, dieses Leben aber gehört euch nicht; es ist ein verpfändetes Leben; morgen wird derjenige erscheinen, dem ihr schuldet, er wird den Wechsel eurer Schuld zeigen, euch ins Gefängnis schicken und euch das Leben nehmen. Ihr werdet aufgebahrt und der Priester wird kommen, um euer Urteil zu bestätigen, indem er euch ein Totengebet vorliest, so daß Gott euer in Seinem Reich gedenkt, das heißt, mit euch gnädig ist. Danach werden die Sänger das für diese Fälle übliche Lied vorsingen und ihr werdet beerdigt. Was bedeutet es, einen Menschen zu beerdigen? Das heißt, ihn unten in dem finsteren Gefängnis einzuschließen, damit er seine Schuld zahlt. Jeder, der, anstatt daß er seine Schulden bezahlt, nach dem Sankt-Georgs-Kreuz trachtet, wird in die Erde gelegt, damit er zuerst seine Schuld zahlt, damit er lernt, sein Leben zu verdienen. Alle Menschen weinen, wenn ein Verwandter stirbt; das Weinen aber hilft nicht: derjenige, dem wir schulden, wird kein Erbarmen mit uns haben, soviel auch wir weinen, sondern er wird sagen: "Bezahle deine Schuld". Auch der Tod, wenn er kommt, wird sagen: "Ich will eure Tränen nicht haben, sondern ich will, daß ihr eure Schuld zahlt – ihr schuldet mir". So müssen wir das Grundgesetz des Lebens kennen, um uns von dem Tod zu befreien. Dieses möchte ich an einem Beispiel erläutern. Während die Bulgaren von den Türken unterjocht waren, zu der Zeit der Janitscharen, eroberte ein gewisser Türke, ein Räuber und Ringkämpfer, eine ganze Gegend und versetzte ihre gesamte Bevölkerung in Angst und Schrecken. Egal wen er auch erwischte, den schlug, prügelte, verletzte und tötete er. Er prahlte überall damit, daß er die ungläubigen Bulgaren immer wieder in Angst und Schrecken halte. Kein Einheimischer traute sich, die Stimme zu erheben, alle beteten zu Gott, er möge sie von diesem Übel erlösen. Alle Männer trugen die von dem türkischen Räuber hinterlassenen Narben. Jedoch wagte niemand, den Kopf zu erheben. Aus Angst trug ein jeder sein Joch. Eines Tages kam ein junger bulgarischer Schäfer an diesem Ort vorbei, adrett und beschuht, mit einem Hirtenstab in den Händen. Als er in einen Wald eintrat, erblickte ihn der türkische Räuber von weitem und rief ihm zu: "Hei, Ungläubiger, halt! Wer hat dir erlaubt, hier vorbeizukommen?" – "Ich bin Hirt, meine Herde führe ich hier über". – "Los, wirf diesen Stock weg". – "Aber ich bringe ihn dir als Geschenk – er ist voll Gold. Meine Großmutter hat mir erzählt, daß mein Großvater ihn aus dem Paradies mitgebracht hat. Dieser Stock hat mich nie enttäuscht, er hat mir den Weg immer geebnet". – "Schau mal diesen ungläubigen Dussel, was für ein dummes Zeug er da redet! Ich werde es dir schon zeigen, aus welchem Paradies der Stock gekommen ist – aus eurem oder aus unserem! Deinen Kopf werde ich darauf aufspießen". Der mutige Schäfer aber entzweit mit einem Hieb schon den Säbel des türkischen Ringkämpfers; beim zweiten Hieb hängt die rechte Hand des Räubers gebrochen herunter; der dritte Hieb bricht ihm das linke Bein in zwei Teile, und der Ringkämpfer stürzt auf die Erde hinab. "Habe ich dir nicht gesagt, daß mein Stock zu jeder Zeit recht spricht, und daß er aus dem Paradies kommt? Zunächst reichen dir diese drei Wörter, die du durch ihn gelernt hast. Gott vergilt immer gut. Wenn ich hier wieder vorbeikomme, so sagt mir mein Stock wieder Bescheid, dann werde ich dir wiederum drei Wörter sagen und dir den Kopf zerquetschen." – "Ich glaube an deinen Stock", antwortete der räuberische Ringkämpfer, "im Sinne seiner Wörter werde ich jetzt in meinem Leben handeln. Wie kann ich mich schon gegen einen solchen Stock wehren, wenn er aus dem Paradies kommt und immer recht spricht? Von nun an sei das ungläubige Volk frei – so will es Allah haben".

