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 Das Gesetz des Dienens

„Wer mir dienen will, der folge mir nach; und wo ich bin, da soll mein Diener auch sein. Und wer mir dienen wird, den wird mein Vater ehren." (Joh. 12:26)

Viele fragen sich, was sich hinter den Worten "wer mir dienen wird, den wird Mein Vater ehren" verbirgt. Die Welt hat verschiedene Reize: Der moderne Mensch strebt danach Wissen, Reichtum, Ländereien, Häuser, Ruhm, Berühmtheit, Kraft und vieles andere zu erlangen; sehr viele Dinge werden angestrebt. Jesus besteht aber nur auf eines: Auf das Dienen - der Mensch muß wissen, wie man dient. Diener - ein oft gebrauchtes Wort, wenn es darum geht, die niedrigste Stellung innerhalb der Gesellschaft zu bezeichnen. Es gibt verschiedene Diener - in den Kneipen, in den Restaurants, in den Küchen, in den Theatern, in den Universitäten, in den Ministerien.... An und für sich sind wir alle Diener, nur nicht alle wollen es sich eingestehen. So gibt es in der Welt zwei Arten von Dienern: Die einen, die sich ihrer Verpflichtungen bewußt sind und wissen, wie sie ihnen am besten nachkommen, und die anderen, die vom Dienen keine Ahnung haben. Die Letzteren nennen wir auch mittlere Führungsschicht, Vorgesetzte, die sich auf ihrem Posten breitmachen und erwarten, daß ihnen die Untergebenen dienen; sie lieben es, den anderen wohlfeile Ratschläge zu geben, wie man zu arbeiten und zu dienen hat. Jeder möchte sich in der ersten Kategorie befinden - Herr sein. Das Christentum aber vertritt eine völlig konträre Auffassung: Es vertritt das Prinzip, daß der, der Vorgesetzter sein will, dienen muß; es besagt, daß selbst der Sohn Gottes nicht auf die Erde kam, um bedient zu werden, sondern um zu dienen. Wir alle unterliegen dem Gesetz des Dienens. Mancher sagt: „Ich bin der Herr!“; nein, er belügt sich selbst, wenn er wirklich glaubt, er sei keinem Rechenschaft schuldig, er würde keinem dienen; denn zumindest dient er seinem Magen, der ihn tagtäglich dazu antreibt, zur Arbeit zu gehen, ob es ihm gefällt oder nicht. Er verlangt von ihm, daß er bei der Auswahl des Essens stets auf beste Qualität achtet, er besteht darauf, daß er die Nahrung, bevor er sie ihm zuführt, gründlich zerkaut, tut er es nicht, wird er mit Erbrechen bestraft: „Du mußt mir gut dienen, sonst kündige ich dir!“ Einige denken, daß nur der Herr den Untergebenen kündigen kann, aber auch der Magen ist dazu in der Lage. Fragt nur die Ärtzte, was ein Magen macht, dem nicht richtig gedient wurde; damit ihr nur seht, wie er seinem Herrn kündigen kann. Dienen ist eine Tugend. Wieviel Leid wurde schon auf die Erde gezogen, einzig und allein deshalb, weil man es nicht versteht, richtig zu dienen. Wenn die Mutter lernt, wie man ein Kind erzieht, wenn der Lehrer lernt, wie er seinen Schülern Wissen vermittelt, wenn die Regierung lernt, wie sie dem Volk dient und Gesetze erläßt, die für seine Entwicklung wichtig sind, wird die Welt ein anderes Gesicht bekommen. Die moderne Zivilisation steht vor einer gewaltigen Prüfung: Millionen von Menschen bewerben sich darum, in den Armeen dienen zu dürfen - Gewehre zu tragen, Minen zu legen, im Gleichschritt zu marschieren, Granatwerfer zu bestücken; das ist nichts anderes als dienen. Was erwartet diese Diener? All diese Köpfe, Schenkel und Hände werden entbeint, verquirlt und in Kübeln in die Heimat zurücktransportiert. Das trägt dann auch noch das Etikett: "Zivilisation und Kultur"; die modernen Völker wollen uns sicher sagen: „Wozu ist überhaupt Der Herr gut? - Die Wissenschaft bringt uns weiter!“ Was hat sie uns denn beigebracht? Hart zu sein, Revolver und Granaten herzustellen! Ja, die Wissenschaft hat uns zu dieser Prüfung bestellt, damit wir diesen gefährlichen Versuch machen, und auch der Himmel prüft uns und unser Verständnis vom Dienen. Die Welt verlagt nach Dienern, die ihr voll zur Verfügung stehen, und Der Herr erwartet auch das Seine. Christus sagt: „Wer mir dienen wird, den wird mein Vater ehren!