Ich erzähle diese Geschichte, um eine Wahrheit in volkstümlicher Form besser veranschaulichen zu können. Dieser Türke ist nämlich der Tod. Das ungläubige Volk – das sind wir Menschen. Gibt es einen Ort irgendwo auf der Welt, den dieser Ringkämpfer nie heimgesucht hat? Gibt es irgendwo ein Zuhause, das er nie besucht hat? Was zeigen die Kreuze auf den Gräbern? Alles auf dieser Welt spricht von dem räuberischen Ringkämpfer; über seine 'Heldentaten' erzählen Väter und Mütter. Es gibt eine Menge dicker Bücher über seine Geschichte und über seine Macht. Alle singen ein und dasselbe Lied – unbesiegbar ist auf dieser Welt unser räuberischer Ringkämpfer. Und wenn jemand versucht zu sagen, daß es möglich ist, uns von ihm zu befreien, dann hört man sofort die Worte: "Bist du verrückt, bist du bei Sinnen? Das ist unmöglich, wir glauben es nicht. Das sind nur leere Worte, dumme Phrasen, Illusionen eines Jugendlichen". Aber es genügt, wenn dieser junge bulgarische Hirt mit seinem aus dem Paradies stammenden, immer die Wahrheit sagenden Stock in der Hand auftaucht und mit drei Schlägen – gegen das Messer, die rechte Hand und das linke Bein des Räubers die falsche Theorie widerlegt, daß der räuberische Ringkämpfer unbesiegbar sei. Um einen solchen gigantischen Kampf zu führen, müßte man aber Mut, müßte man Willen haben. Nun könnte jemand einwenden: "Ich sehe aber keinen besonders tiefen Sinn in diesem gewöhnlichen Beispiel". Ja, von Ihrem Standpunkt aus haben Sie recht, weil Sie sich keine Mühe geben, die Sachen in eine Ordnung zu bringen. Aber wenn hinter dieser Formel die folgende Wahrheit steckt, was würden Sie dann dazu sagen? Denn wenn gerade dieser junge Schäfer den vernünftigen, unverdorbenen Menschen darstellt, wenn seine Großmutter die Göttliche Liebe darstellt, die in unserer Seele immer wieder sagt, daß die Freiheit ein Menschenrecht ist; und wenn der Großvater die Göttliche Weißheit darstellt, die den Stock, das heißt Die Gottesgesetze aus dem Paradies bringt und sie diesem vernünftigen Wesen überreicht, damit es seine Seele vor Unterwerfung schützt; und wenn das Messer das Symbol für die Naturkräfte ist, die im Widerspruch zum menschlichen Fortschritt stehen; und wenn die Hand den verdorbenen Menschenwillen, das linke Bein – das verdorbene Menschenherz, symbolisiert! Dann glauben wir also, daß, wenn man auf diese Kräfte auf eine bestimmte Art und Weise reagiert, die zerstörerischen Wirkungen beseitigen kann.

Gerade in diesem Sinne sind auch die Worte zu verstehen: "Wer zuletzt siegt, der wird gerettet sein". Der Sieg ist die Bedingung, unter der man das Leben erhält. Und die Worte Christi: "Erst nachdem der Stärkere in das Haus des Starken eindringt und ihn festgebunden hat, kann er sein Haus ausrauben" beinhaltet dieselbe Idee. Deswegen brauchen wir jenes Wissen, das uns mit den Gesetzen dieses Prozesses vertraut machen kann, durch den man das Leben erhält. Wenn eine Frau einen Stoff weben will, muß sie vor allem die Wolle zu waschen und zu spinnen verstehen; sie muß ihren Webstuhl, ihre Webstuhlgeräte, den Webkamm und die Steppwatten vorbereiten und danach die Kettfäden anzetteln und sie auf den runden Webstuhlteil aufwickeln, sie spannen und erst dann mit dem Weben selbst nach den festgelegten Regeln dieser Kunst anfangen. Das Schiffchen muß man ununterbrochen bald nach links, bald nach rechts werfen, es muß die Fäden des Schusses tragen, die, nachdem sie mit den Kettfäden verflechtet werden, den gewünschten Stoff entstehen lassen.

Der Maler, der ein wertvolles Gemälde schaffen möchte, muß mit den Gesetzen dieser Kunst vertraut sein; er muß die Farbenharmonie und seinen Pinsel beherrschen. Der Skulptor, der eine großartige Skulptur meißeln möchte, muß seinen Hammer beherrschen. Wer ein Haus baut, muß es zu konstruieren, aufzubauen und einzurichten wissen. Wenn ein Arzt angesehen und nützlich sein will, muß ganz genau die Heilmittel kennen, die die Kranken heilen. Ein Lehrer, der lehrt und erzieht, muß Grundkenntnisse über die menschliche Seele, über den menschlichen Verstand haben, und ihnen gemäß handeln.

Nun muß auch der christliche Mensch, der nach dem ewigen Leben strebt, die Grundlagen dieses Lebens kennen und die Gesetze anwenden, nach denen man das Leben erlangt. Das Leben kann man mit einem Stoff vergleichen, den wir zunächst weben müssen und erst danach anziehen können. Es ist das erste Kleidungsstück, mit dem der menschliche Geist umhüllt weren muß. Wenn wir diesen Stoff abgetragen haben, werden wir äußerlich nackt. Dieses Nacktwerden nennt man moralischen Verfall.

Christus sagt eindeutig: "Ein ewiges Leben bedeutet, Gott zu erkennen". "Ihn zu erkennen" – das ist das Geheimnnis des Erreichens des ewigen Lebens. Ihr werdet mir aber bestimmt die Frage stellen: "Kennen wir etwa Gott nicht?" Wenn ihr Ihn im Sinne Christi kennen würdet, würdet ihr nicht sterben. Aber, werdet ihr mir dann widersprechen, wer stirbt denn nicht? Nun ja, das ist es gerade, was die menschliche Behauptung widerlegt, daß man Gott kennt.

Aber, werdet ihr sagen, Christus ist ja auch gestorben. Er ist nicht gestorben, sondern Er ist auferstanden und hat sich Seinen Liebsten gezeigt. Wenn ihr sterbt, werdet ihr auferstehen, um vor euren Nächsten zu erscheinen? Das ist die Frage, die für euch von Bedeutung ist.

Mag sein, daß ihr eine Vorstellung habt, was für einen Gott der Philosoph, der Pantheist, der Materialist oder mancher Gottesdiener hat, sie wird aber in euch das ewige Leben nicht einführen – jenen ewigen Anfang, jenes ewige Wohl, nach dem wir alle streben und das unser Ziel darstellt. Ohne die richtige Vorstellung werdet ihr euch in der Lage eines Kranken befinden, der sich nachts in dem Mond sonnt und erwartet, daß es ihm wärmer wird; oder etwa in der Lage eines Hungrigen, der von weitem die schönen Brotlaibe beobachtet, oder des Durstigen, der sich von weitem einbildet, klares Wasser zu trinken und zu sich sagt: "Ich kenne es". Ich sage euch: das ist keine Erkenntnis, das ist eine Vorstellung von dem Außenschatten der Dinge. Wenn ihr die wahre "Erkenntnis Gottes" erreicht, wird das ewige Leben in eurer Seele vollzogen; dann werdet ihr dem Tod wie jener junge Schäfer entgegenkommen. Und die Inschrift auf eurem Grab wird nicht lauten: "Hier ruht der, den der Tod blutjung wegriß".

Nun kommen wir wieder zum Gegenstand unseres Gesprächs zurück, damit ich diese These durch ein Gleichnis näher erklären kann. Jedes Lebewesen benötigt eine bestimmte Umgebung und Lebensbedingungen, die seine Existenz ermöglichen. Für die Pflanzen sind es der Boden, die Feuchtigkeit und das Licht; für die Fische ist es das Wasser, da sie außerhalb des Wassers nicht leben können; für die Vögel, die Säugetiere, den Menschen ist es die Luft, die sie zum Leben benötigen. Dieses Gleichnis ist richtig auch hinsichtlich der äußerlichen menschlichen Empfindungen. Das Medium des menschlichen Auges ist das Licht, des Ohres – der Schall, der Nase – der Geruch, die Blumen, die ständig die diesen Sinn mit Nährstoff versorgenden ätherischen Schwingungen ausscheiden. Das Medium des Geschmacks ist die Nahrung, all die organischen Stoffe und Säfte, die unermüdlich hineinströmen und Leben spenden. Wenn wir nun noch höher auf diese Leiter steigen, werden wir erkennen, wie dieses große Gesetz wirkt. Der Lebensraum unseres Herzens sind die Wünsche, der Lebensraum des menschlichen Verstands, in dem er leben und sich entfalten kann, das sind die Gedanken; ohne die Gedanken verkümmert der menschliche Verstand, ohne die Wünsche verkümmert das menschliche Herz genauso. Der Lebensraum des menschlichen Willens ist die Kraft, die Tatkraft und der Arbeitsdrang; ohne die Arbeit verkümmert der Wille. Nach demselben Gesetzt dieses Gleichnisses ist Gott das Medium der Menschenseele. Deshalb besagt auch die Schrift: "In Ihm leben wir, in Ihm bewegen wir uns und existieren wir", durch Ihn kann die Seele ihr ursprüngliches Leben zurückerhalten, das heißt, sich in Unsterblichkeit verhüllen. Gott stellt also ein inneres Medium dar, eine innere Voraussetzung, eine innere Kraft, aus der wir immer wieder schöpfen müssen. Und genauso wie zum Beispiel unsere Augen mit dem Licht, unsere Lunge mit der Luft, unser Magen mit dem Mund, damit ihm Nahrung zugeführt werden kann, verbunden sind, so sind auch unser Herz und unser Verstand zwei Mittel, durch welche die Seele das Leben empfangen kann. Das sind die Medien, die den Boden für das Göttliche Medium vorbereiten – das universale Göttliche Bewußtsein, in das unsere Seele getaucht ist. Es ist wahr, daß immer, wenn ein Lebewesen die Verbindung zu seinem Lebensraum verliert, sich dem Tod preisgibt, ganz egal, ob es eine Pflanze, ein Fisch, ein Vogel, ein Säugetier oder ein Mensch ist – das Gesetz hat immer die gleiche Wirkungskraft. Christus, der dieses Gesetz zutiefst erkannte, beharrte darauf, daß es notwendig ist, Gott zu erkennen oder – in der Sprache der Wissenschaft ausgedrückt – die Verbindung zu der eigenen Umgebung zu erhalten.