“ Wir sind ständig damit beschäftigt, unsere Sachen zu ordnen, aber sie wollen sich keiner Ordnung einfügen. Wir erkranken, rufen den Arzt, damit er uns heilt, doch trotz allem holt uns der Tod ab. Wir bauen uns eine Villa, richten sie mit dem Feinsten vom Feinsten ein, stellen Wachleute ein, damit keiner unsere Reichtümer klaut und einige Wochen später brennt das Haus ab. Christus sagt: „Soviele tausend Jahre habt ihr diesem euren Prinzip gedient, und seht, wieviel dieser Untergrund trägt; wenn ihr hingegen Mir dient, werdet ihr den Sinn in eurem Leben sehen!“ Wir müssen dienen, weil selbst Christus nicht bedient werden wollte, sondern diente. Die Menschen müssen Diener der Schwächeren und der Schutzlosen werden. Wir dürfen nicht zulassen, daß schlechte Leute die Welt bedienen. Wißt ihr, warum die moderne Gesellschaft verdorben ist? Die Mütter, die die Kinder alleine erziehen müssen, vertrauen ihre Kinder unfähigen Dienerinnen an, und sie selbst gehen ins Theater, auf Bällen, in Cafes und anderen Vergnügen nach. Was können diese sittenlosen und unfähigen Dienerinnen ihnen schon beibringen? Doch wohl nur das, was sie selbst wissen! Dienerinnen erziehen die jetzigen Kinder - nicht nur in Bulgarien, sondern auch in Frankreich, Deutschland, Amerika - kurzum überall. Nicht alle Dienerinnen sind sittenlos, aber der größte Teil ist es eben, und das ist in erster Linie die Schuld ihrer Dienstherren. Wenn die Mütter im wahrsten Sinne des Wortes Dienerinnen ihrer Kinder wären, die sie auf dem Weg des Aufwachsens und der Erziehung begleiten, sähen einige Dinge anders aus. - Das gleiche gilt für den Vater, der nicht einmal bereit ist, seine Söhne zu erziehen. Wenn Vater und Mutter drangehen, ihre Verpflichtungen zu vernachlässigen und sie auf ungebildete Dienerinnen abzuwälzen, die keine Ahnung davon haben, was das Leben eigentlich ist, kann das Resultat nur verheerend sein. Eine Dienerin kann allein schon aus dem Grund kein Kind erziehen, weil sie es nicht geboren hat und keine Liebe zu ihm empfindet. Sie sagt sich: „Was soll ich die Kinder hüten, während es sich Madame gerade im Cafe gemütlich macht?!“

Ich werde euch erklären, was einen guten Diener ausmacht, was für Eigenschaften man von ihm verlangt. Vor allen Dingen muß er ein edles Herz haben, empfindsam sein, aufgeschlossen, Demut muß er besitzen und formbar sein, arbeitsam und nicht faul. Das Leben ist anspruchsvoll und wir müssen ihm dienen, wie es sich gehört. Wenn ein Schneider bei einer Auftragsarbeit Fehler macht und es nicht schafft, es so zu machen, wie es sein sollte, gibt man sie ihm zurück, worauf er für den Stoff und anderen entstandenen Schaden aufkommen muß. Mit der Natur verhält es sich genauso: Sie gibt uns einen Stoff und trägt uns auf: „Schneidet und vernäht ihn zu dem Kleid!“ - und wenn wir uns bei dieser Arbeit blamieren, fordert sie Schadensersatz. Wenn wir lernen wollen, wie man dient, müssen wir uns an Christus wenden, damit Er es uns beibringt. Ein Diener muß sehr klug sein, denn dumme Menschen können keine Aufgabe richtig erfüllen. Die Lehrer, die Geistlichen - auch sie sind Diener. Wenn ein Lehrer vorgibt, sein Handwerk zu verstehen, muß er die Seelen der Kinder kennen, um imstande zu sein, ein Kind zum Wissen zu führen. Der Geistliche muß die Seelen seiner Gemeinde kennen, um ihren Herzen die passende Nahrung geben zu können. Wir müssen über noch einen anderen Wesenszug verfügen - über eine große Geduld. Viele Menschen nennen geduldige Menschen "Ochsen"; „Er ist,“ sagen sie „ein Ochse!