Ihr werdet aber sagen: "Wir werden Ihn erkennen, wenn wir ins Jenseits gehen". Das Jenseits, das ist Gott. Die Menschen, die denken, sie gehen ins Jenseits, erst nachdem sie gestorben sind, sie erinnern an jenen Sohn eines Verbrechers, der bei seiner Festnahme zu sich sagte: "Ich gehe meinen Vater sehen". Werdet ihr etwa im Gefängnis euren Vater sehen? Ihr werdet an einem Ort sein, wo ihr euch bessern solltet. Im Jenseits werdet ihr nicht bei eurem Himmlischen Vater sein, denn bevor ihr dorthin geht, müßt ihr zuerst den Tod besiegen, aus dem Gefängnis entlassen werden, frei sein. Deshalb sagt Christus in dem hier interpretierten Kapitel des Evangeliums: "Ich bin die Tür", und an einer anderen Stelle sagt Er: "Derjenige, der durch Mich ein- und ausgeht, wird auch Weide finden".

Nun sagt mir, seid ihr schon durch diese Tür ein- oder ausgegangen und wie habt ihr es geschafft? Wenn ich euch nach dem Haus eines eurer Freunde fragte, so würdet ihr sagen: "Die Außentür seines Hauses geht nach Westen und die Innentür – nach Norden oder nach Süden; ihr werdet auch beschreiben können, wie groß sie ist, welche Farbe sie hat und wie man sie zuschließt. Alle Kirchenväter sagen: "Christus ist eine Tür". Wenn Christus die Tür wäre, klärt uns bitte auf, woraus sie gemacht worden ist – aus Holz, aus Eisen, aus Gold oder etwa aus Silber; vielleicht aus Edelsteinen oder aber aus etwas ganz anderem; was hat sie für eine Angel und Pfosten?" "Na ja", werdet ihr darauf antworten, "es ist im übertragenen Sinne gemeint". Gut, legt mal dann den Begriff "Tür" aus, was soll Christus sein, in welchem Sinne stellt er eine Tür dar? Ihr werdet sagen: "Christus hat uns gerettet". Wie hat Er uns gerettet? "Er ist für uns gestorben". Kann denn ein Toter retten? "Er ist aber auferstanden". Wie ist Er auferstanden? "Durch das Göttliche Leben". Also war Christus mit Gott eins, er kannte Gott und durch diese Erkenntnis Gottes besiegte Er den Tod. Dadurch ist Er auferstanden und zu unseren Seelen gekommen. Jetzt ist Er bei uns. Zunächst war Er 33 Jahre lang zusammen mit uns eingesperrt und Er hat uns gezeigt, wie wir aus diesem Gefängnis herauskommen, wie wir den Tod und das Böse besiegen können. Christus ist jetzt draußen – in jener Welt beim Vater des Lichtes. Er kommt unseren Verstand, unsere Herzen besuchen und die Welt wird Ihn durch jene drei Schläge – gegen das Messer, die Hand und das Bein, sehen. Er wird alle falschen Lehren stürzen. Welche sind diese falschen Lehren? Das sind jene Elemente, Gedanken, Wünsche, Handlungen, die das menschliche Glück, den menschlichen Verstand, das menschliche Herz, die menschliche Seele, den menschlichen Geist zerstören und die Tod, Anarchie und Sklaventum überall herrschen lassen und unser Leben lahm legen. Und was ist die Lebenslehre? Das sind all die Elemente, die Glück, Wohl, Güte, Aufklärung spenden, die den menschlichen Geist, das menschliche Herz erheben und Wohlwollen und Liebe allem gegenüber hineinbringen – das ist der lebendige Christus. Und darum sagt Er: "Damit ihr diese Grundelemente besitzen könnt, die in euch ein ewiges Leben bringen, müßt ihr unbedingt Gott erkennen". In der Welt muß man kämpfen. Aber gegen wen? – Gegen den Tod. Jedoch ist diese Kunst richtig zu verstehen. Widrigenfalls werden uns die Fehler andauernd verfolgen. Ich erkläre es euch: eine Mutter, Bulgarin, schickt ihren Sohn, ich glaube nach Deutschland, damit er dort studiert. Diese Frau war ziemlich vermögend: jeden Monat schickte sie dem Sohn 3 bis 4 oder 5 000 Lewa, aber das war ihm zu wenig, das Geld reichte ihm nicht aus. Eines Tages schrieb er seiner Mutter, ihm weitere 1000 Lewa zu schicken. Sie schreibt ihm darauf: "Ich habe kein Geld, sieh zu, daß du irgendeinen kleinen Job findest"; der Sohn aber kündigt an: "Wenn du mir kein Geld schickst, bringe ich mich um"; dann schreibt sie ihm zutiefst entrüstet folgendes: "Bring dich um – ich werde auf dein Grab spucken; ich will keinen Sohn haben, der ein Feigling ist und nicht arbeiten will, der sich im Kampf des Lebens vor der Arbeit drückt und wie eine Memme leben will". Die Worte werden hier möglicherweise nicht genau zitiert, aber sie geben den Sinn haargenau wieder. Der Sohn kommt zu sich. Und dieses Telegramm ist heute eingerahmt – wenn diesbezüglich Fragen gestellt werden, antwortet er: "Es hat mich gerettet". Folglich hat man in der Welt mit manchen Elementen des Todes zu kämpfen. Und wie werdet ihr siegen? Es gibt nur einen Weg zum Sieg: indem ihr Gott erkennt, das heißt den Anfang des Lebens. Ihr werdet mich aber bestimmt wieder fragen: "Wie können wir diesen Anfang erreichen?" Das ist die leichteste Sache. Angenommen, ihr bekommt plötzlich keine Luft – Was macht ihr dann? Ihr macht den Mund auf und atmet. Ihr müßt durch die Nase Luft holen. Deswegen, um zu leben, müssen wir Erkenntnisse haben; um Erkenntnisse zu erwerben, brauchen wir einen frischen Verstand, der aufnahmefähig und mobil ist. Und so, wenn ihr stets durch euren Verstand die guten, erhabenen Gedanken empfangt, genauso wie ihr stets durch die Nase Luft holt, seid ihr auf dem besten Wege, dieses ewige Leben zu erreichen, nach dem ihr strebt. Wenn ihr jeden Tag das folgende kleine Experiment durchführt, um euren Willen abzuhärten, nämlich – die schlechten Gedanken und Wünsche wegzujagen und nur die guten Gedanken und Wünsche zu empfangen, werdet ihr in einem Jahr an euch selbst Wunder verrichten können: Es wird dann kein Hindernis geben, das sich nicht dieser eurer Willenskraft beugen würde. Selbstverständlich, wenn man nun Unsterblichkeit erreichen will, muß man einen starken Willen im wahrsten Sinne des Wortes haben. Ihr sagt aber: "Ich kann es nicht". – "Wer es nicht kann, wird dorthin gehen – ins Gefängnis". So steht es in dem Göttlichen Buch geschrieben. Wenn du "Ich kann es nicht" sagst, sagt Gott: "Sperrt ihn ein, ich werde ihm das Können beibringen". Es gibt keinen anderen Ausweg. Das ist unser Schicksal. Wollen wir mit Gott eins werden, mit Ihm leben, ein ewiges Leben erlangen, so müssen wir Ihm unbedingt dienen. Widrigenfalls muß man ebenso dienen, aber wem? Den Teufeln, den Fürsten dieser Welt, die uns dreimal am Tag einspannen werden. Da wird der Teufel eine Peitsche nehmen und sagen: "Los!" Willst du nicht für Gott arbeiten – knallt es! Schließlich wirst du denken: "Es gibt keinen anderen Ausweg – es muß gearbeitet werden!" Natürlich, weil es sonst den Stock und den Prügel gibt. Hältst du inne, knallt die Peitsche sofort wieder. Das sind die zwei Möglichkeiten. "Ich will Gott nicht dienen". – Wenn du Gott nicht dienen willst, bekommt du einen anderen Herrn. – "Ich will frei sein". – Du irrst dich: es gibt keine Freiheit auf dieser Welt; Freiheit hat nur derjenige, der mit Gott eins ist; derjenige, der ein bewußtes Leben führt, der ist frei. Manchmal sagt ihr: "Ich wurde zornig, ich habe ihm gezeigt, wo es langgeht!" Denkt ihr, daß ihr sehr klug gehandelt habt? Ihr habt einander übertreffen wollen! Wer war wem im Sprechen überlegen? Wen willst du überhaupt im Sprechen übertreffen? "Ich habe ihn verprügelt". Was hat man dir dafür bezahlt? Nichts. Kann sein, daß man morgen dich verprügelt. Was ist das für eine Freiheit: heute prügelst du, morgen wirst du geprügelt; heute erwürgst du jemanden, morgen wirst du erwürgt. Das ist keine Freiheit.