“ Geduldig zu sein, bedeutet nicht, ein Ochse zu sein; die Geduld ist eine vernünftige Handlung, die es uns erleichtert, die äußere Unbill des Lebens zu ertragen. Es muß immer ein inneres Gleichgewicht zwischen Seele, Herz und Verstand bestehen. Da war zum Beispiel vor einigen Jahrhunderten ein Mathematiker, der seit zwanzig Jahren an einer Berechnung arbeitete. Doch in seiner Kammer herrschte schreckliche Unordnung, überall lagen Bücher, Blätter und einzelne Zettel herum. Er schloß immer seine Räumlichkeiten ab, doch eines Tages vergaß er es und sein Zimmermädchen ging hinein, und als sie das ganze Durcheinander sah, beschloß sie, aufzuräumen; sie sammelte die ganzen Blätter und Zettelchen auf und warf sie in den Ofen, wo sie verbrannten. Sie räumte das Zimmer sehr gründlich auf, reinigte es und brachte es auf Hochglanz. Irgendwann kam der Herr des Hauses zurück und fragte: „Wo sind die Papiere, die auf dem Boden herumlagen?“ - „Ich habe sie in den Ofen geworfen. Seht nur, wie schön das Zimmer jetzt aussieht!“ - „Das nächste Mal bitte nicht!“ - das war seine Antwort. Wir dienen wie dieses Zimmermädchen: Wir sammeln die Zettelchen auf, das taugt nichts, jenes taugt nichts - ab damit in den Ofen. Dieser gelehrte Mensch, dessen zwanzigjährige Arbeit zu Asche wurde, hat nicht so gehandelt, wie wir es tun würden, sondern er legte eine beispielhafte Geduld an den Tag; er sagte nur: „Das nächste Mal, bitte nicht!“. Ihr befindet euch in genau derselben Situation - die Tür ist offen, das Zimmermädchen kommt rein, sammelt das Papier auf und eines schönen Tages findet ihr euer Werk verbrannt im Ofen wieder. Wenn ihr euer Haus nach Art des Zimmermädchens aufgeräumt vorfindet, was sagt ihr dann? Ich bin mir sicher, daß Tränen fließen werden - „Mein Herr, bin ich etwa der größte Sünder auf dieser Erde?! Warum hast Du es gerade auf mich abgesehen?! Wieso...?“ Wir sind Leute, die von sich glauben, das göttliche Gesetz voll und ganz zu verstehen. Wir müssen dasselbe wie dieser Philosoph sagen: „Das nächste Mal bitte nicht!“ und uns für die Zukunft vornehmen, das Zimmer in Ordnung zu halten und immer abzuschließen, um es den gut gemeinten Absichten des Zimmermädchens zu entziehen.

Jetzt sagt Christus: „Wer Mir folgt, den wird Mein Vater belohnen!“ Stets denkt man nur an diese Welt, an diese Phase des Übergangs, man bringt ständig die hiesigen, familiären Angelegenheiten in Ordnung, aber gleichzeitig versinken die anderen, die wichtigeren Dinge im Durcheinander - euer Verhältnis zum Herrn, Der euch eines Tages zur Rechenschaft ziehen wird. Dieser Tag kommt unausweichlich. Wißt ihr, was nach einigen Jahren sein wird? Wißt ihr, wie sich diese Zeit auf Europa auswirken wird? Wie wird später die Lage sein? Wir wissen es nicht genau. Die Menschen, die der Zivilisation entspringen, müssen die Prinzipien Christi anwenden, um zu lernen, wie man dient und jene, die sich nicht darum scheren, werden auf einmal im Abseits stehen. Die Theorie Darwins besagt, das nur die fähigen und gesunden überleben. Es versteht sich von selbst, daß bei einer geistigen Entwicklung nur die gemeint sind, die geistig und moralisch gesund sind. Denkt im übrigen nicht, daß sich Gesundheit in einem vollen und runden Gesicht und einem ebensolchen Körperbau ausdrückt - daß die Menschen einen noch dickeren Hals haben, einen noch größeren Bauch, eine noch fülligere Erscheinung abgeben und noch mehr essen müssen. Wenn das ganze Leben nur aus Essen und Trinken bestünde, wäre es nicht mehr und nicht weniger als ein krankhafter Zustand. Ich bin nicht dem guten Essen abgeneigt, aber viele denken, es sei sinnstiftend. In der Tat geht ein Drittel unseres Lebens dafür drauf, denn wir dienen ihm von morgens bis abends: Nach dem Aufstehen überlegen wir uns, was wir trinken sollen, ob Tee oder Milch, wenn Milch, dann mit Kakao, oder deutsch, oder gar mit einem türkischen Kaffee. Kaum