Christus sagt: "Ihr müßt euch mit dem Grundprinzip der Erkenntnis vertraut machen". Ich will, daß ihr das anwendet, was ich euch jetzt sage. Ihr geht in eine Kirche, ihr steht auf, verschränkt die Arme, schließt die Augen, ihr seid vertieft in einem Gebet, das ihr an Gott richtet; ihr verlaßt danach die Kirche – und schon ist all das vergessen. Die Leute draußen sagen: "Dieser Mensch geht in die Kirche, er ist fromm; er verläßt die Kirche und schon ist sein Leben anders geworden". Das bedeutet, daß ihr nicht den richtigen, den wahren Weg der Erlösung gefunden habt. Einige sagen dennoch: "Christus ist gekommen und hat uns gerettet". Christus rettet die Klugen und die Guten. Er rettet niemals die bösen und die dummen Menschen. Christus rettet die klugen und die guten, die gehorchen und Seiner Lehre folgen. An erster Stelle lehrt uns Christus, wie wir für uns arbeiten sollen. Er sagt: "Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben". Der Weg, das ist die Methode, die Wahrheit – euer Verstand, durch den ihr die Dinge kennenlernen und erkennen müßt, welche von ihnen gut und welche schlecht sind; das Leben – das ist eine Kunst, die euch weiterhilft, den Stoff anzufertigen und euch damit anzuziehen. Macht ein kleines Experiment mit euch selbst. Stellt euch mal vor, ihr seid krank, nervös, unpäßlich, eure Kinder sind nicht gut. Laßt die Kinder Kinder sein, macht euch keine Sorgen um sie, denkt mal an euch selber jetzt. Warum seid ihr nervös, warum seid ihr unpäßlich – dafür gibt es tiefe Gründe. Wenn ihr mir sagt: "Ich habe Durst", so würde ich euch raten: "Trinkt euch satt", "Ich habe Hunger" – "Eßt euch satt". – "Aber wie kann ich trinken, wenn es kein Glas gibt". – "Knie vor diese Bergquelle nieder, hier ist das Element, das deinen Durst stillen kann". – "Ich will aber nicht knien". – "Du wirst knien, sonst wirst du durstig bleiben". – "Aber meine Hose, die habe ich gerade neu gekauft, sie wird doch dreckig". "Wenn du deine neue Hose erhalten willst, wirst du durstig bleiben. Es ist besser, wenn du niederkniest und dich dreckig machst, um das Wohltun des Wassers spüren zu können". – "Ich habe Hunger". – "Komm mit"; ich bringe dich in ein Zimmer. – "Hier ist ein bißchen Brot, setz dich auf den Boden und iß dich satt". – "Aber ich bin es nicht gewöhnt, auf diese Art und Weise zu essen, ich brauche ja eine Gabel, ein Messer, einen Teller".– "Da ist das Brot, laß die Gabel, das Messer und den Teller! Nimm das Brot, brich es mit den Händen und iß dich satt". – "Aber die Leute werden mich doch sehen. Es ist so peinlich". – "Wenn du dich genierst, wirst du hungrig bleiben. Wenn du dich genierst, in die Schule mit einer Fibel zu gehen, wirst du unwissend bleiben". Nun, wenn ein Mensch gerufen wird, Christus zu folgen, darf er nicht sagen: "Was werden die Leute dazu sagen", sondern er muß Christus näher kommen und seine Lehre anwenden – so wird er stark. Der Teufel droht uns an, weil wir schwach sind. Ich will nicht, daß ihr schwach seid, sondern daß ihr euch satt eßt. Wie sollte man es tun – eurem Verstand, eurem Herzen Nahrung geben? Ein ewiges Leben erreichen – das bedeutet, nicht nur euren Körper, sondern auch euer Herz, euren Verstand, eure Seele, euren Geist zu ernähren zu verstehen. Es ist eine Ernährungsmethode, so wie dieses in der tiefsinnigen Lehre Christi verankert ist. Und am heutigen Morgen würde ich meinem Vortrag den Titel geben: "Wie wir lernen können, uns zu ernähren". Ihr habt euch einzig und allein angeeignet, zu kauen, und ihr beherrscht diese Kunst ausgezeichnet. Jetzt fangt wieder von dort an; stellt das Gericht vor euch und laßt euer Herz satt werden, laßt euren Verstand und euren Geist satt werden. Und wenn ihr euch so sattgegessen habt, werde ich euch sagen, daß ihr sehr klug seid, daß ihr die Lehre Christi beherrscht, und daß ihr das ewige Leben ereichen werdet, weil ihr wißt, mit Gott eins zu werden.

Ich stelle diese Frage auf Grund meiner Erfahrung, ich trage euch über Dinge vor, die ich verstehe, über Dinge, die ich selbst ausprobiert habe. Das einzige, das euch im Wege steht, ist, daß ihr zögert und herumphilosophiert: "Wie steht es mit dieser Sache eigentlich?" Wenn es um das praktische Leben geht, ist das Philosophieren fehl am Platze. Nehmen wir an, ihr habt eine Frau engagiert, die euch das Spinnen und das Weben beibringen soll; "Aber ich kann nicht". – "Du wirst es können"; zunächst wird es nicht so gelingen, wie es sein muß, aber nach und nach, von einem Tag zum anderen, in einer Woche oder in einem Monat wird euer Garn feiner; danach lernt ihr, wie man zettelt und dann kommt das Weben selbst an die Reihe. Ihr sollt nicht glauben, daß alles auf Anhieb wie geschmiert gelingen wird; ihr werdet zwar Hindernisse überwinden müssen, aber durch Beständigkeit werdet ihr all das lernen. Euer erster Versuch kann das Folgende sein: bemüht euch, eine oder zwei Minuten lang euer Bewußtsein frei zu halten, nicht an die banalen abgedroschenen Dinge des alltäglichen Lebens zu denken. Ihr sagt: "Ich habe aufgehört zu denken, ich denke an nichts", aber durch euren Kopf gehen die Gedanken an eure Oma, an eure Kinder, Hühner, Ochsen, Brennholz, Steine, und ihr glaubt, daß ihr frei seid. In eurem Bewußtsein herrscht das absolute Chaos – hier befinden sich eure Oma, eure Mutter, eure Kinder – sie sind alle da. Ihr müßt letzten Endes sagen: "Ich will frei sein, heute werde ich an Gott denken – an die große Liebe des Lebens; geht ihr nur alle nach draußen auf den Hof. Ihr spielt jetzt dort und laßt mich frei sein, weil ich etwas sehr Wichtiges zu tun habe". Versucht es beim ersten Mal nur zwei Minuten lang zu tun. Die Kinder aber werden zu euch kommen, sich gegenseitig schlagen, weinen; laßt sie sich schlagen, laßt sie weinen; zwei Minuten lang sollt ihr sie vergessen und während dieser kurzen Zeit eure Gedanken einzig und allein dem Gott der Liebe widmen. So sieht diese Kunst aus – im Kleinformat. Aber, werdet ihr an dieser Stelle sagen, das ist doch kinderleicht. So leicht ist es aber auch wieder nicht. Versucht danach, im Laufe von fünf Minuten, von zehn Minuten dasselbe zu tun. Zunächst will Christus, daß ihr aus eurem Herzen die Ochsen, die Hühner, die Pferde, die Wölfe, die Füchse vertreibt, die euer Heiligtum verschmutzt haben. Wißt ihr, um welche Wölfe und Füchse es sich handelt? Es sind Wölfe und Füchse, die sich in euch befinden; ich kann sie sehen – dabei haben sie einen langen Schwanz, einen roten Pelz, große Zähne und Krallen. Euer Haß – das ist der Wolf, eure Heuchelei – das ist der Fuchs. Wozu braucht ihr diesen Fuchs, was für einen Nutzen wird er euch bringen? Gar keinen. Jagt alles fort und schafft in euch die allerbeste Ordnung. Dann sollt ihr euren Priester rufen: "Komm, Diener des lebendigen Gottes, zieh dein Gewand an, nimm dein Weihrauchfaß, mit dem du deinen Weihrauch zu Gott hochsteigen läßt". Du sollst auch den Bischof deines Lebens kommen lassen. Und wer ist dieser Bischof? Dein Geist. Du wirst auch die Sänger kommen lassen. Wer sind sie? Deine guten Gefühle und Wünsche. Du wirst sagen: "Kommt, laßt uns singen und damit Gott in diesem erhabenen Tempel dienen", und dann wird Christus kommen, und wenn Er diese Versammlung von denen frei vorfindet, die darin Tauben und dergleichen verkauft hatten, die von Ihm nach draußen weggejagt wurden, wird Er sagen: "Friede sei mit euch! Es ist der Tag eurer Auferstehung gekommen, heute werdet ihr mit Mir zusammen im Paradies sein". Habt ihr den tiefen Sinn der Worte jenes Räubers erkannt, der rechts von Jesus gekreuzigt wurde: "Gott, entsinne Dich meiner in Deinem Reich!" Er war ein Mensch, der mit seiner Peitsche alles Getier nach draußen weggejagt hatte, und deshalb sagte Jesus zu ihm: "Du bist ein Mensch, der mit Mir heute im Paradies sein wird". Jagt weit weg von euch alles Getier, Schweine, Füchse, Wölfe... Und der andere Räuber, der links von Christus gekreuzigt wurde, was sagte er? – "Wenn du wirklich ein Sohn Gottes bist, gehe herunter und befreie uns". – Wie hätte Er ihn denn befreien können, wenn er selber nicht das gesamte Getier von sich weggejagt hatte, wenn er ein Sklave seines eigenen Egoismus war?