haben wir gefrühstückt, fangen wir uns zu überlegen an, was auf dem Mittagstisch stehen soll. Huhn oder Hammel, mit Tomaten oder Paprika, gewürfelt oder gehackt, so oder anders. Wir beenden das Mittagessen und fangen an, an das Abendessen zu denken; manchmal haben wir genug, manchmal aber auch nicht. Ständig variieren wir das Essen, so, daß das Kochen zu einer Wissenschaft geworden ist, die eigens erlernt werden muß. Es ist schön, aber kein Ziel im Leben. Die Kraft der Mahlzeit, die unser Magen nutzen kann, hängt nicht davon ab, mit was für Finesse sie zubereitet wurde. Wir sollen nicht glauben, daß wenn wir ordentlich salzen, pfeffern und einen dicken Batzen Butter hinzugeben, die Mahlzeit gesünder wird - wir tun es nur für den Gaumen, für den Mund. Wenn wir wissen wollen, ob eine Mahlzeit gut war, müssen wir nach einer halben Stunde unseren Magen fragen, was er dazu meint: Läßt er uns ein leichtes Völlegefühl verspüren, einen leichten Druck, gepaart mit ein bißchen Unwohlsein, sagt er uns: „Dieses Essen ist für die Gesundheit nicht gerade förderlich, ich kann euch die gewünschten Säfte leider nicht geben.“ Am nächsten Tag sagen wir uns: „Gebe ich ihm diesmal ruhig etwas mehr, schließlich braucht er Kraft für seine Arbeit!“; man sagt sich das solange, bis die Ärzte eine Vergrößerung des Magens diagnostizieren. Die modernen Menschen leben nur für den Magen, weshalb ihre Anstrengungen nur von Gedanken und Gefühlen an das Essen erfüllt sind. Der Lehrer unterrichtet in der Schule und macht sich Gedanken darüber, wie hoch sein Lohn sein wird - 300 Lewa oder 400 Lewa, und wieviel er folglich für Essen und Sonstiges ausgeben kann. Alle Fragen kreisen nur um das Essen, und anschließend fragen wir uns, warum wir uns nicht als Lehrer und Geistliche erheben können. Wir sind darauf aus, unseren Körper in einem möglichst gesunden Zustand zu halten - was für ein Essen man ihm am besten gibt, was für eine Behausung man ihm errichtet; wir arbeiten an dem äußeren Erscheinungsbild, aber keinen scheint es zu interessieren, wie es auf der Innenseite des menschlichen Lebens aussieht. Genauso wie unsere Wohnung gut aufgeräumt sein muß, muß auch in unserem Verstand Ordnung herrschen. Genauso wie unser Körper ein Recht darauf hat, ein hygienisches Haus zu bewohnen, muß auch unser Herz hygienisch untergebracht werden. Ich halte denjenigen für nicht besonders klug, der zwar sein Haus in Ordnung hält, sein Herz aber im Wirrwarr versinken läßt. Wenn wir eine Entscheidung treffen, die mit Dienen verbunden ist, sind die Äußerlichkeiten ausschlaggebend, und nicht, wie es eigentlich sein sollte, zuerst das Herz und der Verstand, und der Körper zuletzt. Nur wenn wir unser Leben so angehen, werden wir Gottes Segen haben.

Christus sagt: „Wenn ihr Mir dienen wollt, müßt ihr euer Herz voranstellen!“ Er kam auf die Erde, gerade um an unserem Herzen zu arbeiten. Worin besteht diese Bearbeitung? Das Unkraut, die Unzulänglichkeiten müssen entwurzelt werden. Ihr seid lange Zeit Christen, ihr alle folgt Christus, aber wenn Er euch jetzt zu einer Prüfung riefe, wieviele von euch würden in Geduld und Demut bestehen, sollte die Aufgabe nicht theoretisch, sondern praktisch gelöst werden, oder auch in Verbindung mit anderen Gütern wie Gerechtigkeit, Liebe, Wahrheit, Weisheit? Glaubt ihr, daß ihr nicht durchfallen werdet? Ob euch die Leute lieben, merkt ihr sofort, aber ob ihr die anderen liebt, darüber rätselt ihr immer noch. Wenn Der Herr verlangt, den Nächsten zu lieben, müssen wir diese Liebe bis zur Selbstaufgabe treiben. Wir sagen oft: „Diese Kerle ziehen mir noch das letzte Hemd aus, ausgeraubt haben sie mich!“ Haben wir den Herrn etwa nicht ausgeraubt - all die Schätze dieser Erde? Der Herr ist auf die Erde herabgestiegen und sagt zu all seinen Dienern, die geraubt und gelogen haben: „Mir reicht es mit dieser Räubermentalität und diesen Lügen, kommt, hier habt ihr die Rechnung!