Ich glaube, ihr könnt mir folgen: ich spreche sehr eindeutig zu euch. Ich möchte zu euch so sprechen, wie möglicherweise bis jetzt niemand zu euch gesprochen hat. Das Erste, was ihr zu lernen habt, ist, Gott zu lieben, und diese Liebe wird euch mit Ihm vereinigen. Es gibt Tausende von Gelegenheiten, mit Ihm eins zu werden und euer Leben glücklich zu machen. Und wenn ihr euch mit Ihm vereinigt und das ewige Leben betretet, wird sich alles in euch verwandeln, so daß jedes Ding auf seinen Platz kommt. Und nun stellt euch selbst die Aufgabe, zuerst nur für zwei Minuten, dann für fünf Minuten die fremden Gedanken in euch wegzujagen und nachdem ihr allein geblieben seid mit euch selbst, fangt an, tiefsinnend über das große Problem nachzudenken, warum seid ihr auf der Erde, warum ihr unpäßlich seid, warum ihr keine erhabenen Gedanken und kein erhabenes Herz habt, warum ihr keinen festen Willen habt, ein bestimmtes Problem zu lösen, und ihr bekommt von Christus eine Antwort. Er wird euch in der folgenden Form antworten: "Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; das heißt, wenn ihr alles Andere wegjagt und Mich in euch aufnehmt, wenn ihr als Gott Meinen Vater erkennt, der in Mir lebt und Mir das ewige Leben gegeben hat, wird Er auch euch ein solches Leben geben". Wir müssen Christus in uns aufnehmen, um uns mit Gott zu verbinden. Und das Christentum hat nur dann einen Sinn, wenn wir lernen, dieses Leben zu besiegen, um das Leben im Jenseits zu erlangen, das für uns deswegen von einer besonderen Bedeutung ist, weil es Wissen, Kraft, Edelmut unseren Gefühlen verleiht, uns glücklich macht und Geisteskraft gibt, damit wir alles besiegen können, so daß die Angst vor der Armut auf der Welt aufhört zu existieren. Das ist die Lehre Christi. Ihr habt Angst vor dem Tod. Empfangt ihn, indem ihr sagt: "Ich kämpfe mit ihm". Angenommen man will euch ins Gefängnis stecken; sagt zu euch selbst: "Wir kämpfen gegen denjenigen, der den Tod bringt, durch die Kraft Desjenigen, Der in uns lebt – durch den Alleinigen Wahren Gott". Es kann kommen, daß sich die ganze Welt gegen euch erhebt; möglicherweise wird man euch drohen; fürchtet euch nicht. Ein Mensch, der sich fürchtet, kann kein Bürger Des Gottesreichs werden. Jetzt kämpft ihr in dieser Welt, wenn ihr in Den Himmel geht, wird man jedem von euch ein Sankt-Georgs-Kreuz verleihen und es wird ein lebendiges Kreuz sein. Ihr werdet zurückkehren und dann wird Christus zu euch sagen: "Komm du, guter Knecht, der auf dem Schlachtfeld gekämpft hat". Seit Tausenden von Jahren leidet der Mensch, er hat aber nicht für die Menschheit, für die Gerechtigkeit gelitten; bis jetzt hat er immer nur für sich selbst, für seine Ochsen, Pferde usw. gelitten. Zum Schluß muß er für Christus leiden. In diesem Leiden findet man das wahre Leben. Darum sagt Apostel Paulus: "Wenn wir verwachsen sind mit der Gleichheit seines Leids, so werden wir es auch mit Seiner Auferstehung sein"; weil Gott auf dieselbe Weise, wie Er Christus auferweckt hat, auch uns auferwecken wird, wenn wir für Ihn leben. Laßt Christi Geist in uns einziehen, laßt uns den Wahren Gott erkennen und das ewige Leben erlangen. Dann werden wir dazu bereit sein, für unsere kleineren Brüder und Schwestern zu arbeiten, damit auch sie sich die Kunst aneignen, den Reichtum dieses Göttlichen Lebens zu erlangen.

(Gehalten am 21. September 1914 in Sofia)

 

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