“ - den momentanen Krieg in Europa. Der Herr sagt: „Gebt mir Rechenschaft darüber, was ihr mit dem gemacht habt, was ich euch gab, für was habt ihr es verwendet?“ Manche sagen, daß geoökonomische Voraussetzungen diesen Krieg nötig gemacht haben: Deutschland hätte zuwenig Boden, deshalb werde gekämpft. Wenn Deutschland ein kleines Land ist, das um Raum kämpft, was ist dann mit Rußland und England? Es geht nicht um Land, sondern um etwas anderes, das den Leuten fehlt. Jeder will Herr werden, jede Rasse, die aufgeht, will herrschen, jedes Volk will Herr über alle anderen Völker werden, zwangsläufig stößt man da aneinander. Wenn alle Menschen vom Prinzip Christi geführt wären, der Menschheit dienten, wenn sich jeder auf seinen Wirkungsbereich konzentrieren würde und sein Werk in die Menschheit einbringen würde, gäbe es keine Streitereien. Jetzt bewaffnet man sich, um Einflußsphären zu verteidigen und zu erweitern. „Wie doof die doch sind, die sich jetzt bekriegen!“, denken sich einige. Doch das, was sich jetzt im großen Maßstab abspielt, kann man jeden Tag im Kleinen beobachten: Geht in ein Haus und seht, was los ist: Zwei junge Menschen lernen sich kennen, heiraten, Bekannte und Verwandte freuen sich - „Ah, ein Paar, das in Frieden und gegenseitigem Verständnis leben wird!“ Kommt nach zwei, drei Monaten wieder vorbei: Die Frau zerzaust, der Mann ebenfalls - sie schlagen sich zu Hause; die Frau will befehlen, der Mann widerspricht: „Ich bin der Herr im Haus!“ Tatsächlich machen sich beide etwas vor: Weder der eine noch der andere ist der Herr, sondern sie beide sind Diener. „Man sagt doch, der Mann sei das Haupt der Familie!“ Der Kopf zu sein bedeutet noch lange nicht, der Herr zu sein; das Haupt zu sein bedeutet, ein kluger Diener zu sein, der, weil auch noch älter als die Frau, ihr beibringen sollte, wie man richtig dient, damit beide sagen können: „Wir sind Diener unseres Herrn und wir können beide bestraft werden; wollen wir uns gegenseitig ergänzen und beinflussen!“ Dies war als Gleichnis gemeint, passiert aber tagtäglich in der Welt.

Lassen wir Mann und Frau jetzt in Ruhe. Manchmal sind wir unzufrieden mit uns, führen in uns ein wahres Gemetzel durch; warum? „Mir fehlt der Wille, ich kann dies und jenes einfach nicht ausführen!“ - „Warum hast du denn keinen Willen, du bist doch dein eigener Herr?“ - „Es muß irgend einen tieferen Grund geben!“ Womit hängt dieser innere Zwiespalt des Menschen zusammen? Er hängt damit zusammen, daß er sich im Widerspruch zum Herrn befindet, im Widerspruch zu den heiligen Geboten. Wenn sich der Mensch ständig in solchen Widersprüchen bewegt, muß er damit rechnen, daß sein innerer Kummer immer größer wird, sein innerer Zwiespalt; der Verstand ist verwirrt, man weiß nicht, was man machen soll, schlechte Gedanken und Wünsche umschlingen ihn, die in keinster Weise über göttliche Kraft verfügen - ganz im Gegenteil - und schon nimmt das Leben ein anderes Aussehen an. Die schlechten Gedanken und Wünsche sind wie eine Schlange, die sich um den Menschen windet und ihm jene Säfte aussaugt, die eigentlich für das Herz und den Verstand bestimmt waren; diese Säfte fehlen ihnen nun und sie fangen an, sich zu paralysieren. Wißt ihr, was die Halter von Tanzbären machen, bevor sie ihr Programm vorführen? Sie geben den Bären ein kleines bißchen Mehl zu fressen, damit jene Instinkte nicht geweckt werden, die ihn gefährlich machen. Nehmt die vielen Leute, die die fixe Idee, reich zu werden, in den Wahnsinn getrieben hat: Sie verdienen zehntausend, fünfzigtausend, hunderttausend, eine Million, zehn Millionen - immer noch sind sie nicht satt. Noch und noch und noch häufen sie Reichtümer auf. Aber wozu? Dieser Drang hat schon längst seinen Sinn verloren, und sie wollen noch mehr. Um noch reicher zu werden, bedient man sich neuerdings sogar hypnoseähnlicher Methoden, um Einfluß auf die Leute zu gewinnen, um ihr Denken und Handeln zu manipulieren. In früheren Zeiten versteckten sich die Räuber, mit Gewehren bewaffnet, in den Wäldern, jetzt flanieren sie über die Boulevards und haben andere Hilfsmittel, um ihren Nächsten zu berauben. Man erzählt sich, daß es in New-York drei Hypnotiseuren gelungen sei, einen Bankier dazu zu bringen, ihnen fünfzehntausend Dollar auszuhändigen, mit denen sie dann auch verschwanden. Die Art des Beraubens hat sich gewandelt. Alle wollen diese Fähigkeit haben, diese Macht über die Welt; wißt ihr aber, in was für ein Unglück man damit hineinschlittert? Ich habe dieses Beispiel schon ein anderes Mal angeführt: In einer alten Überlieferung wird erzählt, daß ein Mensch solch eine Macht in seinen Händen haben wollte, daß das, was er anfaßt, augenblicklich zu Gold wird. Er sagte sich: „Wenn ich das könnte, würde die ganze Welt einen Nutzen davon haben!“ Ein Engel fragte ihn: „Wenn dein Wunsch erhört wird, wirst du dann für alle Zeiten zufrieden sein?“ - „Ja, es wäre für mich das größte Glück!“, beteuerte er, heftig nickend. - „Dein Wunsch soll in Erfüllung gehen!“ Als dieser Mensch nach Hause kam, wurden Stühle, Bücher, Tassen zu Gold. Er ging in den Garten - Steine, Bäume, alles verwandelte sich in Gold. Er sagte sich: „Ich werde von jetzt an kein Diener mehr sein, sondern Herr!“ „Sieh nur Frau, wir sind mit einem Mal glückliche Leute geworden!“ Die Frau deckte den Tisch, stellte auf ihn Suppe und Brot, sie setzten sich mit den Kindern zum Essen hin, der Mann nimmt den Löffel er wird zu Gold; rührt die Suppe um - sie wird zu Gold; berührt den Tisch - er wird zu Gold; streift die Frau - sie wird zu Gold. Mit einem Mal faßte er sich an den Kopf und flehte Den Herrn innigst an, ihm aus diesem Schlamassel zu helfen. So kann Gier und Unvernunft enden. Wir können diese Macht erlangen - dadurch verwirken wir aber unser Leben. Wahrer Reichtum ist in, und nicht um uns; er liegt auch nicht in unserer körperlichen Stärke. Die Kraft eines Menschen besteht nicht aus den Muskeln, sondern in jenem diffizilen und zarten Gefühl, das imstande ist, alle anderen Kräfte zu entwickeln. Gott hat die Welt so erschaffen, daß sich die Natur jener augenscheinlich schwächsten Kraft unterwirft - der Liebe. Sie ist so zart und diffizil, und doch herrscht sie über alles. Wenn die Liebe in einen Menschen einzieht, nimmt sie ihn auseinander, um ihn anschließend neu zusammenzusetzen. Nehmt einen Mann, der seine Diener und Dienerinnen oft und gern schlägt; eines Tages taut er auf und opfert alles, um Gutes zu tun. Welche ist diese Kraft, die diesen Menschen nun regiert? - Jenes Prinzip, über das Christus sagt: „Wer der Liebe dient, dient Mir!“ und: „Dieser Diener wird alles haben, was Ich besitze!“ Die Leute suchen nach der Wahrheit und Jesus setzt diese Wahrheit ins Leben, in jenes Senfkorn. Wenn wir diese kleine Hefe, die sich Liebe nennt, in unser Herz setzen, in die Herzen der Herrschenden, so wird die Welt ihr Antlitz verändern. Die Ignoranz gegenüber der Lehre Christi hat diese Katastrophe in der Welt verursacht. Bei diesen Kämpfen und Zusammenstößen schüttet Gott Milch auf das ganze Durcheinander, die Leute schubsen sich nach allen Seiten - solange, bis sich Butter an der Oberfläche bildet; die Butter wird gegessen, der Rest bleibt als Dünnmilch zurück: die einen werden also zu Butter, die anderen zu Dünnmilch. Die Butter und die Dünnmilch wird Gott für Seine guten Ziele verwenden. Nun, es kommt jetzt darauf an, wer zu was wird; doch unser Weg ist bereits vorgezeichnet, egal ob wir zu Butter oder zu Dünnmilch werden sollen.

Christus wandte sich an die Juden und fragte sie, wer von ihnen Sein Schüler sein wollte. Einige von uns sagen: „Ich bin rechtgläubig, ich glaube an Christus!“ Jene, die nur an Christus glauben, sind nur Zuhörer; Seine Frage lautete, wer von euch Sein Gesetz anwenden will. Haltet ein bißchen inne und denkt über diese Worte nach, "ich diene Christus"; wenn ihr euch vornehmt, ein Jahr lang Christus zu dienen, werdet ihr den tiefen Sinn dieser Worte entdecken, den man nicht so ohne weiteres in Sätze zwängen kann. Es ist sehr einfach, aber ihr müßt ausreichend Helligkeit haben. Christus soll euch dieses Licht geben, unter dem ihr euch entwickeln könnt; ich kann euch lediglich das Saatgut geben, denn nur Christus kann es hervorsprießen lassen. Dieses Empfinden der Liebe hängt nicht nur von unseren Kräften und Wünschen ab, sondern von der Beziehung, die wir zu Christus haben. Einige fragen: „Wo ist Christus?“, und erwarten, daß er vom Himmel kommt. Christus ist schon in der Welt und selbst der Letzte hört Ihn. Er kommt auf zwei Arten, er besitzt zwei Gesichter: Das eine ist gütig. - "Der Friede sei mit euch!"; das andere ist zornig - Feuersbrunst, Gewehre und Explosionen. Jetzt sagt Er: „Ruft jene hierher, die nicht meiner Lehre gefolgt sind, damit sie die Bitternis ihrer Ungezogenheit verspüren. Sie wollten mir nicht dienen, also müssen sie für die bitteren Folgen ihrer Eigenmächtigkeit geradestehen. Jeder soll das ernten, was er gesät hat!“, genauso wie ihr einen Verbrecher nicht ungestraft laßt, der eine Unmenge unschuldiger Kinder auf dem Gewissen hat. Christus wendet sich an uns und sagt: „Wenn Mir jemand dient, soll er Mir folgen!“ Ihr sagt: „Es ist einfach, ihm zu folgen, wir werden ihm sogar "unser Meister" zurufen!“ Er könnte euch aber auch zurückweisen: „Nicht, weil ihr meine Lehre wollt, sagt ihr das, sondern weil ihr euch von dem Brot und dem Fisch ernährt habt!“ Er wird euch fragen: „Habt ihr einem Kranken geholfen, habt ihr ihn geheilt?“ Wenn der Mensch vorhat, Dem Herrn zu dienen, darf er nicht Ihn suchen und Ihm dienen, sondern seinen "kleinen Brüdern". Die Menschen wollen vom Herrn, daß Er Frau und Kind gesund hält, daß Er ihnen Geld gibt und eine gute Stellung verschafft. Zwei Jahrtausende lang sah so unser Dienen Des Herrn aus. Jetzt fragt Er Europa angesichts dessen: „Was habt ihr all die Jahre für mich getan?“ Wenn Christus auf euch zukommen würde, was werdet ihr Ihm sagen? Denkt darüber nach, was ihr ihm dazu sagen werdet, was ihr für ihn getan habt. Wir können bei diesen Ereignissen Ruhe bewahren, die die ganze Welt in Angst und Schrecken versetzen. Für uns ist es nur wichtig zu wissen, unter welcher Kategorie wir fallen. Viele wollen Christus sehen, der Tag kommt näher, an dem ihr ihn sehen werdet. - Einige aus der Nähe, andere aus der Ferne; wieder andere nur oben in den Wolken. Deshalb sage ich, daß die Momente, die ihr gerade durchlebt, die schwersten eures Lebens sein werden. Wenn ihr noch immer die Illusion habt, unbedingt im Leben dies und jenes erreichen zu müssen, belügt ihr euch selbst. Ich gebe euch einen Rat: Ihr habt nicht ewig Zeit, euch beizubringen, wie ihr Gott dienen sollt, wenn ihr nicht wollt, daß er euch unvorbereitet vorfindet. Das ihr ja nicht denkt, ihr hättet ewig Zeit! Für die ganze Generation von heute gibt es keine Zeit mehr. Kinder und Erwachsene, Geistliche und Vorgesetzte, Könige und Minister - alle müssen lernen, Dem Herrn zu dienen; wenn nicht, müssen sie zu Dünnmilch werden. Die Kuh ist bereits gemolken. Was denkt ihr, will ich euch sagen? Daß die Milch schon auf die Welt gegossen wurde, und Der Herr bald anfängt, die Butter abzuschöpfen! Diese Kuh kennen wir alle; die gemolkene Kuh - das sind wir. Wenn uns Gott so viele tausend Jahre auffordert, wie erwartet er es, uns dann auf der Erde vorzufinden? Wenn der Vater nach Hause kommt und seine Kinder dabei erwischt, wie sie sich gegenseitig an den Haaren ziehen und schlagen, was denkt er dann? Daß die Mutter sie nicht richtig erzogen hat. Jeder hat gegen jemand anderen etwas: Man zerrt sich gegenseitig vor Gericht. Es sind ganz gewöhnliche Bürger, Lehrer, Geistliche, Liberale, Konservative, Sozialisten und Sozialdemokraten - überall Zank und Zerwürfnisse; wir aber müssen alles über Bord werfen, das unser Leben vergiftet, und uns zumindest in diesem Moment ruhig und still verhalten und abwarten, was auf uns zukommt. Bisher fragten die Leute: „Gibt es eine andere Welt oder nicht?“; es kommt die Zeit, in dem der Himmel fragt, ob es Geist gibt oder nicht, ob es Engel gibt oder nicht; eines Tages werdet ihr sehen, ob es Den Herrn gibt oder nicht. Wenn es jemand nicht glaubt, soll er abwarten und selbst sehen. Mit Argumenten kann ich euch hier nicht dienen - die Klugen unter euch werden es verstehen. Der, der nicht will, wird mit dem Lernen von vorne anfangen müssen. Jetzt kommt die Frage an euch: Christus will von euch, daß ihr Ihm dient - jene, die seine Schüler werden wollen, sollen ihm im weitesten Sinne dienen; denen, die hungern, die verwirrt, die verbittert sind sollt ihr helfen, ihren Geist zu erheben. Es gibt Verzweifelte, die sich fragen: „Was wird aus uns?“ - zeigen wir ihnen den rechten Weg. Ich werde euch noch ein Beispiel geben und damit abschließen: In New-York setzt sich ein Reisender in einem der größeren Hotels der Stadt ab. Das Zimmer, das er bekam, bewohnte er zusammen mit einem Zimmergenossen, der die Angewohnheit hatte, sehr tief zu schlafen. In der Nacht brach im Hotel ein Feuer aus. Der Reisende stand sofort auf und rief seinem Zimmergenossen ins Ohr: „Wach auf, das Hotel brennt!“; dieser gähnte ihn aber an: „Hau ab und laß mich in Ruhe schlafen!“ - „Steh auf, sag ich dir, das Hotel brennt lichterloh!“ Der andere packte ihn daraufhin am Kragen, setzte ihn vor die Tür, schloß sie ab und kuschelte sich in sein warmes Bettchen. Das Feuer ergriff endgültig von dem Hotel Besitz, und irgendwann sah man den Mann auf dem Dach, wo er vergeblich um Hilfe schrie; doch es gab keinen mehr, der ihm hätte helfen können. Ich sage euch: Dieses Hotel, in dem ihr zeitweise lebt, brennt; ich rate euch: Paßt auf, sonst seid ihr es, die am Ende auf dem Dach stehen und Leute um Hilfe rufen, die es gar nicht mehr gibt. Wenn ihr hört, daß das Hotel brennt, zieht euch an und geht ins Freie. Alles was brennt, wird zusammenstürzen, alles, was bisher dem Fortschritt der Menschheit im Wege stand, wird zu Asche, die der Wind davonträgt. Auf diesen Trümmern wird Der Herr etwas Gutes bauen. Denkt nicht, daß damit das Leben zu Ende ist. Es wird lediglich eine neue, glorreiche Epoche anbrechen und deshalb können wir mit Freude und Optimismus in eine leuchtende Zukunft blicken. Vor diesen Stürmen, die über uns hinwegfegen, um zu säubern und die Welt zu reinigen, dürfen wir nicht die geringste Angst haben. Eigentlich müßten wir Gott für ihr Kommen danken. Wir brauchen nicht zu versuchen, diese Stürme abzuwehren - wir könnten es auch gar nicht. Sie werden vorüberziehen und ihr Gutes zurücklassen. Wir müssen nur bereit sein, wenn Christus kommt. Und er wird kommen; für einige ist er schon da, für andere noch nicht. „Wer Mir dient, der soll Mir folgen!“- Folgen wir Ihm! Werdet ihr Ihm folgen oder nicht? Wenn ihr Ihm folgt, werdet ihr das Ideal des Individuums finden, des Hauses, der Gesellschaft, des Volkes und der ganzen Menschheit. Das ist schließlich auch der Sinn des Lebens hier auf Erden.

(Gehalten am 27. Juli 1914 in Sofia)

 

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